Erlkoenig

“Wenn Ihr Eure Augen nicht gebraucht, um zu sehen, werdet Ihr sie brauchen, um zu weinen.” Sartre

Archiv ‘Medizin’

Ernsthafte Bedrohung

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Was wir da haben nennt sich Gesundheitssytem. Der Witz dabei ist, dass es nur funktioniert, wenn es nicht funktioniert -anders gesagt: Nichts bedroht das Gesundheitssystem mehr als Gesunde. Ohne eine hinreichende Anzahl von Kranken, werden leider nur sinnlose Kosten für das Vorhalten von Einrichtungen, Geräten und Medikamenten produziert. Eine zu gesunde Bevölkerung gefährdet nicht nur die Einkommen der Ärzte, sondern auch Arbeitsplätze in der Pharmaindustrie oder der Medizintechnik.

Wirklicher Grund zur Sorge besteht hingegen nicht, denn wie sich der ein oder andere vielleicht noch erinnert, fanden die Krankenkassen  im Zuge der Einrichtung des “Gesundheitsfonds”, als es zu klären galt. wer nun wie viel bekommt, zur Beruhigung aller heraus, das die Gesamtbevölkerung  hinreichend mit Siechtum gesegnet ist und so alle darauf hoffen dürfen, über die Runden zu kommen.

Trotzdem bleibt der Patient ein begehrtes Objekt, auch wenn sich das Gefühl, dem sei tatsächlich so, bei dem ein oder anderen Kassenpatienten, der Wochen oder Monate auf einen Termin wartet oder halbe Tagesreisen unternimmt, um einen Arzt zu Gesicht zu bekommen, nur schwer einstellen will. Vielleicht muntert es ihn da ein wenig auf, wenn er erfährt, dass etwa ein viertel der Krankenhäuser bereit ist, ein Kopfgeld -im Branchenjargon “Fangprämie” genannt-  zu zahlen, wenn ihr Arzt, Apotheker oder wer auch immer professionell um die Gesundheit der Patienten gerade besorgt ist, sie an ihr Haus überweist. Das macht sie sicher nicht gleich gesund, aber schaden wird die Wertschätzung wohl kaum.

Wenn dir jemand eine Freude macht, dann lass es ihn auch wissen. Das gilt natürlich auch für die Chefs von Krankenhäusern und wenn sie sich freuen, dass ihr Haus ordentlich ausgelastet ist, weil kooperative Ärzte in der Umgebung für genügend Patientennachschub sorgen, sollten sie es die Kollegen ruhig wissen lassen und wenn damit auch noch eine kleine finanzielle Anerkennung verbunden ist, wird die Freude um so nachhaltiger. So macht der Wettbewerb, von dem es laut Experten immer noch viel zu wenig gibt, wenigstens Spaß und alle sind zufrieden.

Kleiner Nachtrag: Vielversprechende Ansätze für mehr Marktwirtschaft in der Medizin bieten auch die sogenannten IGEL-Leistungen, die umso besser laufen, je mehr der Katalog an Regelleistungen zusammengestrichen wird. Ob die angebotenen kostenpflichtigen Leistungen angenommen werden oder nicht, hängt ab von der Angst der Patienten, evtl. zu wenig für seine Gesundheit zu tun und dem Verkaufstalent des Arztes. Aktuell mahnen gerade Verbraucherschützer einige Frauenärzte wegen bestenfalls sinnloser Krebsvorsorgeuntersuchungen ab. Trotzdem braucht es natürlich mehr Konkurrenz unter den Gesundheitsanbietern, denn nur wo Markt ist, ist Effizienz und Qualität zu finden -das weiß doch jedes Kind.

Geschrieben von willi

2012-05-22T14:32:46+00:00

Test abgeschlossen

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Endlich, nach etlichen Jahren und diversen Todesfällen, die -so vermutet man jetzt-  auf die Einnahme von Vitaminpräparaten zurückgehen, können wir festhalten, dass man in aller Regel besser keine einnimmt. Schade auch für die, die geglaubt hatten, sie würden keinen Krebs kriegen, wenn sie nur genug Vitaminpillen zu sich nehmen -die müssen jetzt wohl doch damit rechnen.

Damit kann das großes Freiluftexperiment zur Verträglichkeit von Vitaminpräparaten als abgeschlossen gelten  und mit Bedauern halten wir fest, das viele das ernüchternde Ergebnis nicht mehr mitbekommen haben weil sie vorher an der Einnahmen verstorben sind.

Eifrige Leser von Gesundheitstips müssen sich aber nicht grämen: Studien, aus denen hervorgeht, das dieses oder jenes besonders gesund sei gibt es reichlich und nicht alle Gesundheitstips laufen auf  bunte Pillen oder Verzicht hinaus: So berichtet Bild heute, dass Masturbation das Risiko für Prostatakrebs senkt -das ist doch mal was.

 

 

Geschrieben von willi

2012-01-15T18:36:06+00:00

Veröffentlicht unter Gefährliche Wirrköpfe

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Spekulative Gerechtigkeit

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Die Vermutungen, die über die Herkunft des EHEC – Erregers in die Presse kamen, haben eine beeindruckende Spur von Umsatzeinbrüchen hinterlassen. Da es natürlich ungerecht ist, nur die Gurken-, Tomaten- und Salatbauern zu schädigen, musste dringend nach gelegt werden und mit den Produzenten von Sojasprosssen wurde dann auch schnell ein neues Opfer gefunden, wenngleich auch diese Vermutung ins Leere zu gehen scheint. Der Nebel, in dem gestochert wird, scheint aber nach wie vor ziemlich dicht zu sein und die Quelle immer noch unbekannt. Das sollte aber niemanden von den Verantwortlichen davon abhalten, sie auf den nächsten Verdächtigen zu stürzen -schließlich könnte es ja diesmal der Richtigen sein. So fallen durch das ständige Hinausposaunen eines jedes neuen Verdachtsmoments immer neue Produzenten in Ungnade und wenn die Affaire lang genug geht, wird der Schaden gerecht auf die gesamte Lebenmittelproduktion verteilt sein, weil fast alle einmal dran waren.
Grund zum Neid haben nur die Toten, die nicht an HUS sterben, sondern, wie z.B. die etwa 30000 pro Jahr, die an so banalen Dingen wie Infektionen sterben, die sie sich im Krankenhaus holen. Sie haben sich einfach die falsche Todesart ausgesucht um prominent zu sterben.

Man kann da sehr schön beobachten, wie viele der Beteiligten versuchen,  größtmögliche Geschäftigkeit an den Tag zu legen, damit auch jeder sieht, wie sehr gerade gerungen wird. Private oder staatliche Labors, Gesundheits- oder Landwirtschaftsminister -alle würden sich gerne  gerne den Fahndungserfolg ans Revers heften und als der oder die gelten, die verhinderten, dass eine Epidemie die deutsche Bevölkerung dahinraffte. Bislang hat noch keiner auf’s richtige Pferd gesetzt. Nicht zu vergessen auch all die Verbände und Standesvertretungen, die jetzt schon mal nach Entschädigungen  (Bauern)  oder mehr Mitteln (Kliniken)  schreien.

Nur damit das klar ist: Natürlich ist das richtig und wichtig, das an allen Fronten geforscht und gefahndet wird, aber vielleicht sollte sich der ein oder andere  mehr an dem Vorgehen von Behörden wie der Kripo orientieren, die im Laufe ihrer Ermittlungen nicht jeden Tatverdächtigen erst einmal in die Pressekonferenz schleppt.

Geschrieben von willi

2011-06-07T15:44:48+00:00

Veröffentlicht unter Gesellschaft,Politik

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