Großmacht Griechenland
Morgen sind Wahlen in kleinen Griechenland und alle Welt zittert und hat Angst, sie könnten sich verwählen. Was, wenn die Griechen sich dafür entscheiden, die Auflagen der Trojka zu ignorieren und die Erpressung, Geld gegen Massenarmut mit einer eigenen, etwa Schuldendienst gegen Aufbauprogramme zu beantworten ?
Der Irrsinn des Ganzen lässt sich kaum deutlicher zeigen als am angehaltenem Atem der ach so allmächtigen Märkte, bloß weil ein kleines Land, dem demokratischen Procedere folgend, Wahlen abhält. Die Anleger plagt die Panik vor einem Präzidenzfall. Nicht auszudenken, wenn ein Euroland sich plötzlich weigert, beim großen Bankenrettungspiel weiterhin mit zu machen und tatsächlich etwas über anderes entscheiden will, als darüber, wer die Rolle des Gouverneurs der Finanzmärkte übernehmen und dem Volk niedrigere Löhne, Renten und Sozialleistungen inclusive Steuererhöhungen abpressen soll.
Aus Sicht der Anleger besteht ernsthaft die Gefahr, dass sich das Griechische Volk als letztlich unbrauchbar erweist, weil es sich nicht knechten lassen will und im Zweifel ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzieht. Dabei geht es ja auch anders, wie die Spanier jüngst gezeigt haben. Der Staat leiht sich Geld um seine Banken zu retten und zahlt für seine Anleihen brav 7% Zinsen, ein Zinssatz, der die Schuldenlast innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt. Gute Ratschläge gibt’s noch obendrein und die Spanier können schon mal die Ärmel hochkrempeln. Vielleicht ist der Vergleich aber auch unfair, immerhin werden die Griechen schon viel länger gerettet und haben somit einiges an Vorsprung in puncto “Strukturanpassung”. Vielleicht holen die Iberer, deren Wirtschaft längst ebenso auf rasante Talfahrt gegangen ist wie die der Griechen, sie ja noch ein.
Aber selbst wenn die Griechen alles richtig machen und die Parteien wählen, die sie einst in diese Lage gebracht haben, besteht natürlich weiterhin die Gefahr, das der EU langsam aber sicher die rentablen Völker ausgehen und immer mehr von ihnen kein Geld mehr bekommen, um ihre Schulden zu refinanzieren.
Den Staaten ergeht es wie dem Zuhälter, dessen Frauen von den Freiern verschmäht werden, weil sie nicht hübsch genug sind oder weil es andere, ein paar Straßen weiter, für weniger machen und genauso gut. Den Feiern ist das egal, wenn die Damen sich gegenseitig unterbieten -Konkurrenz belebt das Geschäft. Angst haben sie nur davor, es könnten zu viele von ihnen auf die Idee kommen, den Beruf an den Nagel zu hängen.
