Posts tagged ‘Bertelsmann’

Tragödien, Komödien, Krimi und Horror

Gerd Flegelskamp braucht keinen Fernseher. Wozu auch.

Theologen und Fliesenleger

Oberlehrerin und Theologin Annette Shavan hat herausgefunden, dass es Bildungsarmut gibt. Ob ihr das beim Rundgang durch ihr Ministerium aufgefallen ist oder was eigentlich genau damit gemeint sein soll, hat sie leider nicht gesagt. Fest steht aber, dass die Hürden für Bildung offenbar für einige zu hoch sind. Es soll Leute geben, die sich Bildung nicht leisten können, weil sie zum Beispiel keine Studiengebühren zahlen können. Als Hessen die Studiengebühren kippte stiegen die Studentenzahlen, aber das war sicher nur ein nur ein dummer Zufall. Auch das plötzlich viele Deutsche in Österreich studieren wollten hat sicher nur mit der Vorliebe für berühmte Wiener Torten zu tun.

Wir haben es mit Bildungsarmut zu tun -sagt Annette.

Was tun bei Armut? Wer kein Geld hat spart sich einfach was. Das hat schon immer geholfen. Wir haben ja nur deshalb soviel Arme, weil die Deppen das Geld,  das sie nicht haben einfach zum Fenster raus werfen, statt es wie vernünftige Leute, der Versicherungswirtschaft zu geben. Damit dies nicht so bleibt, sollen jetzt die Leute, denen das Geld für die feuchten (privaten) Bildungsträume der Regierung fehlt, wie beim Bausparvertrag für die Ausbildung ihrer Kinder eine Art Bildungsriester ( benannt nach Deutschlands bekanntesten Fliesenleger Walter Riester) abschließen und für die Bildung ihrer Kinder vorsorgen. Man muss wahrscheinlich Theologie studiert haben, um auf so etwas zu kommen. Arme werden reich, dadurch, das sie was zur Seite legen. Das ist wie damals mit wunderbaren Brotvermehrung -plötzlich ist genug für alle da.

Bildung ist für alle da und darf nichts kosten. Statt Milliarden in  den Bolognia- und Exzellenzhumbug zu stopfen, sollte sie lieber die Studiengebühren abschaffen. Dann können sich auch weniger betuchte plötzlich wieder Bildung leisten. Aber neoliberale Idioten bleiben gerne unter sich und bauen das Bildungssystem lieber so um, dass der Nachschub an Dummköpfen, denen sie ihre Heilslehre ins angehende Elitenhirn drücken können, nicht ausgeht.

Unzeitgemäße Betrachtungen

Da sagt doch tatsächlich einer, das man die Kinder Kinder sein lasen solle. Vielleicht lässt sich da ja noch zwischen Chinesisch für Dreijährige und dem Einführungskurs “Business for Kids” am Nachmittag etwa Zeit für’s Doktorspielen abzwacken.

Erfrischende Ansichten von Jürg Jegge gegen den neoliberalen Deformationswahn, den Leute wie die Bertelsmänner uns als Bildung verkaufen wollen.

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Schlechte Nachrichten für Tellerwäscher

Einer der Mythen des Kapitalismus ist der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär. Heute hat er sich zwar ein wenig verländert und man sollte vielleicht sagen, jeder habe die Chance an Bohlens Castingshow teilzunehmen und ein Superstar zu werden, oder sein Glück als Fußballprofi zu versuchen. Mal davon abgesehen, das es von der Logik her gesehen schon etwas merkwürdig ist, wenn die große Ausnahme von der Regel die Berechtigung der Regel begründen soll, ist jedem klar, das es, um reich zu werden sehr viel bessere Methoden gibt als das Waschen von Tellern -nämlich reich geboren zu werden.

Unsere Regierung tut ja alles, um dafür zu sorgen, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer werden und wenn in keinem anderen europäischen Land der Zugang zu höherer Bildung so stark vom Einkommen der Eltern abhängt wie in Deutschland  ist schon mal eine gute Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich das in Zukunft auch nicht mehr ändert.  Neuerdings geistern ja sogar Ideen herum, die Bildungschancen auch vom Anlageglück der Versicherungwirtschaft abhängig zu machen und einen Bildungsriester einzuführen. Nette Vorstellung, wenn das Studium leider ausfallen muss, weil die Finanzmärkte gerade mal wieder eine schlechte Phase hatten und deshalb der Versicherungsvertrag  leider nicht die Rendite hatte, die sich alle versprochen haben. Man muss wohl Religionslehrerin sein um auf solchen Schwachfug zu kommen. Geben wir ihr und den Bertelsmännern noch ein wenig Zeit, um das Bildungswesen endgültig zu ruinieren. Lange werden sie nicht mehr brauchen.

Bei Jahnke gibt’s heute eine schöne Grafik, die sich mit den Aufstiegsmöglichkeiten des Tellerwäschers beschäftigt und damit, dass selbst dem ansonsten ziemlich merkbefreiten Wirtschaftsweisen schon aufgefallen ist, dass es mittlerweile für die Spülkraft schlecht aussieht.

Loch in der Matrix

Das Wahlergebnis war letztlich das, was auch zu befürchten war und man weiß nicht genau zu sagen, was schlimmer ist, dass die CDU jetzt mit ihrer Politik, dieses Land dem Großkapital zum Fraß vorzuwerfen weitermachen kann, oder dass fast  ein Drittel offenbar jeden Glauben an den Sinn von Wahlen verloren hat.

Im Rahmen der Diskussion um das Interview Sarrazins -wie wir Dank der Welt -Online wissen, selbst mit Migrationshintergrund, wenn auch leider ohne jede Aussicht, ihn irgendwohin zurückschicken zu können- haben gezeigt, wo es jetzt lang geht. Es gibt reichlich Grund entmutigt zu sein und sich damit abzufinden, dass die Eliten und ihre medialen Helfershelfer zu gerissen sind für dieses Land und ein großer Teil der Bevölkerung zu naiv, um zu durchschauen, dass sie geschlachtet werden sollen.

Trotzdem ist es nicht hoffnungslos, weil es immer noch die plötzliche Verwunderung gibt, die sich wie ein nie ganz ausgemerztes Loch in der Matrix immer wieder Bahn bricht.
Zum Beispiel war da ein Arzt, der angesichts der letzten Gesundheitsreform der Meinung war, dass es nun genug sei und der sich an einer großen Protestaktion von Ärzten und Patienten beteiligte, die letztlich 7000 Menschen ins Olympiastadium führte. Was ihn verwunderte war, was danach passierte.

Am 30.1.2008 haben sich 7000 von 8000 Hausärzten zu einer Protestveranstaltung in Nürnberg getroffen [Dentjournal: Bericht] und diese war die größte und eindrucksvollste ihrer Art seit Bestehen der GKV . Keine der großen Boulevardzeitungen brachte meines Wissens einen adäquaten Artikel, keiner der privaten und öffentlich-rechtlichen Sender ging tiefer und nachhaltiger auf diese Veranstaltung ein. Die allermeisten Hausärzte eines der reichsten und größten Bundesländer drohen mit Widerstand und niemanden interessiert es. Nur uns Ärzte, der Rest der Bevölkerung wird außen vor gehalten. Das machte mich stutzig und ich begann, immer tiefer im Internet nach den Gründen zu suchen, worauf ich stieß, hat meinen Glauben an den Rechtsstaat im Mark erschüttert und erklärt uns allen die Frage, was hier wirklich passiert:

Seine Recherchen bezogen sich zunächst auf Fragen des Gesundheitssystems, doch schnell wurde ihm klar, dass mehr dahinter steckt und er verfasste zwei Dokumente, die unter dem Namen “Dollein-Dossier” ein gewisse Berühmtheit erlangten. Christoph Jahn hat in seinem Blog die Texte online gestellt und mit Links zu Hintergrundinformationen versehen.

Teil I Teil II

Im ersten Teil geht es wie gesagt mehr um das Gesundheitssystem und im zweiten um den Versuch, weitere Hintergründe aus zu leuchten und herauszufinden, was die Agenda hinter alldem ist. Für die ganz Mutlosen sei noch gesagt, dass Dollein aus Bayern kommt und CSU-Mitglied ist ;-) .

Schule der Zukunft

Der Beitrag auf den Nachdenkseiten ist Realsatire. Aber eine, die auf den bsten Weg ist, real zu werden. Der Punkt ist, dass in den einzelnen Baustellen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben der Plan nicht sichtbar wird. In der Satire lässt sich aber durchaus darstellen, was dabei herauskommt, wenn man die Dinge, die von der Bertelsmannstiftung -dem entscheidenden Player auf dem Markt der Politikberatung- auf die Agenda gesetzt werden, zusammenbringt. Den Rest besorgt der  EU-Vertrag, der die neoliberale Wirtschaftsordnung in den Verfassungsrang erhebt.

Die beiden Schulen sind unterschiedlich organisiert: Das Goethe-Gymnasium ist vor Jahren an den Phorms-Schulkonzern aus Berlin verkauft worden, die F. Ebert-Schule ist ein PPP-Projekt, das heißt ein Public-Private-Partnership-Projekt zwischen der Stadt Wansen an der Lahe und der Bertelsmann-Stiftung. Beide erhalten von der Stadt ein festes Budget pro Jahr, müssen aber Zusatzeinnahmen akquirieren, um den Schulbetrieb aufrechterhalten zu können. Beim Goethe-Gymnasium zieren große Reklamen die Außenwände und Werbetafeln jeden Schulflur. Es hat einen Generalvertrag mit Coca Cola, das auch die rote Schulkleidung gegen eine geringe Gebühr der Eltern stelle und die Schulkantine in Kooperation mit MacDonalds unterhält. Es war im letzten Jahr ins Gerede gekommen, was zu tagelanger Pressefehde in der „Wansener Allgemeinen“ führte, weil ein Primaner von der Schule geflogen war, der plötzlich mit einem Pepsi-T-Shirt erschien und sich weigerte, es auszuziehen. Trotz guter Noten flog er, weil die Schule die Konventionalstrafe aus Atlanta fürchtete.

http://www.nachdenkseiten.de/?p=3884

Bertelsmann: Eher gemein als nützlich

Bertelsmann weitet seinen Einfluß auf die Politik aus und lässt sich das vom Steuerzahler bezahlen. Dies ist möglich, weil die Stiftung, die den größten Teil des Konzerns besitzt, als gemeinnützig gilt.

Konkret sieht das so aus: Die Bertelsmannstiftung  “berät” Politiker zum Beispiel in punkto Privatisierung und kann, welch Glückes Geschick auch gleich eine Lösung anbieten, weil rein zufällig der Konzern sich mit sowas befasst. Laien verstehen sowas schnell mal falsch und halten das für Korruption.

Profis, wie unabhängige Juristen, fragen sich da eher, ob man denn weiterhin davon ausgehen sollte, bei der Stiftung handele es sich um eine gegemeinnützige Einrichtung. Das Ergebnis ist eindeutig.

Radiobeitrag zum Thema: 20090305-medienmacht-26717

Noliberale und die Universität

Unter dem Stichwort “Bologna-Prozess” läuft die Umstrukturierung der Universtäten, die weg von der Freiheit der Lehre und dem Bildungsideal eines Humboldt hin zur Lernfabrik. Materialismus und Utilarismus bestimmen, wie unsere Unis aussehen sollen, ganz im Sinne einer neoliberalen Wirtscshaftsordnung, wie sie dei EU vorsieht.

In der FAZ beschreibt ein Professor, warum er seinen Dienst quittiert legt dar, wie die Grundlagen der Universitat von Technokraten zerstört wird, denen Bildung und Freiheit offenbar ein Dorn im Auge ist und die nur mit der ökonomischen Verwertbarkeit von Wissenskapital etwas anfangen können. Der Artikel beschreibt sehr eindrucksvoll, was passiert, wenn Universitäten in die Hände von Unternehmensberatern fallen: In der Absicht, sie auf maximalen Profit zu trimmen zerstören sie die Grundlagen der Institutionen, die sie zu reformieren vorgeben. Aber die Roland Bergers und die Bertelsmänner sind zu dumm um das zu verstehen -haben halt nur BWL studiert ;-) . Trotzdem muss man befürchten, dass dies nicht aus reiner Unfähigkeit passiert, sondern das dahinter mächtige Interessen am Werk sind, die mit “dressierten Affen” mehr anzufangen weiß als mit selbstständig denkenden Akademikern. Konzerne brauchen Leute, die über den Tellerrand blicken können bestenfalls in der ersten Etage und die paar Leute kann paar kann man genausogut an an einer privaten Eliteschule, für die man ja ein bisschen Geld investieren kann, ausbilden.

Oft ist vom Nutzen, nie vom Geist die Rede

Maßgeblich bemüht um das neue System war die Hochschulrektorenkonferenz. Liest man nun einmal den von ihr 2004 herausgegebenen „Bologna-Reader“, macht man, abgesehen von dem grauenhaften Deutsch dieser Dokumente, eine merkwürdige Beobachtung. Laut den grundlegenden Dokumenten geht es mit dem neuen System um „Marketing-Strategien“, „Wettbewerbsfähigkeit“, „Rekrutierungsverfahren“ und „europaweite Rekrutierung von Hochschullehrern“; um das „Management der Hochschulen“ und die „Schaffung eines wissensbasierten Wirtschaftsraums“; um „Qualitätssicherung“, „Effizienz“ und die „passgenaue Konzeption des Studiums“; um „Synergien“ und „das Potential für Innovation und soziale und wirtschaftliche Entwicklung“.

An keiner einzigen Stelle geht es um den Geist, der nach Bildung verlangt. Nirgends ist davon die Rede, dass Wissen und Erkenntnis und Klugkeit Werte sind, die man um ihrer selbst willen erstrebt und liebt. Das ist den Initiatoren des neuen Systems wahrscheinlich noch nie in den Sinn gekommen. Das ganze Buch durchweht der Geist eines tristen Materialismus und Utilitarismus. Studium ist Berufsausbildung, gelernt wird für einen bestimmten Zweck, Wissen muss sich auszahlen, alles andere ist schöngeistiger Humbug: Das ist die Philosophie, wir könnten auch sagen: die Dogmatik, die jetzt die Universitäten reguliert.

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