Ranking. Münster ist auf Platz 128
Ranking ist modern. Es soll Informieren und Vergleichsmöglichkeiten schaffen. Wenn RTL zum 56. Mal eine Rankingsendung mit dem Titel Deutschlands 50 besten , blödesten, langweiligsten, oder sonstwie Songs, Sendungen, Werbespots oder sonstwas auflegt, muss damit wohl Geld zu verdienen sein , denn schließlich sind wir bei Bertelsmann und da gibt es Aktionäre, die am Ende des möglichst viel davon als Dividende haben wollen.
Natürlich kann man dieses Ranking auch in anderen Bereichen betreiben, zum Beispiel im Bereich Städte. Während die Kriterien, nach der nun die kaum erinnerungswürdigen Produkte, der Unterhaltungsindustrie bewerten werden, ziemlich belanglos sind, lohnt sich bei einem Ranking der Stadt als Witschaftsstandort ein Blick hinter die Kulissen.
Die Stadt Münster landet beim INSM – Ranking auf Gesamtplatz 128. Es sind also 127 Städte besser. Ein bisschen schade für Münster aber nicht schlimm, denn netterweise hat die INSM als Autor dieses Rankings auch gleich die Schwächen der Stadt aufgeführt und bietet Hilfe:
http://www.insm-regionalranking.de/ki_91.html
“Über Bundesniveau liegen in Münster die kommunalen Schulden. Statistisch hatte im Jahr 2004 jeder Einwohner 2.463 Euro zu schultern. Im Bundesdurchschnitt waren es 1.438 Euro. Nur Rang 402.
- In Münster kommen statistisch betrachtet 2,35 öffentlich Beschäftigte auf 100 Einwohner (2004). Bundesdurchschnitt: 1,5 Staatsdiener in Gemeinden und Gemeindeverbänden. Rang 401.
- Recht hoch ist in Münster die Kriminalitätsrate. Im Jahr 2005 wurden dort 10.760 Straftaten je 100.000 Einwohner gemeldet. Bundesdurchschnitt: 6.919 Delikte. Rang 390.”
Bei kommunalen Schulden ist immer auch die Frage interessant, wer der Gläubiger ist und dementsprechend die Zinsgewinne bekommt.
Der zweite Punkt beerdigt eigentlich schon den Sinn solcher Rankings, weil er den methodischen Irrsinn offenbart, der hier drin steckt. Münster ist Verwaltungszentrum und eine hohe Anzahl von öffentlich Beschäftigten ist von daher nicht erstaunlich. Natürlich könnte Münster ein paar öffentliche Schulen und Kindergärten schließen und würde dadurch um den ein oder anderen Platz nach oben klettern. Doch es geht gar nicht um den Platz im Ranking, sondern um die Message, die dahinter steht. Denn die Stadt könnte natürlich , statt Einrichtungen zu schließen auch “privatisieren”. Damit wären wir bei dem Punkt angelangt, um den es bei diesem zweifelhaften Vergleichen von Äpfeln mit Birnen geht.
Die INSM hat zusammen mit der Bertelsmannstiftung maßgeblich an der Agenda 2010 mitgearbeitet, die sich dem Neoliberalimus verschrieben hat. Diese marktradikale Politik sieht vor, den Sozialstaat als unnützen Kostenträger ab zu bauen und den Staat durch Überführung möglichst vieler Dienstleitungen in private Hände zu “verschlanken”. Nun muss man wissen, dass zum Bertelsmannkonzern die Firma Arvato gehört, die unter anderem im Bereich Outsourcing von Aufgaben öffentlicher Verwaltungen zuständig ist und mittlerweile in Großbritannien die ersten öffentlichen Verwaltungen übernommen hat.
Nun ist auch klar, wo die Gemeinsamkeiten zwischen der Frage, welcher Song in den 80ern der “beste” war und dem 128. Platz, den Münster im bundesweiten Ranking belegt, besteht: es lässt sich gutes Geld verdienen.
Wer nochmal seine Gedanken überprüfen möchte, kann das hier tun:
http://www.arvato.com/Ueber-uns/Organisation.html
http://www.arvato.com/Ueber-uns/Report.html
Ach ja, dass die hohe Kriminalitätsrate auch mit den vielen Fahrrädern zu tun hat, die einen Teil der Lebensqualität innerhalb der Stadt bestimmt, wissen auch nur die Münsteraner.
Das die Arbeitskosten zu hoch sind gehört zum Standardrepertoire der INSM. Der Markt ist ihr Credo und der Wohlstand von abhängig Beschäftigten bestenfalls ein unvermeidbarer Kollateralaschaden, einzig und allein der Tasche geschuldet, das Sklaven nicht einkaufen können, wenn sie kein Geld haben. In Münster verdienen Arbeiter und Angestellte zuviel, das soll nicht sein und führt deshalb zur Abwertung.