Wespentaille

Die bunte Kanzlerin träumt ja davon, dass wir stärker aus der Krise herauskommen als wir rein gekommen sind. Stärker heißt hier übrigens stärker verschuldet.  Einzig wichtig ist es, so glaubt man, wieder auf den Wachstumspfad zurück zu kommen. Mit mehr Wachstum -energisch befeuert durch kreditfinanzierte Steuergeschenke- wird sich alles von selbst regeln und wenn es erstmal so richtig läuft kann man ja, wie geplant den Staatshaushalt sanieren oder ,in  Regierungs-Metaphorik,   auf die “Schuldenbremse treten”.

Sanierung der Staatshaushalte heißt in der Regel, dass es gelingt, die sogenannte Nettoneuverschuldung nicht weiter steigen zu lassen. Gelingt dies, ist ein Sparminister geboren, den alle lieb haben und der beste Aussichten hat, in die Geschichte einzugehen. Herunterfahren von Staatsverschuldung kommt übrigens erst in der zweiten  Klasse der Wirtschaftsklippschule dran, die viele nicht mehr mitbekommen, weil sie plötzlich in die Regierung berufen wurden. (weiterlesen…)

Es ist ja nicht so…

es ist ja gar nicht so, dass nur Sektierer oder Fanatiker der Meinung sind, dass unser Geldsystem nicht wirklich klug ist. Börse-Online bringt ein Interview mit Richard Werner, Professor für International Banking an der University of Southampton in dem er auf die Probleme hinweist, die die private Geldschöpfung der Geschäftsbanken mit sich bringt.  Werner gehört zu denjenigen Ökonomen, die mit den Traumwelten der Mainstreamökonomie nicht viel anzufangen wissen und einen eher  empirischen Ansatz verfolgen, der nicht wie die Klassiker das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen, sondern von der zentralen Bedeutung des Geldes -genauer des Kredits- ausgehen. Für ihn passt die Macht über 98 % der Geldschöpfung, die durch die Geschäftsbanken erfolgt und der Anspruch einer Volkswirtschaft, dem allgemeinen Wohlstand  zu mehren nicht zusammen.

Dass die Banken Profite machen wollen, ist ihnen ja auch nicht vorzuwerfen. Sie reagieren nur auf Anreize der Gesetzgebung. Das Problem dabei: Wenn private Banken Geld nach dem Gewinnmaximierungsprinzip schöpfen und verteilen, wird es oft für unproduktive und gar destruktive Zwecke eingesetzt. Ich denke an Kredite für Hedge-Fonds, die den Ölpreis in die Höhe treiben. Wenn Banken Kredite für spekulative Zwecke vergeben, führt das zu Blasen und Krisen. In den vergangenen 100 Jahren hatten wir schätzungsweise 200 Finanzkrisen. Allein in den vergangenen 40 Jahren waren es über 100. Kommt die Krise, fängt der Steuerzahler alles auf. Das ist ein untragbares System.

Aber Notenbanken regeln die Geldströme. Dort kommt doch die Geldmenge her.

Das glaubt die breite Masse. Nur ein bis zwei Prozent der Geldmenge kommt von den Zentralbanken. Es wird nur der Eindruck erweckt, dass Zentralbanken die Geldmenge erzeugen. In Wirklichkeit erfüllt dies eine PR-Funktion. Die Bevölkerung soll in diesem Glauben bleiben. 98 Prozent der Geldmenge schaffen Banken. Diese Macht haben sie selbst nach der Rettung durch die Regierungen noch.

Wer die Macht über das Geld hat, bestimmt auch mühelos über den Rest und wenn man sich die Ereignisse der letzten Jahres vor Augen führt fällt ein ernsthafter Zweifel an dieser Annahme schwer.

Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht!
Meyer Amschel Rothschild

Zwischenbilanz

In letzter Zeit ertappe ich ich mich immer häufiger dabei, dass ich bei der Suche nach Quellen statt eines aktuellen Artikels auch ebenso auf  ältere Posts verweisen könnte, in denen eigentlich nichts anderes steht. Demnach beläuft sich die Bloggerei zunehmend auf das repetierende Beschreiben von Auswüchsen des immer gleichen Wahnsinns, der -so würde ich die Dinge zusammenfassen- im Grund auf  drei  Säulen steht.

1. Das kapitalistische System (im Holzschnitt)

Es geht im wesentlichen darum, Kapital zu investieren und dabei Gewinne zu erzielen. Es braucht Arbeiter, die zum einen die Produkte erzeugen und zum anderen auch kaufen. Mit den gezahlten Löhnen wird eine Nachfrage geschaffen, die freilich auch theoretisch nicht ausreicht, um alle produzierten Waren aufzukaufen, weil die Verkaufspreise natürlich auch den Gewinn abwerfen müssen. Mit anderen Worten reicht die Lohnsumme nicht aus, um die Verkaufspreise zu erzielen -den Idealfall vorausgesetzt, dass alle Waren abgesetzt werden sollen, denn auf Halde zu produzieren wäre Unsinn. Schon an diesem Punkt scheitert das liberale Modell des Marktes, weil sich unter Berücksichtigung des Gewinns kein Gleichgewicht mehr einstellen kann, was aber der Theorie nach  der Fall sein soll.

Es fehlt also letztlich die Nachfrage, um alle Produkte abzusetzen.Eine vordergründige Lösung für das Problem ist der Export -von dem wir -nebenbei bemerkt, exzessiv  Gebrauch machen. Die andere Möglichkeit ist der Kredit, weil letztendlich ist es ja “nur” das Geld, das fehlt und  für die Nachfrage ist es ohne Belang, wo dieses Geld herkommt -Hauptsache es kauft. Wir sind hiermit an der ersten Stelle angekommen, an der im System immer Geld fehlt.

Geht alles gut, erzielen die Unternehmen Gewinne und wenn sie die Arbeiter in Form von Lohnerhöhungen Teil haben lassen lässt sich ein Weile ein dynamisches Gleichgewicht halten, das bei mäßig wachsender Verschuldung aller Beteiligten eine Zeit lang fortgeführt werden kann. In diesem Zustand befanden wir uns zur Zeit des Wirtschaftswunders  bis in die 70er Jahre hinein.

Unternehmen konkurrieren miteinander und lässt man da als Gesetzgeber den Dingen freien Lauf wird jedes Unternehmen versuchen, aus ihren Ressourcen das Maximum heraus zu pressen. Mitarbeiter werden bei minimaler Bezahlung maximal belastet und auch alle anderen Ressourcen werden bis zur Grenze ausgepresst. Die Folge des unbegrenzten Konkurrierens  ist das herunterkonkurrieren von Sozial- und Umweltstandards sowie des Lohnniveaus. Der deregulierte Markt lässt den überleben, der den größten Druck auszuüben bereit ist. Es kommt zum Dumping.

Dieser Effekt wird erleichtert,wenn ein Überangebot an Beschäftigungssuchenden besteht, wie es ab den 70er Jahren mit dem Aufkommen der Massenarbeitslosigkeit zunehmend der Fall war. Traditionell war es das Ziel der Arbeiterbewegungen gewesen, zu verhindern, dieser Konkurrenz zum Opfer zu fallen und als reiner “Kostenfaktor” gesehen zu werden. Eine steigende Arbeitslosigkeit drängt aber die Arbeiterbewegungen zunehmend in die Defensive und aus Lohnforderungen wird der Verzicht auf Lohnerhöhungen bis hin zu Kürzungen, die hingenommen werden, in der Hoffnung, Arbeitsplätze zu erhalten, über denen das Damoklesschwert der Rationalisierung oder der Produktionsverlagerung steht.

Meistens bleiben die Erfolge aus und die Jobs sind trotzdem weg und durch den Verzicht bekommt der Entlassene am Ende noch weniger Arbeitslosengeld. Mit der Agenda 2010 wurde die Drohkulisse noch einmal deutlich verstärkt, weil nun für jeden klar ist, dass 12 Monate Arbeitslosigkeit ausreichen werden, um alles zu verlieren. Ein Jahr ohne Job ist schnell rum, denn bei einem -wenn auch nur noch zur Hälfte in der Statistik ausgewiesenen- Heer von ca. 6 Millionen Arbeitslosen ist das Angebot an Arbeitskräften mehr als groß.
Es zeigt sich, dass immer weniger Leute gebraucht werden, um die Güter zu produzieren, die auch tatsächlich verkauft werden können. Für den Rest bleibt HartzIV, mies bezahlte Jobs bei Zeitarbeitsfirmen oder Mc-Jobs mit Aufstockung vom Amt. Unübersehbar ist diese Entwicklung auch an unseren Innenstädten, wo immer mehr alteingesessene Fachgeschäfte verschwinden und durch irgendwelche Ramschläden und Billig-Discounter abgelöst werden. Steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Reallöhne ziehen eine ohnehin vernachlässigte Binnennachfrage immer weiter runter und der Teufelskreis von Entlassungen wegen mangelnder Nachfrage und der darauf folgenden Einkommensverluste schließt sich.

Um das System stabil und die Menschen friedlich zu halten bedarf es immer höherer sozialer Transferleistungen, weil die Löhne zu niedrig und die Jobs zu knapp sind. Mittlerweile gelten etwa 12% der Bevölkerung als arm, aber statt darüber nachzudenken, warum dieses Wirtschaftssystem für einen wachsende Anzahl der Menschen keine Chancen auf Wohlstand bietet wird darüber gestritten, ob die statistischer Erhebungsmethode wohl sinnvoll ist, oder gar darauf hingewiesen, dass es dem Armen hier im Vergleich zu dem in Bangladesh doch sehr gut gehe.

Hier kommt der Sozialstaat ins Spiel, denn man kann die Arbeitslosen natürlich nicht verhungern lassen und ein hungriger wütender Mob, der womöglich den ein oder anderen Unternehmer an den ein oder anderen  Laternenmast hängt, ist natürlich indiskutabel und dem gedeihlichen Wirtschaften ernsthaft abträglich. Um dies zu verhindern wurde der Sozialstaat geschaffen, der sich aus unerfindlichen Gründen großer Geringschätzung erfreut gerade auch von denen, die potentiell von ihm gerettet würden. Mir scheint, dass vielen nicht so ganz klar ist, welch große Bedeutung ein funktionierender Sozialstaat für den Frieden in einer Gesellschaft hat.

Für die Unternehmen, bedeutet der Sozialstaat, dass ihnen vom Steuerzahler ein Mindestumsatz garantiert wird, weil er verhindert, dass all die Loser, die unser hochtechnisierter Kapitalismus zur Erwirtschaftung seiner Renditen nicht mehr benötigt, nicht komplett als Konsumenten ausfallen. Hier werden nicht “faule” Arbeitslose subventioniert, sondern Industrie, Handel und Besitzer von Mietshäusern. Dieser Tatbestand befindet sich leider weit jenseits des beschreitbaren intellektuellen Horizonts von Industrie- und Arbeitgeberverbänden, vielen Mainstreamökonomen und einem großen Teil der Medien, die unisono auf dem Sozialstaat, respektive den vom System Weggeworfenen herum trampeln. Leider teilt auch ein beträchtlicher Anteil der sogenannten “Masse” diese Einschätzung und so finden sich die Gewinner des Systems und die Loser von morgen in Dummheit vereint im selben Boot wieder.  Hier haben wir eine weitere Stelle, an der das Geld fehlt, weil zwar der Staat einen Mindestumsatz sichert, der Arbeitslose aber kein vollwertiger “Verbraucher” mehr ist und was noch schlimmer ist, keine Kreditwürdigkeit besitzt.

Neben der Bedeutung für die Existenzsicherung hatte der Staat traditionell die Aufgabe, eine allgemeine Daseinsvorsorge bereit zu stellen. Der Hintergrund war der Gedanke, das nach Möglichkeit jedem Bürger gewisse Dinge zur Verfügung stehen sollen. So befanden sich Dinge wie Straßen Strom- und Wasserversorgung, Gesundheitsversorgung und ähnliche Dinge lange in staatlicher Hand. Man wollte verhindern, dass Dinge, die jeder braucht in die Hände privater Profitinteressen geraten und dann Dinge passieren wie in den Staaten, in denen fast 50 Millionen Menschen keine Krankenversorgung haben. Bekanntlich haben wir diesen Pfad, der von einem gesundem Misstrauen zum Kapital geprägt ist, längst verlassen und riesige, von den Bürgen geschaffene Vermögen an “Investoren” verschleudert und zahlen zum Dank Rekordpreise z. B. für unseren Strom und finanzieren statt “eigener” Betriebe jetzt die Gewinne der Energiekonzerne -sehr zur Freude ihrer Aktionäre.

Dies hat mit der Tatsache zu tun, dass in einem kapitalistischen System die großen immer größer werden, mit anderen Worten damit, dass sich das Kapital immer weiter akkumuliert. Riesige Unternehmen erzielen riesige Gewinne -was bei einer so “übersichtlichen” Konkurrenz wie dem Strommarkt z.B. auch gar nicht so schwer ist, selbst wenn man so eine Farce wie eine “Strombörse” unterhält. Der Erfolg der Investoren hat aber noch einen anderen Nebeneffekt, nämlich der, dass sich immer weiter wachsende Kapitalberge ansammeln, die irgendwie nach lukrativen Anlagemöglichkeiten suchen, die die Realwirtschaft in dem Umfang trotz aller Globalisierung gar nicht hergibt. Für dieses Geld gibt es all die hübschen Erfindungen des Kapitalmarkts und ihre “innovativen” Finanzinstrumente mit  ihren 25% Renditen. Um diese Zockerei zu optimieren hat man in den vergangen Jahren wie verrückt die Finanzmärkte dereguliert, um das Spielfeld für eine Finanzmafia zu bereiten, die mit immer höheren Einsätzen spielt und bei Verlusten die Staaten dazu erpresst, die Schäden zu bezahlen und zwar nicht nur die Verluste der Zocker, sondern auch die der dadurch verursachten Wirtschaftskrise. Hier  wird ein Gemeinwesen unter tätiger Mithilfe der Regierung restlos ausgeplündert. Gäbe es eine Staatsanwaltschaft, die sich für das Recht interessiert müsste es eigentlich Anklagen hageln. Interessant ist, dass hier ganz und gar nicht das Geld fehlt, sondern viel zu viel vorhanden ist. Der Grund ist, dass der Kapitalismus eine riesige Umverteilungsmaschine ist, die nur eine Richtung kennt: von unten nach oben. Durch Steuer- und Sozialpolitk kann der Staat gegensteuern und je weniger er es tut, desto schneller geht die originäre Umverteilung von statten. Die letzten Jahrzehnte zeigen ganz deutlich, wie “Reformen”, die darauf  hinauslaufen, den Kapitalismus zu deregulieren -was FTP-Idioten auch als “Wachstumsbremsen lösen” bezeichnen, dazu führen, dass Unternehmensgewinne ebenso steigen wie die Armut. Am oberen Ende steigt die Zahl der Milliardäre, während am unteren Ende der Verteilungspyramide das Heer der Mittellosen immer größer wird. Dies ist systembedingt, weil wir es mit Systemen zu tun haben, in dem die Gewinne konzentriert und die Kosten sozialisiert werden, wie am Beispiel der Bankenrettungen aktuell überdeutlich zu erkennen.

Der Kapitalismus funktioniert nur, wenn man ihn mit strengen Regeln an die Kette legt. (Wer Lust hat kann bei den Zitaten nach Keynes suchen, der das Misstrauen in den Kapitalismus schön formuliert hat.)

Eigentlich ist unser Wirtschaftssystem ein Vehikel, mit dem wir herum kommen und ein bisschen was von der Welt sehen wollten. Stattdessen versuchen wir einen Rennwagen zu fahren mit dem wir im nur uns nur im Kreis bewegen können und der zu allem Überfluss auch noch ständig aus der Kurve fliegt.

Der Kapitalismus muss schon aus dem Grunde wachsen, weil er ständig neue Nachfrage braucht und wie angenehm könnte doch die Welt sein, wenn man keine Werbung ertragen müsste, die mit ihrem penetranten Geschrei immer versucht, diese Nachfrage zu schaffen.

Aber es ist noch etwas anderes, das die Dynamik und den Vordergründigen Erfolg des Kapitalismus befeuert: Das Geldsytem

Das Geldsystem (auch Holzschnitt)

Es ist absolut erstaunlich, wie wenige eigentlich wissen, wie unser Geld funktioniert. Dabei ist es das zentrale Element der Wirtschaft und wer verstehen will, wie das Ganze funktioniert sollte hier anfangen. Allerdings sei jeder gewarnt, der sich eingehender damit beschäftigt, dass es seinem Seelenfrieden wahrscheinlich nicht zuträglich ist, wenn er versteht, wie unser Geld funktioniert. Henry Ford  war sich sicher, dass über Nacht eine Revolution ausbrechen würde, wenn die Leute verstünden, wie das Geldsystem funktioniert.

Ich führe das hier nicht weiter aus, sondern verweise auf all die Infos, die schon in diesem Blog liegen und das Geschehen im Detail erläutern. (Link) Entscheidender Punkt ist, dass es sich bei dem allergrößten Teil der Geldmenge nicht um richtiges Geld handelt, sondern um umlaufende Schulden, die dementsprechend mit Zinsen belastet sind. Geld kommt ausschließlich in Form von Krediten in den Umlauf. Kredite haben die Eigenart, dass sie mit Zinsen belastet werden. Dieser Zins wird aber nicht mit dem Kredit in Umlauf gebracht, so dass am Ende auch hier das Geld fehlt, um den Zins zu entrichten. Die Einzige Möglichkeit den nötigen Zins aufzutreiben ist es, mittels Kredit neues “Geld” in Umlauf zu bringen. Aggregiert betrachtet sieht man sofort, dass es sich hier um einen Kettenbrief handelt, der nicht abreißen darf. Ohne neue Kredite lassen sich die alten nicht bezahlen oder es drohen Abschreibungen -oder man findet eine dumme Regierung- die die Verluste übernimmt. Paradoxerweise erschafft die Bank mit dem Kredit, die der Geldnot ein Ende setzen soll den Mangel an Geld gleich mit und damit das System existieren kann muss es ständig weiter wachsen.

Selten erwähnt wir auch die Tatsache, dass ja das Schaffen von Geld in privaten Händen liegt, nämlich den Geschäftsbanken vorbehalten ist, die aus ihrem Guthaben bei der Zentralbank per Mausklick Geld schaffen. Dies hat dramatische Konsequenzen,weil so die Banken eine ungeheure Macht bekommen. Im Schulunterricht kommt  allerdings nicht  vor, dass es z.B. in den Staaten erbitterte Kämpfe um das Recht gab, Geld in Umlauf zu bringen, das über Jahrhunderte ein staatliches Privileg war.

Ebenso wie das kapitalistische System bewirkt das Geldsystem eine Umverteilung von unten nach oben. Dort wo schon viel Geld ist kommt mehr hinzu und der Rest jagt den fehlenden Prozenten nach, die er braucht, um seine Schulden zu bezahlen. So stehen den Guthaben immer die gleiche Menge an Schulden gegenüber und an den Statistiken der Vermögensverteilung kann jeder ablesen, in welchem Stadium wir uns befinden. Das Spiel ähnelt sehr stark dem bekannten Monopoli, bei dem auch am Ende der gewinnt, der über das größte Kapital, die meisten gewinnbringenden Assets verfügt.

Sowie sich im ganz normalen Betrieb des Kapitalismus das Kapital durch die Rendite akkumuliert, vergrößert sich durch den Zinseffekt letztlich auch das Finanzkapital. Beide Systeme sind so konstruiert, dass sich letztlich immer mehr in immer weniger Händen konzentriert.

Aufgabe verantwortlicher Politik wäre es, diese beiden Systeme -wenn man sie dann schon nicht beseitigen will- davon abzuhalten, die Menschen, die in ihm leben zu vernichten. Völlig außen vor, dass die Dritte Welt den Aufstieg der ersten bezahlt hat, aber außer Hunger und Elend nichts dafür bekommen hat. Wenn ich dann lese, dass beim Welternährung- Gipfel nichts herum gekommen ist, außer ein paar blumige Erklärungen, ist auch klar, das Ziegler Recht hat, wenn er vermutet, dass uns der Hunger der Anderen egal ist und unsere Profite allemal wichtiger.

Die Medien

Von der Konzeption her sollen die Medien eine kritische Öffentlichkeit ermöglichen und so die “vierte Kraft” sein, die eine Demokratie am Leben hält. Dies kann es aber nur geben, wenn es so etwas wie Unabhängigkeit und Vielfalt gibt. Die Realität sieht leider so aus, dass alle wesentlichen Medien wenigen großen Konzernen gehören, deren Zielsetzung natürlich  der Profit ist, denn das ist der Sinn von Konzernen. Es ist einfach nicht anzunehmen, dass sich die Unternehmen selbst das Wasser abgraben, was sie tun würden, wenn sie z.B. zu kritisch über Unternehmen berichten, die gleichzeitig wichtige Anzeigenkunden sind. Auch darf man es für unwahrscheinlich halten, dass der große Medienkonzern die Politik, die den großen Konzernen nützt, kritisiert.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk -installiert von den Siegermächten zwecks Unterhaltung und Umerziehung der Massen-  dient und diente von der Konzeption her der Systemstabilisierung. Die sogenannten “gesellschaftlich relevanten Gruppen” üben ihren Einfluss auf die Sender aus und sollte es eine Revolution geben würde sie dort wahrscheinlich gar nicht oder mit viel Verspätung gemeldet werden ;-) . Brisantes -sofern überhaupt gesendet-  ist längst in den 3.,  4. oder 5. Programmen entschwunden und findet sich auf nächtlichen Sendeplätzen wieder. Information hat da nur noch Alibifunktion.

Allen Medien gemein ist die ausdrückliche Geringschätzung was die Vermittlung von Zusammenhängen angeht und nicht nur in diesen Tagen, da sich der Fall der Mauer zum zwanzigsten Mal jährt, zeigt sich  der Beitrag, den die Medien zur Legendenbildung und dem Transport der herrschenden Ideologie beitragen. Was in der Gegenwart nicht mehr gebogen werden konnte wird dann von Leuten wie Knopp in irgendwelchen pseudoaufklärerischen Formaten auf Linie getrimmt. Wahrscheinlich muss nur man ein paar Dinge selbst erlebt haben, um zu bemerken, wie sehr alles zu einem historischen Melodram zusammen gekleistert wird.

Eingebettet sind die kärglichen Restbestände an brauchbarer Information in ein  seichtes Meer von trivialer Unterhaltung, dass nur im Zustand fortgeschrittener Abgestumpftheit zu ertragen ist, der sich freilich bei hinreichendem Konsum ganz automatisch und zügig einstellt. Als Transporter für umfassende Verblödung funktionieren die Medien bestens. Wer sich einen Eindruck erschaffen möchte, wie viel die Informationen unserer Medien noch wert sind braucht nur das Web nah frei verfügbaren Hintergrundinformationen abzusuchen. Er wird feststellen, das Hintergründe selten bis gar nicht recherchiert werden und hauptsächlich Agenturmeldungen und Pressemitteilungen abgeschrieben werden. Kommt ein neues Thema auf geben schnell einige wenige Alpha-Journalisten die grobe Richtung vor und ab da wird nur noch nach gebetet. Schnell ist festgelegt, wer die Guten und wer die Bösen Jungs sind -außer bei Amerikanern und Israelis, weil die immer zu den Guten gehören. Der Rest ist schwarz und weiß. Wer Genaueres erfahren will ist hier falsch.

Es ist nicht schwer zu erkennen

Im wesentlichen sind das die drei Säulen, die ein System am laufen halten, das eigentlich unhaltbar ist, weil es im Grunde jeden Anspruch an Ethik und Moral, den wir als Gesellschaft gerne immer wieder gelten gemacht sehen wollen unterminiert.  Unsere Gesellschaft basiert auf  Ausbeutung menschlicher und natürlicher Ressourcen und hat, so wie wir es betreiben nur das eine Ziel, nämlich die Reichen reicher zu machen und die Armen – zwangsläufig- ärmer.  Freiheit und  Menschenrechte  sind nur schöner Schein, süßes Wortgeklingel für Festtage. Die schönen Tage sind vorbei. Was jetzt noch kommt wird hässlich. Die oberen 10% besitzen etwa 2/3 des gesamten Vermögens und werden sich den Rest auch noch holen. Die unteren 10% sind übrig und müssen von denen, die noch gebraucht werden am Leben gehalten werden. Gebraucht wird noch die Mittelschicht, die mit ihrer Arbeit die Wertschöpfung realisiert und die Gewinne, die von einer zunehmend parasitären,  leistungslosen Elite in Form von Renditen abgeschöpft werden. Die Mittelschicht verliert aber immer mehr an die Schicht der Loser und der Effekt ist, das es für sie immer knapper wird, weil sie ja immer mehr durchfüttern müssen. Sie wird wie zu allen Zeiten glauben, dass die Armen der Klotz am Bein sind, dabei sind es eigentlich die Reichen, die sie aussaugen. Divide et impera.

Wer glaubt, diese Sicht sei vielleicht zu negativ möge sich nur das Schicksal des Sozialstaats vor Augen halten. Für die meisten ist er lästige Verpflichtung, der man nachkommen muss, will man sich nicht den Vorwurf der  Barbarei gefallen lassen. Die kapitalistische Leistungsreligion kennt kein Recht, sonder nur Verdienste, die man durch bedingungslose Unterwerfung unter das System erwirbt.  Der Umgang mit der Tatsache, dass es ja nicht für alle reicht – ja nicht reichen kann zeigt, wie dünn die  Lackschicht ist, die diese Kultur von der Barbarei trennt. Wir haben überhaupt kein Problem damit, alles unter Finanzierungsvorbehalt zu stellen und die erklären die Belange der Wirtschaft zur Religion, der sich alles unterzuordnen hat. Definiert man Faschismus als den Versuch, alle Belange einer Gesellschaft unter einer alles überlagernde und überragende Idee zu stellen, sind wir längst im Faschismus angekommen. Es gibt kaum einen größeren Makel als den der Unwirtschaftlichkeit. Die kapitalistische Verwertbarkeit ist der Faktor an dem sich der Wert vom Unwert trennt. Mit der Agenda 2010 ist längst ist die Lohnsklaverei und die Zwangsarbeit wieder eingeführt. Wer sich nicht bereit erklärt, auch für einen Hungerlohn zu arbeiten wird von den Argen herunter gekürzt und erst jetzt scheint es, als würde die Justiz dieser Art von Existenzvernichtung nach etlichen Jahren der Schikane einen Riegel vorschieben wollen.

Fazit

All diese Dinge liegen eigentlich offen zu Tage und jeder kann es wissen, der es wissen will. Ich wollte es auch wissen und habe deshalb diesen Blog angefangen. Wir steuern ganz klar in die 20/80 Gesellschaft, bei der die oberen 20% größtenteils leistungslos von den übrigen 80% leben.

Jetzt aber macht mich das Ergebnis ehrlich gesagt ein wenig ratlos und der Sinn will mir nicht so recht einleuchten, der darin liegen könnte,  täglich immer und immer wieder aufzuzeigen, dass das was wir hier Treiben ein Wahnsinn ist. Ein klitzekleiner Teil interessiert sich überhaupt dafür, was in diesem Land vor sich geht und wenn nach drei Jahrzehnten vergeblichen  Herumdokterns am System weder die Massenarbeitslosigkeit, noch die Verarmung eines immer größer werdenden Teil der Bevölkerung nicht als deutlicher Hinweis gesehen wird, dass es so wohl nicht funktioniert und stattdessen gar nicht oder schwarz-gelb gewählt wird, muss ich ernsthaft bezweifeln, dass noch eine signifikante Anzahl der Deutschen bei hinreichendem Verstand ist.

Ich jedenfalls werde jetzt eine Pause einlegen, weil mir die Zeit fehlt, weiterhin so viel zu bloggen und ich im Moment auch keine Lust mehr habe, ständig zu wiederholen, was ich hier umrissen habe. Also danke ich allen, die hier mitgelesen und kommentiert haben und sage mal bis später. Man liest sich.

Pranger 13052009

Zinsen (13.5.2009)

Zinsen werden heute mit der größten Selbstverständlichkeit kassiert und gezahlt, weil jeder davon ausgeht, dass Zinsen zum Wirtschaftsleben einfach dazugehören. Dabei gibt es keinen größeren Sprengsatz für das Wirtschaftsleben, als eben diese Zinsen.

Angefangen hat das zu einer Zeit, als die Menschheit von Viehzucht gelebt hat. Wer eine Kuh für ein Jahr verleiht, dem entgeht die Milch, welche die Kuh in dieser Zeit gegeben hat. Außerdem bekommt er eine Kuh zurück, die ein Jahr älter ist, also an Wert verloren hat. Dafür möchte er natürlich einen Ausgleich haben, eben die Zinsen. Schon für Ackerbauern sieht die Angelegenheit anders aus: Wer Getreide verleiht, bekommt nach einem Jahr Getreide aus der neuen Ernte zurück. Hätte er sein Getreide nicht verliehen, wäre es von Mäusen gefressen worden, es wäre ausgetrocknet, hätte an Wert verloren. So bekommt er nach einem Jahr seinen gesamten Wertverlust ersetzt. Wieso sollte er dann auch noch Zinsen erhalten?

Natürlich kommen jetzt die Kapitalisten mit dem schönen Satz: Selber essen macht fett. Natürlich wird das nicht so direkt und eindeutig verständlich gesagt, sondern das Bild vom bemitleidenswerten Darlehensgeber beschworen, der die eigene Familie darben lässt, um dem Nachbarn in schwerer Not zu helfen, und damit ein Anrecht auf eine kleine Belohnung hat. Vom großen Kapitalisten, der zwanzig Bauern für sich schuften lässt, selbst keinen Finger krümmt und von den abgepressten Zinsen herrlich und in Freuden lebt, wird hingegen nur selten gesprochen. Und wenn doch, dann nur von bösen Kommunisten oder noch böseren Antisemiten.

Um das Wesen und die Sprengkraft der Zinsen zu beschreiben, komme ich leider nicht ohne Zahlen aus. In der folgenden Tabelle führe ich das bekannte Beispiel vom “Josephspfennig” auf. Man nimmt dabei an, dass der biblische Joseph dem Sohn seiner Frau (die eigene Vaterschaft wird ihm per Indizienbeweis abgesprochen) bei dessen Geburt ein Sparbuch eingerichtet habe, mit einem einzigen Pfennig bzw. einem Cent als Startguthaben. In der Tabelle habe ich aufgeführt, wie schnell der kleine Jesus bei welcher Verzinsung Euro-Millionär geworden wäre, also 100 Millionen Cent auf seinem Konto angesammelt hätte.

tabelle1

Ein Prozent Zinsen, das gibt es auf ein Sparbuch in schlechten Zeiten, wie wir sie derzeit unter Angela Merkel erleben. Gelegentlich gibt es sogar noch weniger, 0,75 Prozent oder 0,50 Prozent. Das andere Ende, die zehn Prozent, sind weniger, als die meisten Menschen in Merkel-Deutschland für einen Dispokredit berappen müssen. Da werden gerne mal 13,75 Prozent genommen und richtig teuer wird es, wenn das Dispolimit überschritten wird, dann werden daraus 18,5 Prozent oder noch mehr.

Nimmt man die Verzinsung von Bundesanleihen, die fünf Prozent, so hätte die Familie derer von Nazaret kurz nach dem Ende des weströmischen Imperiums ein Vermögen von 374,5 Millionen Euro besessen, die Jahr für Jahr 18,725 Millionen Euro Zinsen abwerfen und so für ein auskömmliches Leben sorgen. Das heißt, während im Rest der Welt sich die Bauern die Finger blutig schuften, hätte dieser auserwählte Clan dank des einen gut angelegten Cents die ganzen folgenden Jahrhunderte hindurch schwer reich und ohne Arbeit prassen können.

Ich weiß, es handelt sich dabei um ein Gedankenmodell, ich lasse es auch gleich mit der Realität kollidieren. Stellen wir uns vor, Ihr Urgroßvater hätte nicht einen Pfennig, sondern gleich 1.000 Goldmark in zehnprozentigen Staatspapieren angelegt. Gehen wir in obige Tabelle, ergäbe das nach hundert Jahren 12.527.380 Goldmark. Nur, leider, wurde die “Goldmark” 1923 im Verhältnis eins zu einer Billion abgewertet, selbst wenn es damals schon zwölfeinhalb Millionen gewesen wären, die Inflation hätte das Vermögen vollständig vernichtet.

Der Josephs-Quadrans (ein Viertel As, die damals kleinste römische Münze) wäre schon unter den römischen Kaisern entwertet worden, denn schon diese Herrschaften erlagen dem Zauber der Inflation. Das funktionierte damals nach dem gleichen Prinzip wie heute: man prägte höhere Werte auf die Münzen. Was zu Zeiten von Augustus noch aus reinem Silber geprägt worden war, hat 300 Jahre später kein Silber mehr gesehen, obwohl rein formal der gleiche Wert darauf gestanden hat.

Damit wären wir bei einem weiteren Argument für Zinsen angelangt: Da das Geld fortwährend an Welt verliert, müssen Geldbesitzer, die ihr Geld verleihen, für diesen Verlust entschädigt werden. Das ist jedoch ein Zirkelschluss: Zinsen vermehren Geld, mehr Geld entwertete das vorhandene Geld, die Geldentwertung erfordert Zinszahlung.

Ich komme auf diesen Mechanismus noch zurück, ich möchte vorher noch auf eine üble Praxis der Antike eingehen, die vereinzelt bis in die Neuzeit fortgesetzt worden ist: die Steuerpacht. Rom hat seine Provinzen oft an Steuerpächter überlassen. Der Steuerpächter hat dem Senat eine Steuerzahlung in festgelegter Höhe zugesichert und diese Steuern aus der eigenen Tasche bezahlt. Das hat er natürlich nicht aus Menschenfreundlichkeit getan, sondern er hat die Steuern bei seiner Provinzbevölkerung wieder eingetrieben, mit Zins und Zinseszins. Es war damals üblich, dass ein römischer Adliger arm das Amt eines Stadthalters übernommen hat, um nach fünf Jahren schwer reich wieder nach Rom zurückzukehren. Dort wurde er oft genug vor Gericht gestellt, um ihm den Reichtum wieder abzunehmen. 48 Prozent Zinsen pro Jahr für die vorgestreckte Steuer wurden damals nicht als sittenwidrig angesehen, und wollte oder konnte die Provinz nicht zahlen, kam die römische Armee zum Inkasso.

Falls Sie sich jetzt an Kredithaie erinnert fühlen – ja, das ist richtig. Das ist Antike pur, es funktioniert heute so gut wie damals. Sogar die kräftigen Männer, die bei Bedarf das Geld eintreiben, gibt es noch. Nur die Schwerter und Rüstungen sind außer Mode gekommen.

Zinsen haben für den, der sie erhält, die angenehme Eigenschaft, dass er Einnahmen erzielt, ohne dafür zu arbeiten (“Leistungsloses Einkommen”). Für den, der sie bezahlen muss, ist damit die unangenehme Eigenschaft verbunden, dass er mehr arbeiten, mehr leisten muss, um die Zinsen zu bezahlen (“Zinsknechtschaft”).

Die beste aller Zinswelten

Ein weiteres Argument für Zinsen ist, sie seien der Anreiz für den Kapitalbesitzer, sein Geld nicht in der Schatulle zu lassen, sondern es in den Kreislauf der Wirtschaft zu geben. Nehmen wir eine Goldwährung, die Dukaten. Golddukaten gibt es wirklich, das sind kleine, dünne Münzblättchen, die 3,45 Gramm Gold enthalten. Der aktuelle Preis für eine beträgt etwa 75 Euro. Das heißt, 20 Dukaten (netto) genügen, um einen Monat lang auskömmlich zu leben. Bekommen Sie 25 Dukaten, mästen Sie mit dem Überschuss Ihr Sparschwein. Die Münze besteht aus einer Goldlegierung, sie läuft nicht an, sie rostet nicht, wenn Sie konsequent sparen, besitzen Sie nach 30 Jahren 1.800 Dukaten, ohne je einen Cent Zinsen erhalten zu haben. Von dem Geld könnten Sie siebeneinhalb Jahre wie bisher weiterleben, Sie hätten die sicherste Rente von allen.

Jetzt kommt ein sehr wortgewandter Mann von der Sparkasse zu Ihnen und jagt Ihnen Angst ein. Jeder Einbrecher in der ganzen Stadt wäre hinter Ihrem Sparschwein her, wenn Sie das Tierchen verstecken, würden Ihre Kinder das niemals finden und sollte Ihr Haus abbrennen, müsste man ewig in den Trümmern suchen. Es sei doch viel besser, das Geld ihm anzuvertrauen. Im Tresor der Sparkasse läge es so viel sicherer, da würde jeder Einbrecher scheitern. Ihre Erben wüssten jederzeit, wo das Geld aufgehoben ist, und sollte Ihr Haus abbrennen, der Tresor der Sparkasse würde das nicht einmal merken. Und während Sie sich noch fragen, was Sie für diese Dienste bezahlen müssen, eröffnet Ihnen der Schlipsträger, das alles sei nicht nur kostenlos, die Sparkasse würde Ihnen sogar noch Geld dafür bezahlen, dass sie Ihr Geld sicher aufbewahrt.

Das klingt so gut, dass Sie sich ärgern, dass der nette Herr nicht schon vor 30 Jahren bei Ihnen aufgetaucht ist. Was Sie nicht sofort sehen, sind die Nebenbedingungen. Der Anzugträger möchte nämlich bezahlt werden, der Tresor der Sparkasse kostet Geld, das Gebäude, in dem der Tresor steht, kostet Geld, die Leute, die in der Sparkasse arbeiten, kosten Geld, der Chef, der dort nicht ganz so viel arbeitet, kostet mehr Geld, sogar die Putzfrau, die jeden Abend mit ihrer Hutnadel den Tresor öffnet, um dort das Geld abzustauben, kostet Geld.

Jetzt raten Sie einmal, wer das Geld bezahlt, das diese Sparkasse kostet? Nicht Herr Müller aus Berlin oder Scheich Alimente bin Dschihad aus Weitfortistan, sondern SIE. Bleiben wir bescheiden, wir haben eine Goldwährung, es gibt keine Inflation. Sie bekommen ein Prozent Zinsen, derjenige, der sich Ihr Geld von der Sparkasse leiht, zahlt fünf Prozent. Sie bekommen pro Jahr 18 Dukaten, der Entleiher zahlt 90 Dukaten und von den 72 Dukaten Differenz lebt die Sparkasse.

Aber wieso zahlen Sie diese 90 Dukaten, obwohl Sie gar nicht der Entleiher sind? Der Entleiher ist der Bäcker, bei dem Sie Ihre Brötchen kaufen. Der Bäcker muss die Zinsen wieder hereinholen, deshalb schlägt er das Geld auf den Preis der Brötchen auf. Diese Brötchen kaufen nicht nur Sie, sondern auch Ihr Metzger, der das Geld, das er für die Zinsen in den Brötchen bezahlen muss, auf seine Wurst drauflegt. Sie bezahlen also über den Metzger einen weiteren Anteil an Zinsen Ihres Bäckers. Ihr Vermieter kauft ebenfalls diese Brötchen, er schlägt den Preis auf die Miete auf. Er geht zum selben Metzger, also… Mit anderen Worten: Die Sparkasse arbeitet nicht so kostenlos, wie der Schlipsträger Ihnen eingeredet hat, sondern greift kräftig in Ihre Tasche. Ihre Altersvorsorge reicht jetzt nicht mehr 90 Monate, sondern nur noch 80 Monate, weil die Sparkasse Ihnen so prächtig hilft.

Wir haben keinerlei Geldentwertung, wir haben kein leistungsloses Einkommen (höchstens den Sparkassendirektor), wir haben keine wirkliche Zinsknechtschaft (der Bäcker schlägt die Zinsen ohne Probleme auf seine Brötchen um). Trotzdem sind 12,5% Ihrer Altersversorgung weg. Weil Ihr Sparschwein das nicht getan hätte, braucht es auch keinen Anzug und keine Krawatte.

In der Realität geht es noch weitaus schlimmer zu: Ungefähr 90 Prozent der Bevölkerung der BRD bezahlen mehr an Zinsen für Andere, als sie selbst an Verzinsung für Ihr Kapital erhalten. Nur zehn Prozent verdienen mit Zinsen Geld. Anders ausgedrückt: Neun Menschen müssen mehr arbeiten, im Hamsterrad die Zinsen erwirtschaften, die der zehnte genüsslich einstreicht. Interessanter Weise dies dieselben Zahlen, die den Merkel-”Aufschwung” kennzeichnen: 90% der Bevölkerung hat während dieser “guten” Jahre Vermögen verloren, nur 10% haben gewonnen, also von der ganzen Merkelei profitiert.

Die reale Zinswelt

Im täglichen Leben bezahlen wir nicht mit wertstabilen Dukaten, sondern mit bedrucktem Papier, auf dem als Wertangabe “Euro” steht. Dieser schöne Euro ist ein enger Verwandter von Honeckers Aluchips, der von Westlern gerne als Spielgeld bezeichneten Mark der DDR. Wobei die DDR sogar noch seriöser gearbeitet hat, denn deren Währung wurde vom Staat kontrolliert und stabilisiert, der Euro unterliegt dem freien Spiel der Kräfte. Seit seiner Einführung hat der Euro im Schnitt 60% seines Wertes verloren – in den Jahren 2002 bis 2009. Mein Verleger wollte das Buch “Die spirituelle Welt” für 27,95 Euro herausbringen. Ich habe ihn auf 24,95 Euro heruntergehandelt und das als überschaubaren Preis angesehen. Das ist heute ein gängiger Buchpreis, aber es sind 48,78 DM. “Optisch” wäre der Preis damals 49,80 DM gewesen – und ich gebe zu, selbst als gut bezahlter Softwareingenieur habe ich zu DM-Zeiten nur wenige Bücher in dieser Preisklasse gekauft.

Die Westmark hatte bei ihrer “Geburt” einen Referenzwert, die Ostmark nur den Zwang des Staates, dieses Zeug als Zahlungsmittel zu verwenden. Bei der guten alten D-Mark hieß die Referenz Dollar und die Referenz des Dollars war Gold. Diese doppelte Referenzierung wurde 1971 aufgehoben, statt dessen wurde eine lockere Bindung an einen realen Wert eingeführt. Die Mark “floatete” gegenüber dem Dollar, sie wurde also zum Tageskurs gehandelt, und der Dollar floatete gegenüber dem Erdöl. Das Rom der Neuzeit, die USA, hielt und hält mit ihren Legionen die Erdölprovinzen besetzt, ihre Steuerpächter sind die arabischen Potentaten, die dank des Erdöls sagenhaft reich geworden sind.

Der Euro ist mit den schlechtesten Eigenschaften beider Welten ausgestattet. Wie bei der Ostmark besteht sein innerer Wert aus dem Zwangsdiktat des Staates, dieses Zeug als Zahlungsmittel zu verwenden. Wie bei der Westmark ist der Euro ein Schuldgeld, das durch einen doppelten Buchungsvorgang in die Welt gesetzt wird. Jeder Euro entsteht auf eine Weise, die ein Physiker namens Stephen Hawking beschreibt, um ein Schwarzes Loch auszudünnen: Es gibt einen positiven Euro (Guthaben) und einen negativen Euro (Schulden). Kämen beide zusammen, würde sie sich auflösen und verschwinden. Der Trick ist, beide zu trennen. Das Guthaben wird irgendwo verbucht, die Schulden woanders. Das so aus dem Nichts geschaffene Geld wandert weiter, von Konto zu Konto, die Schulden häufen sich ebenfalls irgendwo an.

Während für Hawking ein Teilchen entkommt, das andere im Schwarzen Loch verschwindet, also in der Bilanz das Schwarze Loch um dieses Teilchen erleichtert wurde, verschwindet der negative Bruder des Euros nicht. Er bleibt in der Bilanz stehen und er wird verzinst. Das Schwarze Loch der Zinswelt verschwindet nicht, es wächst mehr und mehr an. In der realen Zinswelt werden aus 1.800 Euro Guthaben und 1.800 Euro Schulden nach einem Jahr 1.818 Euro Guthaben und 1.890 Euro Schulden. Da die Konten ausgeglichen werden müssen, steht die Differenz von 72 Euro ebenfalls als Guthaben in den Büchern, allerdings nicht bei demjenigen, der das Geld verliehen hatte, sondern bei der Bank, als deren Gewinn.

Im Beispiel mit den Dukaten wäre das nicht gegangen, denn hätte man für diese Differenz reale Dukaten benötigt, die kleinen, dünnen Blättchen aus Gold. Mit Papiergeld ist das keinerlei Problem. Wobei Papiergeld der falsche Ausdruck ist, denn das gedruckte Geld ist nur eine Erscheinungsform des tatsächlichen Geldes, gewissermaßen die sichtbare Spitze des Eisbergs. Das “wirkliche” Geld ist virtuell, existiert als Bits und Bytes in den Computern der Banken. Geld zu fabrizieren ist so leicht, wie Zahlen in einen Taschenrechner eintippen, Guthaben und Schulden verteilt der Rechner der Bank entsprechend. Wir kennen längst das Verhältnis: Neun Zinsknechten steht ein auserwählter Guthabenbesitzer gegenüber. Neun Arme bezahlen einen Reichen, damit dieser noch reicher wird.

Reichtum

Wirklicher Reichtum entsteht nicht durch Arbeit oder Leistung, das gehört zu den großen Lügen unserer Gesellschaft. Es gibt hin und wieder ein paar Ausnahmen, den Erfinder mit einer bahnbrechenden Entdeckung, den Künstler, der Millionen Platten verkauft. Doch der normale Erfinder wird finanziell ausgehungert, bis er seine Erfindung für ein paar Brosamen hergeben muss, der normale Künstler wird nicht gefördert und durch die Medien gereicht, sondern kann froh sein, wenn er durch kleine Auftritte sein Leben fristen kann.

Wirklicher Reichtum entsteht, indem man anderen Leuten das Geld abnimmt. Das Rothschild-Manöver nach der Schlacht von Waterloo war ein offener Betrug: Er hat verbreiten lassen, Napoleon hätte gesiegt, damit eine Börsenpanik ausgelöst und so billig eingekauft. Als sich die Wahrheit herausstellte, schossen die Aktien in neue Höhen und der Reichtum der Rothschilds wurde sprichwörtlich. Heute vollziehen sich die Börsenmanipulationen unauffälliger, hinter den Kulissen. Ob Enron oder em.tv, es gibt Leute, die haben damit richtig Geld verdient, als die Blase aufgepumpt wurde, und rechtzeitig verkauft, bevor sie geplatzt ist.

Bei der Deutschen Telekom wurde das Geld der kleinen Anleger eingesammelt, dann in die USA transferiert und die Aktienkurse brachen zusammen. Bei Lehman Brothers wurden deutschen Rentnern ach so sichere Zertifikate aufgeschwatzt, die heute wertlos sind. Der aktuell größte Börsenbetrüger Madoff hat 50 Milliarden Dollar “vernichtet”. Aber, wie Rothschild richtig erklärt hat, das Geld ist nicht weg, das hat jetzt nur ein Anderer. Jemand, der dadurch reich geworden ist. Es ist gewiss ein reiner Zufall, dass das Bindeglied zwischen Rothschild, der Deutsche Telekom (“Ron Sommer”), den Lehman Brothers und Bernie Madoff die jüdische Religion der Akteure ist. Ein überzeugendes Argument zur Haltlosigkeit des Antisemitismus’ ist es allerdings auch nicht.

Reichtum entsteht durch Umverteilung. Als die Sowjetunion zerfallen ist, fielen die meisten Russen in ein finanzielles Nichts. Ein paar, die zufällig ebenfalls der von Gott so offensichtlich gesegneten mosaischen Religion anhingen, wurden zu milliardenschweren Oligarchen. Die Abwicklung der DDR wurde dank des damals verantwortlichen Staatssekretärs Horst Köhler zu einem überaus einträglichen Geschäft für die westdeutschen Banken. Für den damals entstandenen Schaden zahlen wir alle noch unseren Solidaritätszuschlag.

Reichtum erzeugt Zinseinnahmen und Zinseinnahmen sorgen für noch mehr Reichtum. Die Umverteilung durch Zinsen funktioniert nach den gleichen Prinzipien, durch die größere Vermögen angehäuft worden sind: Das Geld von vielen Leuten wird in einer Hand konzentriert. Das können arme Leute sein, wie die von den Oligarchen ausgeraubten Russen, die deutschen Rentner mit Lehman-Zertifikaten oder die Telekom-Opfer. Es können genauso gut reiche Leute sein, wie bei den Börsenmanipulationen der Rothschilds oder dem betrügerischen Schneeballsystem von Madoff.

Geld in den “richtigen” Händen ist eine brutalere Vernichtungswaffe als alle Atombomben. Geld stürzt ganze Völker in Armut, Hunger und Elend. Der Reichtum des Südens hat den amerikanischen Bürgerkrieg ausgelöst, die Befreiung der Sklaven hat keinen interessiert, sie wurde zu Propagandazwecken nachgeschoben. Geld, die wachsende Präsenz deutscher Produkte auf den Weltmärkten, führte zum ersten Weltkrieg, um die Handelskonkurrenz auszuschalten. Geld, das Ausscheren des mittellosen Deutschen Reiches aus dem von den Finanzhäusern kontrollierten Welthandel, führte zum zweiten Weltkrieg. Raubkriege wurden als brutalste Vernichtungskriege geführt, denen nachträglich ein humanitäres Mäntelchen umgehängt worden ist.

Zinsen bedeuten leistungsloses Einkommen für einige Wenige, für die durch göttliche Gnade Auserwählten. Zinsen bedeuten Knechtschaft für Milliarden, die dadurch ausgebeutet werden und unablässig im Hamsterrad rennen müssen. Schlimmere Diktaturen, als der Nationalsozialismus je hätte werden können, werden von der “Gemeinschaft der zivilisierten Völker” mühelos toleriert, wenn sich ein Raubkrieg gegen sie nicht lohnt, die Siegesbeute zu gering ist.

Der Holocaust ist heute nicht nur eine neue Religion mit eigenen Heiligen und eigenen Teufeln, sondern zugleich eine registrierte Schutzmarke. Wenn es jemand wagt, Holocaust™ für eigene Zwecke zu verwenden, zum Beispiel als “Abtreibungs-Holocaust” oder “Hunger-Holocaust”, begehren die Rechteinhaber der Handelsmarke (das hochgestellte “TM” steht für “Trademark”) auf. Das ist nicht anders, als würde jemand seine Limonade “Orangen-Coca-Cola” nennen. Mit den toten Armeniern im ersten Weltkrieg ist kein Geld zu verdienen, mit den Opfern von Stalin, Mao und Pol Pot ebenfalls nicht, nur mit Holocaust™ funktioniert das. Hier wird Geld schnell eingetrieben, aber nur ganz gemächlich und nach umfassender Prüfung an die Opfer verteilt. Und sollte in der Zwischenzeit Geld verloren gehen, weil sich jene, die das Geld verwalten, daran bedienen, wird eben nachgefordert. Die biologische Grenze, das altersbedingte Ableben der Opfer, wird durch “Traumatisierung” der Kinder und Enkel ins Unendliche hinausgeschoben.

Das Pyramidenspiel

Neun Arme bezahlen einen Reichen, neun Reiche bezahlen einen Superreichen, neun Superreiche bezahlen einen in der wirklichen Hochfinanz. Der Aufbau gleicht einer Pyramide, in der Reichtum und Macht auf Kosten der tieferen Ebene nach oben geschaufelt werden. Zinsen lassen neue Schulden entstehen, Schulden bedeuten neue Guthaben. Der Bäcker im Dukatenbeispiel hat seine Schuldzinsen auf die Brötchen umgeschlagen. Im Lauf des Pyramidenspiels entstehen immer mehr Schulden, für die Zinsen eingefordert werden. Diese neuen Schulden erfordern mehr und mehr Zinsen, die wieder bei den Brötchen landen. Es gibt Schätzungen, wie hoch der Zinsanteil bei einem solchen Brötchen heute ist – sie beginnen bei 25%.

60% Wertverfall beim Euro seit dessen Einführung im Jahr 2002, 80% bis 90% Wertverfall der D-Mark von 1948 bis 2001. Nehmen wir den Goldpreis als Maßstab, auch wenn dieser massiv manipuliert wird, um den Wertverfall des Geldes zu kaschieren, dann hat unser Geld seit 1971 neun Zehntel seines Wertes verloren. Vereinfacht ausgedrückt, sind unsere Preise zehnmal höher als 1971. Das zeigt an, dass der Zinsanteil in unseren Waren bei 90% liegt. Gut, ich müsste von Zinsen und Schulden sprechen, aber wir reden hier von Sollzinsen. Schauen Sie mal in die Tabelle, die ich oben angeführt habe. Aus einer einzigen geliehenen Mark sind nach 50 Jahren 106,72 Mark geworden – der Zinsanteil beträgt über 99%.

Es sind Zahlenspiele, Abstraktionen der realen Welt. In der realen Welt fallen Schuldner aus, Forderungen müssen abgeschrieben werden. Uneinbringliche Schulden sind unauszahlbare Guthaben, das heißt, wenn die Schulden wegfallen, werden mit ihnen die Guthaben vernichtet. Das verringert den Zinsanteil wieder. Selbst ganze Heere von akribischen Buchhaltern wären nicht in der Lage, den exakten Zinsanteil eines einzigen Produktes zu ermitteln, weil die Zinsen in allen Posten enthalten sind, in allen Einzelteilen, in der aufgewendeten Arbeitskraft. In einem simplen Produkt wie einem Bleistift stecken die Zinsen des Frühstücksbrötchens der Arbeiter, die Zinsen des Lkw, der die Materialien anliefert, die Zinsen der Fabrikhalle, die Zinsen des Baggers, mit dem die Fundamente dieser Fabrikhalle ausgehoben wurden…

Zu Beginn des Pyramidenspiels sind die Fundamente, die “Armen” stark, weil die Umverteilung noch nicht begonnen hat. Reiche, Superreiche und Hochfinanz sind aus dem gleichen Grund noch nicht besonders reich, die Pyramide ist somit flach. Im Verlauf des Spiels werden die Fundamente mehr und mehr geschwächt, dafür wird die Pyramide steiler und steiler. Das geht solange, bis die Pyramide schließlich einstürzt. Die Baumeister im alten Ägypten haben das leidvoll erfahren. Schauen Sie ruhig mal unter “Knickpyramide” nach, wie damals das Problem gelöst worden ist.

Der Zusammenbruch der Zinspyramide steht unmittelbar bevor. Mögen es nun Monate oder tatsächlich Jahre sein, der Überschuss an Geld und Vermögen wird aufgelöst, indem sich beides gegenseitig vernichtet. Bei Stephen Hawking verschwinden die gegen poligen Teile im Schwarzen Loch, das auf diese Weise immer mehr an Substanz verliert, bis es schließlich explodiert. Das Ergebnis beider Bilder ist gleich: Bei der Pyramide werden die unteren Schichten zerdrückt und die Spitze stürzt in sich zusammen, beim Schwarzen Loch ist die Entwicklung einer explodierenden Atombombe vergleichbar. Die Atombombe ist im Maßstab zum Schwarzen Loch jedoch nicht mehr wie das Aufflackern eines Streichholzes gegenüber einer tatsächlichen Atombombe.

Zinsfreie Wirtschaft

Eine zinsfreie Wirtschaft ist denkbar, aber sie ist auch eine reichtumsfreie Wirtschaft. Wenn jemand gerade soviel besitzt, um sich und seine Familie komfortabel zu ernähren, fehlt ihm das Kapital, um einen Betrieb zu gründen. Er hat auch nicht soviel Gold und Geld herumliegen, das man ihn durch Zinsen dazu motivieren müsste, das Geld aus dem Sparschwein gegen Zinsen “arbeiten” zu lassen. Erst die Umverteilung, die Anhäufung des Reichtums in den Händen derer, die das Geld zuvor den Anderen abgenommen haben, schafft solche Vermögen. Und erst diese Vermögen schüren den Drang, sich durch weitere Ausbeutung ständig zu vermehren.

Zinsfrei kann nur ein wertstabiles Geld sein, denn wenn der Wert des Geldes verfällt, sind wir bei dem Bild der Kuh, die mit der Zeit an Wert verliert. Es gibt das “umlaufgesicherte” Geld, das an Wert verfällt. Es wird unter dem Begriff “Freigeld” als Lösung angepriesen. Dieses Geld hat eine eingebaute Inflation. Nach einem festgelegten Zeitpunkt verliert es fünf Prozent an Wert, deshalb ist es nicht sinnvoll, dieses Geld zu bunkern. So soll der Geldumlauf angekurbelt werden und damit die Wirtschaft aufblühen. Verfallendes Geld treibt die Menschen jedoch dazu, es schnellstens in nicht verfallende Werte umzuschichten. Verfallendes Papier in beständiges Gold – und schon ist die großartige Idee ausgehebelt.

Die Idee mit dem Verfallgeld haben wir in Deutschland schon mal bis ins Extrem ausprobiert: 1923 wurden die Löhne täglich ausgezahlt, die Frauen warteten vor den Werkstoren und stoben davon, um einzukaufen, solange das Geld noch einen gewissen Restwert behalten hatte. Wer damals zögerte, den bestrafte die Inflation. Der einzige Unterschied zwischen Freigeld und Hyperinflation besteht darin, dass dieses Freigeld seinen nominalen Wert behält. Wenn der “Januar-Schein” im Februar nur noch 50 “Geld” wert ist, muss man im Februar trotzdem 200 “Geld” in Januar-Scheinen hinlegen, auch wenn die Waren nur 100 “Geld” in Februar-Scheinen kostet.

Unverfallbares, wertstabiles Geld wäre beispielsweise Gold, die oben schon erwähnten Dukaten. Gehen wir davon aus, dass jeder mit gleich viel Geld anfängt – oder besser, mit gleich wenig. Damit würde niemand das Kapital haben, um eine Fabrik zu bauen. Der sozialistische Ansatz ist, diese Fabrik vom Staat bauen zu lassen und damit eine Art “Staatskapitalismus” einzuführen. Die Fabrik wäre ein volkseigener Betrieb. Wenn der Staat es anschließend fertig bringt, den Betrieb nicht von Parteifunktionären leiten zu lassen, sondern von Fachleuten, und wenn er den Gewinn nicht radikal abschöpft, sondern die Früchte der Arbeit denen belässt, die sie im Schweiße ihres Angesichts geschaffen haben, könnte das funktionieren.

Die andere Alternative wäre ähnlich einer Kommandit-Gesellschaft, eine Konstruktion, bei welcher der Staat als Komplementär auftritt und die Arbeiter Kommanditisten sind. Je länger jemand bei einer Firma arbeitet, um so höher ist seine Kommandit-Einlage. Im Ruhestand wird diese Anlage wieder schrittweise aufgelöst, ersetzt somit die betriebliche Rente.

Diese Ansätze beschreiben Möglichkeiten, sie regeln nur leider nicht den wichtigsten Punkt: die menschliche Gier. Hätte man den alten Rothschild für seinen Betrug aufgehängt und das ergaunerte Geld zurück verteilt, wir würden heute in einer ganz anderen Welt leben. Statt dessen beugten sich alle der so entstandenen Geldmacht. Die Geldmacht hat heute die Weltherrschaft erlangt, ein sicheres Zeichen für den Niedergang einer Gesellschaft. Der Kaiserthron im alten Rom wurde erschachert, der Platz im Weißen Haus in Washington ebenso. Genügend Geld spült die Volksvertreter in die Parlamente, Geld hievt seine Strohpuppen auf die Fernsehschirme, Geld bestimmt die Nachrichten.

Mach Geld! Mach mehr Geld! Mach noch mehr Geld! – So lautet ein Motto der “Scientology Church”. Dieser Spruch könnte genauso an jeder wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät stehen oder in jedem internen Besprechungszimmer einer Bank hängen. Wer das Können besitzt, eigene Dinge aufzubauen, tut das. Wer dieses Können nicht besitzt, kann sich nur erheben, indem er die Bauten der Anderen niederreißt. Der wortgewandte Vertreter, der seinen Opfern Geld für überteuerte und untaugliche Produkte abschwatzt, wird sogar in einer zinsfreien Gesellschaft sein Unwesen fortsetzen. Das Geld der katholischen Fugger hat ebensolches Unglück gestiftet, wie das Geld der jüdischen Rothschilds. Das Verbot des Zinsnehmens steht in der Tora, in der Bibel und im Koran – trotzdem haben Juden, Christen und Muslime ihre Mitmenschen ausgebeutet und Zinsvermögen angehäuft.

Weder Religion noch Ethik haben die Ausbeutung anderer Menschen verhindert. Zinsknechtschaft und Sklavenhaltung, die inneren, niederen Triebe der Menschen haben die Mitmenschen zu allen Zeiten unterworfen. Solange der eine Mensch des anderen Wolf ist, brauchen wir auf eine zinsfreie Wirtschaft nicht zu hoffen.

© Michael Winkler

Deutschland Stand 2009

Das Video fasst gut zusammen, wo wir gerade stehen und stellt ein paar Zusammenhänge her.

Link zur Youtube-Seite

Organisierte Kriminalität

»Was ist der Überfall auf eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.« Bertold Brecht Bei organisiertem Verbrechen assoziiert man landläufig als erstes die Mafia. Viele Leute können sich soetwas wie “white-collar-criminals” schlecht vorstellen und die Milde die unsere Gerichte bei der Beurteilung von Wirtschaftskriminellen an den Tag legen, befördert den Erkenntnisfortschritt auch nicht gerade.  Dementsprechend fällt es schwer, irgendwelche Manger oder Bankvorstände mit so häßlichen Dingen wie Veruntreuung,  Betrug oder Raub in Verbindung zu bringen. Irgendwie wollen die guten Tischmanieren, das erlesene Tuch, das sie tragen nicht zu schnöden “Kapitalverbrechen” passen. Dabei handelt es sich bei dem was gerade hier abläuft um den wahrscheinlich größten Raubzug aller Zeiten, der jemals an der Allgemeinheit verübt wurde. Banken haben im großen Stil Kunden und Anleger betrogen und lassen sie auch noch durch Rettungsmassnahmen und Garantien gleich doppelt dafür zahlen.  Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Das ist ungefähr so, als würde man Wegelagerern,  die vom Ausrauben der Vorbeifahrenden leben und nun in Not geraten sind, Geld geben, damit sie auch weiterhin ihrem Treiben nachgehen können und nicht in die Verlegenheit kommen es mit ehrlicher Arbeit versuchen zu müssen.  Natürlich ist das übertrieben, denn in Wahrheit ist ja mit der Allimentierung eine Auflage verbunden. Im Rahmen einer Selbstverpflichtung erklären sich die Räuber bereit,  in Zukunft gelegentlich auch mal Nachsicht zu üben und nicht mehr alle komplett auszurauben,  sondern den ein oder anderen Groschen den Opfern zu belassen. Das ist ungefähr der Nenner, auf den sich die Geschichte, die in den drei verlinkten Artikeln bringen lässtt. Sie enthalten nicht wirklich viel Neues, sind aber sehr gut und verständlich geschrieben, so dass auch der Laie versteht in welchen Dimensionen hier beschissen wird und dass die Finanzmärkte ein Naturreservat für Betrüger, Hasardeure und Abzocker sind. Hier sind Geschätspraktiken erlaubt, die von so ziemlich allen AGBs, die man  aus der Realwirtschaft ḱennt, augeschlossen werden. Falls noch Infobedarf bei einzelnen Begriffen besteht : http://www.erlkoenig-blog.de?s=marketplace http://www.t-blog.de/blog/systemische-erpressung http://www.t-blog.de/blog/aus-dem-gleichgewicht http://www.t-blog.de/blog/aus-dem-gleichgewicht-ii-1 http://www.t-blog.de/blog/aus-dem-gleichgewicht-iii

Heinrich Heine: Die Weber

Heinrich Heine

Die schlesischen Weber

Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
“Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Götzen, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!”

(1844)

Heinrich Heine schrieb dies anlässlich des schlesischen Weberaufstands 1844

Soziale Unruhen entstehen, weil jemand sagt, es könnte dazu kommen -das glauben zumindest einige,  die dem Gesinchen von der SPD, die unseren Bundeshorst so gerne ablösen möchte, am Zeug flicken wollen. Ruhe ist oberste Bürgerpflicht.  Zwar bricht gerade die Traumwelt des Finanzkapitalismus auseinander und die daraus resultierende Wirtschaftskrise reisst die Unternehmen zu tausenden ins Verderben, nicht ohne dabei abertausende von Jobs zu vernichten , doch jetzt ist nicht der Moment, um nach Ursachen zu fragen,  sondern alle müssen zusammenstehen  um die Krise zu meistern. Gut, einige müssten sich dazu erst aus ihren Sesseln erheben und können sich auch nicht allzulange am Zusammenstehen beteiligen, weil sie Termine beim Vermögensberater haben, um die aktuellen Steuerfluchtmöglichkeiten zu erörten, da doch jetzt ein paar der hundert Steuerparadise fallen sollen.

Wenn Politiker an den Gemeinsinn appellieren geht’s meistens darum dafür zu sorgen, dass keine Fragen gestellt werden und die Allgemeinheit die Zeche zahlt. Im guten Glauben opfert es sich leichter, wer will da schon wissen wem eigentlich geholfen wird.  Jetzt ist wirklich nicht die Zeit, um über die Ungleichheit der Vermögensverteilung und leistungslose Einkommen zu sprechen. Wichtig ist vielmehr Steuerentlastungen für die die noch haben, damit das Spielgeld in den Casinos dieser Welt nicht ausgeht. Die anderen haben ja ihre Solidarität und HartzIV hält sie vom Verhungern ab. (weiterlesen…)

SZ – Interview mit Margret Kennedy

Diese  Krise ist ja auch eine gute Gelegenenheit, was dazu zu  lernen. Ich zweifle aber,  dass die SZ’ler diese Gelegenheit nutzen wollen, zumindest deutet ihre dummdreiste Fragerei eher auf Ignoranz als auf Neugier.

Frau Kennedy lässt sich aber nicht irritieren und weist auf ein paar wichtige Dinge zum Geldsystemhin:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/

Kennedy: Was mich wütend macht, ist, dass es eigentlich so einfach zu verstehen ist: Das exponentielle Wachstum, das durch unser Geldsystem angeheizt wird, ist auf Dauer nicht durchzuhalten auf einem endlichen Planeten. Das kann man jedem einigermaßen intelligenten Menschen mit Volksschulabschluss in fünf bis zehn Minuten erklären.
SZ: Dann versuchen Sie es doch bitte mal in wenigen Sätzen.

Kennedy: Es ist schlicht und einfach so, dass heute nichts finanziert werden kann, was nicht mindestens den Zins erwirtschaftet, den man bei der Bank zahlt, um einen Kredit aufzunehmen. Es geht immer um Zins und Zinseszins.

SZ: Was ist denn so schlimm daran?

Kennedy: Vermögen verdoppeln sich in regelmäßigen Abständen und wachsen in kurzer Zeit in astronomische Bereiche. Damit kann kein Wachstum in der Natur mithalten – außer dem Krebs. Wir haben ein System, dessen Hauptziel es ist, mehr Geld aus Geld zu machen. Die internationalen Finanzmärkte sind darauf ausgerichtet, das exponentielle Wachstum über spekulative Transaktionen für einige wenige zu nutzen. Die große Menge der Menschen zahlt drauf.