Preisfrage

Zwei Meldungen:

Duisburg ist praktisch pleite und hat jetzt ein 300 Seiten Papier mit Sparvorschlägen zusammengestellt, das unter der Bezeichnung “Tränenliste” durch die Medien geistert und die auf den Rückzug der Kommune aus all den Dingen hinaus läuft, die eine Stadt zu einem Gemeinwesen machen, wie Bibliotheken, Schwimmbäder und andere öffentliche Einrichtungen.

Ackermann ist überzeugt, der Wirtschaft gehe es wieder gut -wie immer eigentlich immer, sofern seine Bude Milliardengewinne macht, ganz unabhängig davon ob aus  Geschäften mit Schrottpapieren, die sie arglosen Kunden aufschwatzen oder -über Bande- aus Bankenrettungsplänen. Übrigens stammt die Meldung aus den Börsennachrichten der ARD, die Tag für Tag ihren Zuschauern  weiß zu machen versucht, steigende Aktienkurse hätten etwas mit ihrem Wohlstand  und dem Zustand der Realwirtschaft zu tun.

Wie lange wird es noch brauchen, bis bei den Leuten der Groschen fällt und sie dahinter kommen, dass sie gerade von einer abgehobenen Plutokratie, die ehrliche Arbeit nicht kennt und die gar nicht mehr weiß wohin mit all ihrem Geld, bis aufs Hemd ausgplündert werden?

Wer die erste Meldung liest, kann auch direkt erkennen, wohin die Reise geht: Die Stadt Duisburg zieht den Verkauf verschiedener Einrichtungen in Erwägung und hoppla!,  da fällt den Superreichen doch noch was ein, wie sie ihr Geld sinnvoll los werden: Der Aufkauf ehemals mit Steuergeldern finanzierten öffentlichen Einrichtungen für ‘n Appel und ‘n Ei, denn die Kommunen stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen verkaufen. Super System: der Bürger wird mittels Rettungsschirmen für verunfallte Zocker nicht nur seiner aktuellen und zukünftigen, sondern durch die Verschleuderung öffentlichen Eigentums auch seiner ehemaligen Steuergelder beraubt und alles landet in den gleichen, schwerreichen Händen.

Nur zu Erinnerung, bei wem sich die Bürger für diesen Schwachsinn bedanken dürfen: CDU/CSU, FDP, SPD, Grüne, in Teilen sogar auch bei den Linken, nämlich da, wo sie ihre “Politikfähigkeit” in heillosen Koalitionen in erster Linie damit unter Beweis stellen, dass sie neoliberale Sparpolitik abnicken.

Damit die Laudatio nicht zu kurz ausfällt, sollten die Bürger die Verdummungsmedien der Konzerne ebensowenig vergessen wie die von ihren Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Medien, die von Früh bis Spät das Loblied vom Schlanken Staat und dem Wachstum durch enger geschnallte Gürtel gesungen haben und es immer noch tun.

Die vom Steuerzahler geretteten “Investoren” haben noch Zeit für das Bäuerchen nach dem Festmal, dass ihnen in Form von Rettungplänen und Bad Banks bereitet wurde und können nun in aller Ruhe zusehen, wie der Tisch durch den Zerfall der öffentlichen Haushalte mit Sachwerten gedeckt wird, die sie sich anschließend als Dessert einverleiben können.

Der Bürger kann nur hilflos zusehen und die unter ihnen, die schlichteren Gemüts sind glauben ernsthaft, sie würden von HartzIV-Betrügern ausgenommen. Was für ein bitterer Witz.

2 comments

  1. Peterle sagt:

    Schlichten Gemüts? Funktioniert doch. Wenn sich Hartzler keinen Döner mehr leisten können, schmeckt der gleich viel besser!

  2. willi sagt:

    Leider wahr. Zwar finden die meisten, dass es gerechter zugehen sollte als aktuell, noch wichtiger scheint aber für viele zu sein, dass da noch Leute unterhalb des eigenen Standes sind, auf denen man herum trampeln kann.