Aus dem Gebälk…

Im Gebälk sitz ein Spatz mit ganz eigenen Ansichten über die Dinge. Nicht alles was er so pfeift findet meine Zustimmung aber die Zusammenfassung der letzten 10 Jahre Wirtschaftspolitik ist ziemlich schmissig.

Um Zirkulationsmittel aus der Güter schaffenden Wirtschaft heraus in die Finanzblase zu überführen, also um die Finanzwirtschaft liquide zu halten, förderte und forderte man private kapitalgedeckte Formen der Vorsorge. Die dementsprechende, asymmetrische Steuerpolitik hat die Schere der Verteilung von Gewinn- und Lohn-Einkommen und die Vermögens-Umverteilung zunehmend gespreizt. Die gesellschaftlich spürbaren Folgen erklären sich als „individuelles Versagen“. Um den Geldkreislauf entsprechend zu entregeln, bedurfte es einer breiter angelegten „Wählerzustimmung“. Dies war das Geschäft der rot-schwarzen Koalition. Sie „lockerte“ den Börsenhandel, ließ den Derivatehandel zu und befreite die Bankgewinne aus dem Handel mit Industriebeteiligungen von Steuern. Hedgefonds wurden als Dachfonds zugelassen und die Verbriefung von Krediten steuerlich begünstigt. Die große Koalition propagierte und förderte innovative Finanzdienste, das heißt, das Absaugen von Umlaufmitteln aus der produzierenden Wirtschaft in eine, in der sich Geld scheinbar von selbst vermehrt. Die entsprechenden Vertriebswege und Kapitalbeteiligungs-Gesellschaften wurden steuerlich privilegiert. Dem widersprachen Großverbände wie Gewerkschaften und Kirchen kaum, weil man ihnen dies als Weg zur wirtschaftlichen Gesundung versprach.

So gelang es, das nachhinkende Deutschland ordentlich an die internationale Finanzblase anzuschließen. Als dies zur Zufriedenheit der Olympischen Götter im Dollarhimmel geschehen war, entschied man, nun die etwas heiße Luft aus der Finanzblase abzulassen. Die deutsche Regierung reagierte sofort und bot den bei der Triage fallengelassenen „Finanzeliten“ Hilfe auf Kosten der Steuerzahler an. Zur Rechtfertigung inszenierte sie das Dampfablassen der Blasenökonomen als dramatische Krise, jagte den Leuten ordentlich Angst ein, um sich ihre Unterstützung durch hoffnungsweckende Andeutungen zu sichern. Dazu dienten so dumme Hinweise wie die des Finanzministers, man müsse zuerst die Unfallstelle aufräumen, bevor man diejenigen zur Rede stellt, die den Schaden verursacht hätten, oder man müsse unverzüglich das Feuer löschen, auch wenn es sich um Brandstiftung gehandelt habe. Aber mußte man unbedingt die „Brandstifter ans Lenkrad des Löschzugs“ setzen oder, genauer gesagt, an seiner Fernsteuerung belassen? Sie schnüren nun in den Hinterzimmern der Regierung das Rettungspaket, das dem Parlament und der Öffentlichkeit übereilt zur Akzeptanz angeboten wird. Denn Brandstifter, Krisenursache, Krisenausmaß und Krisenfolgen blieben in dem Dunkeln, in dem sich seit eh und je gut munkeln ließ. Denn Geld regiert die Welt, d.h. diejenigen, die das neue Geld in Umlauf bringen dürfen, und das darf bekanntlich weder die Regierung noch Sie und ich.

Bis jetzt ist nichts geschehen, um auch nur die Diskussion über die Ursachen der Krise auf die neuralgischen Punkte zu lenken. Unser Wirtschaftssytem braucht immer mehr neues Geld , das als Kredit in Umlauf kommt. Darin liegt die Dynamik  und die Crux des Systems und solange darüber nicht einmal diskutiert wird, sind wir meilenweit von jeder Lösung, die mehr als ein Aufschub des totalen Kollaps sein kann, entfernt. Bis dato geht es noch gar nicht um eine Lösung, sondern lediglich um die Frage, ob das Totalversagen jetzt gleich oder später erfolgt. Viele Quellen, die ich für seriös halte glauben an das Ende in diesem Jahr und wer weiterhin den völlig uberraschten Experten und ihrer Einschätzung des Licht oder der Dunkelheit im Tunnel lauschen will kann das gerne tun, sollten sich nur nicht beschweren,wenn sie mal wieder Lichtjahre daneben liegen. Auch hier im Blog gibt es hinreichend Infos,die belegen, das dass Verhindern eines Crash doch wohl unwahrscheinlich ist und vielmehr die Frage interessant ist, die es danach aussieht, welche Währungen noch da sind und welche Staaten den Bankrott abwenden konnten und ob die alte “erste” Welt noch am längeren Hebel sitzt, wenn der Dollar nicht mehr existiert und Öl in Rubel oder sonstwas gehandelt wird.

Globalisierung

Ein guter Text über die Dollarhegemonie, die wichtigsten Akteure und Profiteure der Globalisierung und zu guter letzter über die Medien, in denen ein paar Keinigkeiten des Ganzen nicht vor kommen.

In den letzten 10 Jahren bis 2007 haben die Amerikaner dann 9 Billionen Dollar geliehen und mit Hypotheken besichert. Von 2002 bis 2007 haben sie daraus 4,2 Billionen Dollar durch höhere Kredite auf schon bestehende Immobilien abgezweigt, um sich irgend einen Schund zu kaufen. (Das ist auch dann genau die Nachfrage, die in den nächsten Jahren der Welt fehlen wird.) Das ist das, was übrig bleibt, wenn die Medien durch jahrzehntelanges Gehirnwaschen der Bevölkerung einreden, dass das Privatisieren von Staatsbetrieben und dass Investitionen von Pensionskassen an der Börse sowie allerlei Spekulationen besser sind als gesunde Lohnzuwächse.

Die Politiker haben keine Möglichkeit ausgelassen der Bevölkerung zu erklären dass Globalisierung und Free Trade besser für sie ist, weil man dann billiger konsumieren kann. Der wirkliche Grund, nämlich dass damit der weltweite Druck auf die Löhne zu höheren Gewinnen in den von der Elite in Besitz genommen multinationalen Firmen führen sollte das wurde natürlich nicht erwähnt.

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Sozialismus des 21. Jahrhunderts: Intellektuelle Konstruktion, politischer Slogan oder Ausdruck eines Kampfes gegen das System?

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François HOUTART

Herbert Berger. Vorwort des Übersetzers

Dieser Beitrag wurde von François Houtart bei einem Seminar zum Gedenken an Andrés Aubry (Sozialanthropologe, der über 40 Jahre in Chiapas arbeitete und aïs einer der besten Kenner des Gebiets und seiner Probleme gilt) gehalten, welches vom 13. bis 16. Dezember 2007 in San Cristobal de las Casas, Chiapas, Mexiko uber die antisystemischen Bewegungen stattfand.

Kapitalismus mit menschlichem Antlitz?

Ein Vorwort von Herbert Berger

Wer spricht heute noch von Sozialismus? Warum über einen Sozialismus des 21. Jahrhunderts nachdenken? Nach all den negativen Erfahrungen, nach dem Ende so vieler Illusionen? Nach den Verbrechen des Stalinismus, der sich auf den Sozialismus berief, nach der schleichenden, aber zugleich gründlichen Aufgabe sozialistischer Positionen in der westlichen Sozialdemokratie?

Adndererseits meinen viele, es könne doch nicht sein, dass wir vor dem Kapitalismus endgültig kapitulieren. Denn wir erleben und sehen doch tâglich, was der Kapitalismus heute im Gewand des globalen Neoliberalismus anrichtet, wo zwar nicht ein politisches System Verbrechen begeht, wo aber ein ökonomisches System 800 Millionen Menschen hungern lässt und durch die von den Kapitalinteressen getriebene Wirtschaft unsere Lebensgrundlagen zerstört.

Sind es lateinamerikanische Romantiker, die heute von einem Sozialismus des 21. Jahrhunderts reden, wie etwa der Präsident Venezuelas, Hugo Chávez? (Es würde sich lohnen, sich mit seinen Vorstellungen genauer auseinanderzusetzen, als es aufgrund mangelhafter Information heute bei uns geschieht.) Zugegeben, viele Anstöße, dieses Thema zu diskutieren, kommen aus Lateinamerika – weil dort die unlösbaren Widersprüche des Kapitalismus noch deutlicher zutage treten aïs in Europa. Aber auch wir sind immer mehr gezwungen, uns die Frage zu stellen, ob mit dem Untergang der Sowjetunion tatsächlich das Ende der Geschichte gekommen ist, ob wir uns abfinden mit diesem Ende?

Vielleicht gehört die Zukunft einem »Dritten Weg«, auch wenn alle bisherigen Versuche dieser Art nicht erfolgreich waren. Oder anders gefragt; gibt es nicht einen reformierten Kapitalismus, einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz? François Houtart, ein Priester und Soziologe aus Belgien, der die soziale, ökonomische und politische Erfahrung Lateinamerikas mit europäischer wissenschaftlicher Gründlichkeit verbindet, ist anderer Meinung. Er stellt fest, dass der Kapita­lismus nur dann »menschlich« agiert, wenn er dazu durch entsprechende Gegenkräfte gezwungen ist, aber, sobald er kann, wieder in die Unmenschlichkeit seiner internen Logik zuruckfällt. (weiterlesen…)