Erlkoenig

“Wenn Ihr Eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen, werdet Ihr sie brauchen, um zu weinen.” Sartre

Fallschirm

kein Kommentar

Das Geldverdienen wäre den Großbanken fast verleidet worden, als ihnen beim Platzen der amerikanischen Immobilenblase zu dämmern begann, dass sie auf einem riesigen Berg wertloser Derivate zu sitzen gekommen waren. Bekanntlich musste daraufhin in sehr kurzer Zeit in dramatischen Nachtsitzungen die Erkenntnis reifen, dass die Verursacher des Spektakels allesamt systemrelevant und deshalb sakrosankt sind und deshalb unbedingt gerettet werden mussten.

Das musste damals alles sehr schnell gehen und die Geschichte war nichts für schwache Nerven. Um ein Haar wäre dabei sogar die gute Stimmung beim Geburtstag des Herrn Ackermann im Kanzleramt, seines Zeichens Chef der Deutschen Bank, gefährdet gewesen. Bekanntlich nahm alles ein gutes, genau genommen ein dickes Ende, das dann auf die Steuerzahler zu kam. Es fehlte zwar nicht an Geschrei, von wegen der Staat lasse sich nicht erpressen und man müssen den Spekulanten das Handwerk legen usw., doch unterm Strich gelang eine saubere Sozialisierung der Verluste und selbst die größten Banker-Pfeifen kamen mit angemessenem Schmerzensgeld aus der Nummer raus.

Doch wer dachte, es bleibe bei leeren Versprechungen und vagen Absichtserklärungen sieht sich getäuscht, denn zumindest was die Erpressung angeht macht soll jetzt Ernst gemacht werden. Es wird geplant, sich nie wieder von Banken erpressen zu lassen und stattdessen lieber freiwillig zu zahlen. Realisiert werden soll das Ganze über die Einrichtung eine europäischen Währungsfonds, der Not leidenden Staaten helfen soll, von denen gerade der erste das Behandlungszimmer betreten hat, währen im Wartezimmer noch diverse andere Kandidaten herumsitzen.

Zwar sieht der Vertrag von Maastricht nicht vor, dass die EU Staaten aus der Patsche hilft, die sich nicht an die Stabilitätskriterien halten und denen dann irgendwann das Geld ausgeht, aber es geht ja auch nicht primär um die Hilfe für in stabilitätspolitische Ungnade gefallene Mitgliedsstaaten, sondern eigentlich um einen neuen Rettungsschirm für Investoren, die sich natürlich angesichts der explodierenden Staatsverschuldung vieler Länder ernsthaft fragen, ob nicht schon der ein oder andere Schuldner “subprime” ist und nach dem Platzen der Immobilienblase womöglich die ganz große Bondblase hochgeht. (Die ersten Wetten hierzu laufen ja bereits.)

Das möchte man natürlich nicht erleben und da das Finanzwesen mit seinen ungedeckten Währungen eh reine Vertrauenssache ist, braucht es eine Auffangmöglichkeit für den Fall der Fälle. Wo kämen wir hin, wenn die Zentralbanken über die Validität von Staatsanleihen nachdenken müssten und wie soll sonst das Ponzischema des Kreditwesens weiterlaufen?

Ein europäischer Währungsfond, ausgestattet mit ähnlichen Folterwerkzeugen, wie die des großen Bruders IWF, deren “Erfolgsliste” totsanierter Volkswirtschaften mittlerweile eine stattliche Länge aufweist, soll in Zukunft die Stabilität der Eurozone sicherstellen.

Im Moment wird eifrig an einem Konzept gebastelt und die Aussichten, dass die Kanzlerin bald vor die Presse treten und stolz die Gründung eines Europäischen Fond für Wachstum, Wohlstand und Stabilität vorstellen darf sind gut. Sicher wird auch davon die Rede sein, dass man einen wirksamen Schutz gegen die Spekulation und die Gier der Finanzmärkte geschaffen hat und dergleichen Schönes mehr.

Die Idee eines Europäischen Währungsfonds (EWF) stammt nicht aus der Politik, sondern von den Ökonomen Daniel Gros und Thomas Mayer. Gros ist Leiter des in Brüssel ansässigen Centre for European Policy Studies (Ceps). Mayer ist seit kurzer Zeit Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Wenn der Chefvolkswirt der deutschen Bank mit an Bord ist muss man sich ja keine Sorgen machen, denn was gut ist für die deutsche Bank ist bekanntlich auch gut für Deutschland -sonst hätte sich Angie die Geburtstagsparty  für Joe ja auch schenken können.

Geschrieben von willi

2010-03-12T15:49:41+00:00

Antworten