Taz – Kommentar zur Krise

Während die Realwirtschaft gerade mit Schmackes in den Keller fährt und hunterttausende ihren Job zu verlieren drohen, was im Zeitalter von Hartz4 und Agenda 2010 bedeutet, noch 12 Monate davon entfernt zu sein, alles zu verlieren gibt’s auch Gewinner. Ironischer Weise genau die Branche, die den ganzen Schlamassel angezettelt hat: Die Finanzbranche, die danach mit unzähligen Milliarden Steuergeldern rausgehauen werden musste, weil sie doch ach so systemrelevant ist. Arcandor geht in die Insolvenz und die Allianz zahlt Dividenden in einer Höhe wie lange nicht mehr. Dem Staat sei Dank, der Milliarden in marode Finanzunternehmen versenkt und durch den eifrigen Verkauf von Staastsanleihen den Banken stattliche Gewinne verschafft, über den sich die Aktionöre freuen dürfen. Vor den Mikrofonen wird von dieser Branche immer vor dem Staat gewarnt, in Wirklichkeit lässt man aber gerne von ihm dabei helfen, die Allgemeinheit zugunsten der Aktionäre auszuplündern.

Das gefällt auch Ulrike Herrman nicht und das zu Recht.

Erst Geld, dann Hohn

Banken und Versicherungen beuten das Gemeinwesen skrupellos aus. Dabei hilft die Selbstverachtung der Politiker. VON ULRIKE HERRMANN

Für die Allianz-Aktionäre war 2008 ein gutes Jahr. Mitten in der Finanzkrise haben sie eine Dividende von 3,50 Euro kassiert. So viel gab es bei kaum einem anderen DAX-Konzern. Auch für den Allianz-Vorstand hat sich das vergangene Jahr gelohnt. 26,275 Millionen Euro haben die elf Herren für ihre Anstrengungen als Manager erhalten, wie der aktuelle Geschäftsbericht ausweist.

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