Archiv Mai, 2012
HartzIV für alle und Irland 2.0
Vertrauen ist ja gut und schön, aber das einzige was zählt sind schließlich Taten. Nachdem das mit den Bürgschaften und Rettungsschirmen nicht so toll funktioniert hat und die “Märkte” munter weiter gegen potentielle Pleitestaaten spekulieren -warum auch nicht, schließlich gibt’s höhere Zinsen zu gewinnen- will man jetzt dazu übergehen, dass Feld für die Investoren mit ganz konkreten Maßnahmen zu bestellen.
Es soll eine Treuhandgesellschaft nach deutschem Vorbild geschaffen werden, die dafür sorgen soll, dass die Plünderung der Pleitestaaten zügig und geordnet abläuft. Oh, etwas unglücklich ausgedrückt. Ähem – es muss natürlich heißen, “die Staaten bei der Privatisierung unterstützt”. Das Veschleudern von öffentlichen Eigentum lockt immer Investoren an -wer will sich denn schon die Gelegenheit entgehen lassen, für’n Appel und’ Ei an Sachwerte zu kommen.
Sonderwirtschftszonen mit Steuervergünstigungen und entschärfter Regulierung. Irland war lange Zeit so eine Zone, sehr zur Freude von Großunternehmen wie IBM, die massenhaft ihre Callcenter nach Irland verlegten, weil sich dort prima Geld verdienen ließ, ohne dass einem irgendwelche Steuerbehörden auf den Geist gehen. Gefallen hat das auch den zahlreichen Schattenbanken und Zweckgesellschaften, die als Ableger von Groß- und auch Landesbanken in Irland all die schönen Schweinereien veranstalten konnten, die im Rest von Europa, trotz Deregulierung der Finanzmärkte, problematisch waren.
Bekanntlich hat das Modell prima hingehauen: Die Unternehmen sind ins nächste Steuerparadies abgewandert; der irische Staat durfte am Ende die Schulden der Banken übernehmen, die sonst ebenso geplatzt wären wie die Immobilienblase und die Risiken der missratenen Bankentöchter landeten z.B. beim deutschen Steuerzahler.
Bleiben noch die europäischen Beschäftigten, die sich seit der Einführung des Euro ein unhaltbares Anspruchsdenken zugelegt haben und unter denen die Ansicht, man müsse von seiner Arbeit leben können immer noch viel zu verbreitet ist. Hierzulande ist man ja schon viel weiter und hat erkannt, dass man von dem “Gefühl gebraucht zu werden” und davon, “etwas zu tun zu haben” prima Leben kann. Alles weitere regeln die HartzIV-Gesetze.
Weil das so gut funktioniert und wir kurz vor der Vollbeschäftigung stehen, sollen die obligatorischen Arbeitsmarktreformen nun auch in den investiv verschmähten Ländern eingeführt werden. Niedriglohn ohne entsprechenden Repressalien ist nun mal nicht zu machen und eine Einrichtung, die den Betroffenen bei der Erkenntnis, dass sie jeden Job zu machen haben, ein wenig auf die Sprünge hilft, ist da eine große Hilfe.
Bleibt noch das letzte Stück vom deutschen Wesen, an dem Europa genesen soll: Die duale Ausbildung. In Ländern wie Spanien oder Griechenland ist etwa die Hälfte der jungen Leute ohne Job. Früher hieß es in solchen Fällen immer, das dies nur an fehlender Qualifikation liegen könne -dumm und faul passte traditionell einfach gut zu Arbeitslosigkeit. Heute lässt sich das nicht mehr halten und es braucht einen anderen Grund, warum sie überflüssig sind. Sie haben leider falsch gelernt -Pech gehabt.
Das Kapital bekommt weiterhin all die Dinge auf dem Silbertablett serviert, von denen die Anleger mit Blick auf ihre Renditen schon immer geträumt haben. Man kann nicht sagen, dass die Krise schlecht läuft.
Ernsthafte Bedrohung
Was wir da haben nennt sich Gesundheitssytem. Der Witz dabei ist, dass es nur funktioniert, wenn es nicht funktioniert -anders gesagt: Nichts bedroht das Gesundheitssystem mehr als Gesunde. Ohne eine hinreichende Anzahl von Kranken, werden leider nur sinnlose Kosten für das Vorhalten von Einrichtungen, Geräten und Medikamenten produziert. Eine zu gesunde Bevölkerung gefährdet nicht nur die Einkommen der Ärzte, sondern auch Arbeitsplätze in der Pharmaindustrie oder der Medizintechnik.
Wirklicher Grund zur Sorge besteht hingegen nicht, denn wie sich der ein oder andere vielleicht noch erinnert, fanden die Krankenkassen im Zuge der Einrichtung des “Gesundheitsfonds”, als es zu klären galt. wer nun wie viel bekommt, zur Beruhigung aller heraus, das die Gesamtbevölkerung hinreichend mit Siechtum gesegnet ist und so alle darauf hoffen dürfen, über die Runden zu kommen.
Trotzdem bleibt der Patient ein begehrtes Objekt, auch wenn sich das Gefühl, dem sei tatsächlich so, bei dem ein oder anderen Kassenpatienten, der Wochen oder Monate auf einen Termin wartet oder halbe Tagesreisen unternimmt, um einen Arzt zu Gesicht zu bekommen, nur schwer einstellen will. Vielleicht muntert es ihn da ein wenig auf, wenn er erfährt, dass etwa ein viertel der Krankenhäuser bereit ist, ein Kopfgeld -im Branchenjargon “Fangprämie” genannt- zu zahlen, wenn ihr Arzt, Apotheker oder wer auch immer professionell um die Gesundheit der Patienten gerade besorgt ist, sie an ihr Haus überweist. Das macht sie sicher nicht gleich gesund, aber schaden wird die Wertschätzung wohl kaum.
Wenn dir jemand eine Freude macht, dann lass es ihn auch wissen. Das gilt natürlich auch für die Chefs von Krankenhäusern und wenn sie sich freuen, dass ihr Haus ordentlich ausgelastet ist, weil kooperative Ärzte in der Umgebung für genügend Patientennachschub sorgen, sollten sie es die Kollegen ruhig wissen lassen und wenn damit auch noch eine kleine finanzielle Anerkennung verbunden ist, wird die Freude um so nachhaltiger. So macht der Wettbewerb, von dem es laut Experten immer noch viel zu wenig gibt, wenigstens Spaß und alle sind zufrieden.
Kleiner Nachtrag: Vielversprechende Ansätze für mehr Marktwirtschaft in der Medizin bieten auch die sogenannten IGEL-Leistungen, die umso besser laufen, je mehr der Katalog an Regelleistungen zusammengestrichen wird. Ob die angebotenen kostenpflichtigen Leistungen angenommen werden oder nicht, hängt ab von der Angst der Patienten, evtl. zu wenig für seine Gesundheit zu tun und dem Verkaufstalent des Arztes. Aktuell mahnen gerade Verbraucherschützer einige Frauenärzte wegen bestenfalls sinnloser Krebsvorsorgeuntersuchungen ab. Trotzdem braucht es natürlich mehr Konkurrenz unter den Gesundheitsanbietern, denn nur wo Markt ist, ist Effizienz und Qualität zu finden -das weiß doch jedes Kind.
Fast übersehen
Beim Rumzappen am Samstag hatte ich mich noch etwas verwundert gefragt, ob SAT1 jetzt dazu übergegangen ist, die nervigen Unterbrechungen zwischen den Werbeblöcken endlich sein zu lasen und ganz konsequent nur noch Werbung zu senden. Als dann auch noch Herr Kerner auftauchte und irgendwas an Text in in ein Mikro entsorgte glaubte ich zunächst, dass jetzt dann wohl die Fleischwurst an der Reihe wäre. Stutzig machte mich dann aber doch die Studiodeko und die Anwesenheit vom Fußballkaiser. Der macht zwar auch für alles mögliche Werbung, aber als Fleichwurstverkäufer war er mir noch nicht aufgefallen.
Ich blieb also dran und stellte fest, dass zwischendurch auch Fußball gezeigt wurde -Championsleaguefinale sogar. Bayern gegen Chelsea. Rote und Blaue jagten dem Ball nach und aus dem Off betete ein Reporter pausenlos seinen Abgesang auf die Blauen herunter und ließ keinen Zweifel daran, dass die echt schlecht sind. Zu alt, von einem Milliardär zusammenkauft und nur mit sehr viel Glück überhaupt bis ins Finale gekommen. Als dann die Roten auch noch ein Tor machten kannte die Häme des Experten keine Grenze mehr und er setzte zum finalen Niedermachen der blauen Gurkentruppe an, nicht ohne dem Clubeigentümer die lange Nase zu zeigen.
Erfolg_kaufen1min19sek
Ich mag es, wenn Dummschwätzer sich mit großer Klappe weit aus dem Fenster lehnen und dann unbeholfen über den Sims kippen…:-)
Ach ja, die Blauen haben übrigens am Ende gewonnen.
Ewiger Kampf
- Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Quelle: Wikipedia
Mit diesen Worten begann 1784 schon mal jemand eine Schrift und machte sich daran, zu erklären, was unter “Aufklärung” zu verstehen ist. Das Bemühen darum hält bis heute an und ganz aktuell stemmt sich die britische Regierung in die Riemen, um das hehre Vorhaben voran zu treiben. All zu zuversichtlich zeigt sie sich hingegen nicht und da sie den privaten Bemühungen ihrer Untertanen offenbar nicht so recht traut macht sie die Aufklärung lieber unmissverständlich und konkret. In einer groß angelegten Kampagne erklärt sie, dass man Kleinkinder bei vollgeballerten Windeln weder zum Arzt bringen muss, noch -in der irrigen Annahmen, es handele sich um einen irreparabelen Defekt des Nachwuchses- gleich wegwerfen muss.
Notwendig geworden war diese Initiative, weil im Internet -wo ja bekanntlich jeder schreiben kann, was er für richtig hält- offenbar sehr widersprüchliche Ratschläge für den Umgang mit der mangelhaften Stubenreinheit der kleinen Racker kursieren. Die Regierung bricht damit eine Lanze für seriöse, zweckmäßige Informationen für einen Sachverhalt, der zweifellos von nationalem Belang ist und beugt zugleich ein wenig der Gefahr vor, dass solche Themen leichtfertig in niveaulosen Krawallsendungen thematisiert werden, bei der es weniger um Information als um Quoten geht.
http://www.youtube.com/watch?v=iTb3LUM9fuo
EM ohne DFB-Kicker
Die Ukraine überlegt, als Reaktion und aus Sorge um die Situation der demokratischen Grundrechte in Deutschland angesichts des drastischen Vorgehens gegen die Aktionen von Blockupy in Frankfurt die deutschen Kicker von der EM auszuschließen. Konkreter Anlass war das massive Aufgebot an Polizei und Sicherheitskräften und die umfänglichen Demonstrationsverbote, die in Frankfurt ausgesprochen wurden.
Gleichzeitig boten die ukrainischen Behörden dem Dissidenten Konstantin Wecker -einem regierungskritischen Liedermacher- politisches Asyl an, für den Fall, dass sich dessen Situation über das aktuelle Auftrittsverbot hinaus verschlechtere und er weitere Repressalien zu erwarten habe. Sollten beim Liedermacher auf Grund der schwierigen Situation spontan Rückenbeschwerden auftreten, boten die Behörden an, ihn umgehend nach Kiew aus zu fliegen und in einer Spezialklinik behandeln zu lassen.
Eine wunderschöne Popkornmeldung -wenn’s denn wahr wäre…
Norbert und die schwarze Witwe
Merkel hat wieder einen vermeintlichen Kronprinzen abgeschossen. Das hat sie einfach drauf oder wie ich gerade in der Nachbarschaft geschrieben habe:
Angie ist eben ein echter Knipser vor dem Tor und bringt die scharfe Hereingabe des auf rechts spielenden Bayern Seehofer ebenso unhaltbar wie eiskalt im Netz unter.
Merkel erweist sich wieder einmal als schwarze Witwe. Man kann seinen Spaß mit ihr haben, muss sich aber in jeder Sekunde darüber im Klaren sein, das dieser Spaß auch ganz schnell den Kopf kosten kann, wenn es ihr in den Kram passt. Röttgen hat es nun den Kopf gekostet und er reiht sich nun ein in die Schlange derer, die fälschlicherweise dachten, man könne sich auf Merkel einlassen und mit heiler Haut davon kommen wenn’s mal nicht gut läuft.
Dies gilt im übrigen nicht nur für Minister. Auch Parteien scheint die Zusammenarbeit mit dieser Frau nicht gut zu bekommen: Sowohl die SPD als auch die FDP stürzten im Laufe der Koalitionszeit in der Wählergunst regelrecht ab. (Die FDP liegt derzeit unter der 5%-Hürde)
Mal was anderes
Sonst gibt’s ja immer nur Sendungen mit Prommis, in denen sie dann beweisen können, was sie alles nicht können -kochen zum Beispiel. Diesmal hätte man sich ansehen können, was Politiker so alles nicht können -z.B. Drachenboot fahren.oder Baggern -siehe 1. Kommentar.
Ausgeglichen
Wie schön. Düsseldorf steigt auf und gleicht den Verlust an Chaoten, den die erste Liga durch den Abstieg des 1. FC Köln erlitten hat, offenbar würdig aus. Während das letzte Ligaspiel der Kölner im schwarzen Rauch verschwand musste das vorerst letzte Spiel der Düsseldorfer in der zweiten Liga kurz vor Schluss unterbrochen werden, weil der Rasen gestürmt wurde.
Beste Unterhaltung beim Volkssport.

