Neulich in der Stadt: Ein Junger Mann wühlt im öffentlichen Mülleimer einer Bushaltestelle und fördert zwar eine Pfandflasche zu Tage, aber auch jede Menge Müll, der zunächst nur achtlos herunterfällt, bis schließlich wegen der heftigen Wühlerei die Verriegelung des Mülleimers auf geht und der Inhalt sich komplett auf den Bürgersteig ergießt. Der junge Mann mustert des Müllhaufen kurz und lässt ihn, nachdem er festgestellt hat, dass der kleine Unfall keine weiteren Beutestücke ans Tageslicht gefördert hat, achtlos liegen und macht sich zum nächsten Mülleimer auf.
Als aufmerksamer Zeitgenosse fällt einem natürlich sofort auf, dass hier so einiges nicht stimmt und das hier weder sachgemäß, noch nachhaltig gearbeitet wird. Wir kennen das ja mittlerweile zur Genüge aus anderen Bereichen der Marktwirtschaft, welche Folgen es hat, wenn man die Marktteilnehmer nicht nur weitestgehend gewähren lässt, sondern nicht mal dafür sorgt, dass wenigstens gewisse Mindeststandards eingehalten eingehalten werden. So ist in der jungen Branche nicht sichergestellt, dass die dort tätigen Kleinunternehmer wenigstens über ein Minimum an Qualifikation, wie etwa einem Basiswissen aus dem Bereich Abfallentsorgung und wenigstens solide Grundkenntnisse über die Technik und Beschaffenheit der gebräuchlichsten Abfallbehältnisse mitbringen müssen.
Der Pfandflaschensammelmarkt ist ein noch sehr junger und deswegen in vielen Bereichen leider noch unregulierter Markt, dessen Boom einer der Errungenschaften der Schröderkoalition und ihrer Agenda 2010 ist. Noch aber darf jeder losgehen und die Mülleimer, die Parks und Plätze der Stadt nach Pfandflaschen durchsuchen, mit allen Folgen, die das für die Bürger der Städte hat. Auch gibt es keinerlei zeitliche Vorgaben, sondern es darf zu jeder Tages- und Nachtzeit gesucht werden. Was das für die Bürger bedeutet, die abends in die Stadt gehen, um ihren Alltag zu vergessen und ein wenig Spaß zu haben, konnte man letztens auf einem Stadtfest beobachten: Man steht in kleinen Gruppen zusammen, trinkt und hört sich die Livemusik an und irgendwann fällt einem auf, dass die kleinen Gruppen der Trinker regelrecht umlagert sind von Pfandflaschenjägern, die nur darauf warten, dass da jemand beschließt, die mitgebrachten Flaschen nach dem Austrinken nicht wieder mit nach Hause zu nehmen, sondern einfach vor Ort stehen zu lassen. Man fühlt sich unwillkürlich an den ein oder anderen Urlaub in armen Ländern erinnert, wo irgendwelche Bettler oder Geschäftemacher hinter einem herlaufen und wie verrückt ihre Waren oder Dienstleistungen anpreisen. Hinzukommt ein leise Gefühl der Unsicherheit, weil unweigerlich die Frage aufkommt, wie es um die Manieren dieser Wildwest-Unternehmer bestellt ist und wie lange es wohl noch dauert, bis der Erste auf die Idee kommt, nicht mehr nur darauf zu warten, bis jemand seine Flasche ausgetrunken und weg gestellt hat, sondern dazu übergeht, den Betreffenden die gewinnbringende Ware direkt abzunehmen. Das es Probleme macht, wenn die menschliche Gier die Oberhand über das Geschäft gewinnt weil es an sinnvoller Regulierung fehlt, wissen wir spätestens seit der Finanzkrise und den Übertreibungen der Banker. Hier wären auch die Kommunen gefordert, die es schließlich sonst auch recht gut hinbekommen, die Orte und Plätze ihrer Städte z. B. von Bettlern frei zu halten, damit die Freude beim Schoppen nicht durch die glanzvolle Fülle der Regale unangenehm kontrastierende, zudem oft auch noch recht ungewaschen wirkende Armutsgestalten getrübt wird.
Es könnte Abhilfe geschaffen werden, wenn man endlich dazu überginge, dass die Sammler gezwungen werden, unter Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses ein ordentliches Gewerbe anmelden, vernünftig ausgebildet werden -das könnten die IHKs übernehmen- und man sich ferner dazu durchringen würde, die Wühlerei in den Tonnen zeitlich zu limitieren und z.B nur die frühen Nachtstunden dafür frei zu geben, bevor die Stadtreinigung durch die Innenstadt geht.
Ein weiterer Nebeneffekt der Professionalisierung des Gewerbes, könnte dasselbe auch für Investoren interessant machen, die das ganze im großen Stil aufziehen und dabei nicht nur ihr Personal sorgfältig auswählen, sondern evtl. auch gemäß ihrer Corporate Indentity mit Arbeitskleidung ausstatten, auf der neben dem Firmenlogo auch der Name des Mitarbeiters aufgedruckt ist, wie im Einzelhandel längst üblich. So könnten nicht nur die Rücklaufquoten im Pfandsystem insgesamt gesteigert werden, was auch dem Klimaschutz zugute käme, sondern der Bürger wüsste dann auch, dass er es mit einer vernünftigen großen Firma mit eigener Hotline und geprüfter Unternehmenspolicy (ISO-9001 o.ä..) zu tun hat und nicht mit lauter wilden Einzelunternehmern, die nur das schnelle Geld sehen. Ganz nebenbei könnten so neue sozialversichrungspflichtige Arbeitsplätze enstehen und wieder ein kleiner Teil unerwünschter Schattenwirtschaft, die nicht nur den Sozialsystemen, sondern auch dem Fiskus Einnahmen vorenthält, verschwinden.