Mosaik

Neue bahnbrechende Erkenntnisse aus der Wissenschaft: womöglich wird das Menschenbild des Homo Oeconomicus nicht ganz der Wirklichkeit gerecht. Ein Professor erregt internationales Aufsehen mit Experimenten, die darauf hindeuten, dass der Mensch nicht nur auf die Maximierung seines Eigennutzes aus ist, sondern, dass auch Dinge wie Gefühle oder Vertrauen eine Rolle spielen könnten.

Es ist doch schön, mit welch einfachen Dingen man Wirtschaftsexperten einen Freude machen kann. OK, was der Professor da zusammen mit anderen Experten herausgefunden haben will hätte man auch von der Marktfrau erfahren können oder vom kleinen Gemüsehändler um die Ecke. Selbst Profifußballer, die beim ihrem  alten Verein bleiben, obwohl sie woanders mehr verdienen könnte,  hätten da hilfreiche Hinweise geben können.

Das holzschnittartige Menschenbild ist ja nur ein Teil der grauenhaften Simplifizierungen, mit denen die derzeit gängige Wirtschaftswissenschaft arbeitet. Und wenn es der gemeinsamen Anstrengungen von Psychologen, Neurowisenschaftlern und Genetikern bedarf, um herauszufinden, dass der Mensch mehr ist als ein rein zweckrationales Wesen, das nur seinen eigenen Vorteil kennt, lässt das tief blicken und wirft die Frage auf, ob Wissenschaft und Fachidiotie noch zu unterscheiden sind. Ein kurzer Blick in die Geschichte der Religionen, der Philosophie oder auch der Kunst hätte  genügt, um die Frage zu beantworten, ob ein derart simples Menschenbild stimmen kann.

Wenn Forschungen wie diese “internationales Aufsehen” erregen, dann lässt sich erahnen, in welch einem grauenhaften Autismus die Einzeldisziplinen gefangen sind.  Mich erinnert das an ein Gleichnis aus dem Religionsunterricht, beim es darum ging, dass einige Blinde, die jeder für sich einen anderen Teil eines Elefanten gerade berühren, zu beschreiben versuchen, wie ein Elefant aussieht.

Man hätte natürlich auch einfach mal hier nach schauen können.

4 comments

  1. Markus sagt:

    He, lustig, hab auch die letzten Tage zweimal drüber schon was geschrieben, warum der homo oeconomicus auch nur ein historisch bedingtes Menschenbild (das ja so im Prinzip schon bei Hobbes und Locke losging) ist und als Grundannahme ungeeignet.
    Das Problem ist, dass die politischen und wirtschaftlichen Richtungen, die diesen Unsinn des homo oeconomicus vertreten, im Moment den wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream vertreten. Und die lassen sich auch von Untersuchungsergebnissen nicht beeindrucken, wenn die ihrer Ideologie zuwider laufen.

  2. julian sagt:

    Ja, das ärgert mich auch, als Naturwissenschaftler. Wenn “wir” ein Modell annehmen, dann können wir auch nur über dieses Modell Aussagen treffen, dies aber nicht als “Wahrheit” verkünden. Leider tut das dann die Presse oft, indem Sie Aussagen eines Papers bis zur Unkenntlichkeit simplifizert.
    Was mich aber noch mehr erschreckt, ist, dass die Datenbasis oft auch auf sehr zweifelhaften “Umfragen” beruht, dh. die Modellparameter an sich schon eine so krass schlechte Basis sind. Man denke nur an die Mogis Umfrage, wo die Aussage, je nach Fragestellung genau das Gegenteil der Anderen war: http://mogis.wordpress.com/2009/05/17/unsere-eigene-umfrage/. Allgemein finde ich es problematisch, dass manche Wissenschaften meinen, wenn Sie ihre Aussagen nur in Zahlen packen können, dann ernstzunehmender seien. Wer Komplexe Meinungen,Sachverhalte auf eine Zahlenskala diskretisiert (z.B.: sehr gut, gut, mittel, schlecht), verliert zwangsläufig Information. Das ist nicht per se Falsch, nur muss das bei der Interpretation der Ergebnisse auch immer im Kopf bleiben. Mir kommen diese simplifizierten Aussagen immer vor, wie ein Perpetuum Mobile erster Art, was mehr Aussage Ausspuckt, als wirklich in den Eingangsdaten drin war.
    Fazit: Der Kaffeesatz wird dadurch auch nicht aussagekräftiger, wenn man ihn nochmal mit Statistik aufgießt.


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