We feed the World

Die Schweiz gehört zu den reichsten Ländern der Welt, so stellt Jean Ziegler fest, importiert aber mangels ausreichenden inländischen Angebots den größten Teil des Getreides aus Indien. Indien aber hat etwa 200 Mio. schwer unterernährte Einwohner.

Ein Landwirt aus Österreich muss heute das sechfache an Fläche bewirtschaften, um einen vergleichbaren Lebensstandard wie sein Vater halten zu können, trotz allen Produktivitätsfortschritten.

Diese und eine Reihe anderer Merkwürdigkeiten der industriellen Nahrungsmittelproduktion thematisiert der  Film “We feed the World”.

Jean Ziegler:Das tägliche Massaker des Hungers

Ziegler, ein profilierter Kämper für eine gerechte Wirtschaftordnung in einer Rede am 30.11.08 in Wien:

Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind auf diesem Planeten. Jeden Tag sterben 100.000 Menschen am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen. 923 Millionen Menschen – einer auf sechzehn, denn wir sind heute 6,3 Milliarden auf der Welt – sind permanent schwerstens unterernährt. Sie sind invalide durch permanente schwerste Unterernährung! (Zahlen aus dem World Food Report 2007, veröffentlicht im April 2008). Und derselbe World Food Report sagt, dass die Weltlandwirtschaft in der heutigen Entwicklungsphase ihrer Produktionskräfte, ohne genetisch veränderte Nahrung, 12 Milliarden Menschen normal ernähren könnte (d.h. mit 2.700 Kilokalorien pro erwachsenem Individuum und Tag). Wir sind 6,3 Milliarden! Praktisch die doppelte Zahl der Menschen könnte normal ernährt werden. Es gibt also keine Fatalität.
Die Folge der industriellen, technologischen, elektronischen Revolution hat die Produktionskräfte der Menschheit unglaublich gesteigert. Heute ist der objektive Mangel besiegt und die Fatalität eliminiert. Ein Kind, das heute am Hunger stirbt, wird ermordet.

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locale Kopie
Das unsere Witschafts und Handelstruktur zu Hunger und Tod führt ist eigentlich nichts Neues und erinnert uns daran, dass wir schon aus moralischen Gründen das jetzige System überwinden müssen. Der unstillbarer Hunger nach Ressourcen, dass ein System, dass darauf basiert, möglicht viele Rohstoffe zu Müll und Dreck zu verarbeiten, also zu ver-brauchen, wird uns ganz sachliche Gründe aufzwingen, es zu verändern.

Die dazu passende Diagnose der “Erkrankung”

Jean Ziegler

Nahrungsmittelpreise

Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind

Die Subventionen der U fabrizieren den Hunger in Afrika, der Zynismus der Kommissare in Brüssel ist bodenlos. Eine solche Weltordnung muss radikal bekämpft werden, meint Jean Zieglerhref

URL: http://www.tagesspiegel.de/ Jean Ziegler
27.4.2008 0:00 Uhr

Es war eine stockfinstere, mondlose Nacht. Der Wind fegte mit mehr als hundert Stundenkilometern über das Meer. Er peitschte zehn Meter hohe Wellen hoch, die mit einem schrecklichen Tosen auf das leichte Boot herabstürzten. Es war vor zehn Tagen von einer kleinen Bucht an der mauretanischen Küste aufgebrochen, an Bord 101 afrikanische Flüchtlinge. Wie durch ein Wunder warf der Sturm das Boot gegen ein Riff am Strand von El Médano, einer kleinen Insel im Archipel der Kanarischen Inseln. Im Boot fand die spanische Guardia Civil unter den verstörten Überlebenden die Leichen von einer Frau und drei Jugendlichen, die an Hunger und Durst gestorben waren.

Zur selben Zeit spielte sich, diesmal im Mittelmeer, ein anderes Drama ab: 150 Kilometer südlich von Malta entdeckte ein Beobachtungsflugzeug der Organisation Frontex ein mit 53 Personen stark überladenes Schlauchboot, das – wahrscheinlich aufgrund einer Motorpanne – auf den Wellen dahintrieb. Die Kameras des Flugzeugs konnten an Bord Frauen und Kleinkinder ausmachen. Der Pilot informierte sofort die maltesischen Behörden. Diese weigerten sich einzugreifen unter dem Vorwand, dass sich die Flüchtlinge in einer „libyschen Such- und Rettungszone“ befanden. Laura Boldini, die Vertreterin des Hochkommissariats für Flüchtlinge der Vereinten Nationen in La Valetta, intervenierte und bat die Malteser, ein Schiff zur Rettung der in Seenot geratenen Menschen auszusenden. Es war nichts zu machen. Europa rührte keinen Finger. Man verlor jede Spur von den Flüchtlingen. (weiterlesen…)