Stimmung bleibt mau

Seit der Konferenz im Januar in London -man erinnert sich, unser Guido für’s Aüßerste wollte erst gar nicht hin- haben wir ja, das erste Mal seit acht Jahren eine Strategie. Seitdem sind unsere Truppen in der Lage, mit noch mehr Nachdruck die Köpfe und Herzen der Afghanen zu gewinnen. Zwar haben wir das in der Vergangenheit auch schon gemacht, aber leider dabei viele Unbeteiligte zu Tode befreit, weil sie just in dem Moment Hochzeitsfeiern abhalten musste, als unsere Bomben runter kamen. Jetzt geben wir vorher Bescheid und uns alle Mühe.

Vor der jüngsten Offensive wurden daher großflächig Flugblätter abgeworfen, auf denen stand, das wir sie ausrotten kommen und jeder, der da nicht mitmachen will, soll doch sein Haus verlassen und solange irgendwo in Ruhe Urlaub machen.

Trotzdem kann es mal vorkommen, dass die Zivilisten schneller sterben als sie Talban werden können, was schon sehr ärgerlich ist, weil die Metamorphose vom toten Afghanen zum eliminierten Talibankämpfer im Großen und Ganzen ganz ordentlich funktioniert. Ein Problem bleiben natürlich Frauen, Kinder und Männer in Polizeiuniformen.

Auch von uns sterben welche, trotzdem will keine rechte Dankbarkeit bei den Afghanen aufkommen. Nicht mal dann, wenn wir uns gezielt dem Einzelnen widmen und viele Jahre darauf verwenden, mit ihm zu reden und von den Vorzügen der Freiheit und der Demokratie zu überzeugen, will keine rechte Freude bei den Befeiten und den noch zu Befreienden aufkommen.

Doch wir können natürlich nicht einfach aus Afghanistan abhauen, denn unsere neue Entwicklungsstrategie sieht vor, das kein Brunnen mehr gebohrt wird bevor nicht die Armee da ist, um ihn zu beschützen. Wer unsere Hilfe will bekommt die Besatzung als Dreingabe und Entwicklungsminister Niebel ersetzt demnach ganz folgerichtig den Führungsstab seines Minbisteriums durch seine alten Kumpel aus der Bundeswehr. Schließlich ist Entwicklungshilfe bei Niebel nur die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.

Undank ist der Welt Lohn sagt man und wir werden wohl damit leben müssen, dass wir aus unerfindlichen Gründen nicht so geliebt werden, wie es uns eigentlich zusteht. Ein kleiner Trost hingegen bleibt uns: Wir sind nicht allein. Die Amerikaner, die sich seit Jahrzehnten weltweit für Freiheit und Menschenrechte einsetzen, kennen das Gefühl.

Nachtrag: Unter weiter von Erfolg zu Erfolg

Ohne Worte

Doppelverdiener

Die Bundesregierung will jetzt 50 Millionen in ein Ausstiegsprogramm für Talibankrieger stecken. Das ist natürlich sehr verlockend für jemanden, dessen Einkommensmöglichkeit in einem von dreißig Jahren Bürgerkrieg ruinierten Land eher begrenzt sind. Natürlich muss er aufpassen, denn Taliban wird man in Afghanistan am zuverlässigsten dadurch, dass man von den Besatzungstruppen ermordet wird. Bekanntermaßen wird ja jeder Getötete spätestens im Augenblick seines Todes erst einmal zum Talibankrieger, jedenfalls solange nicht das Gegenteil bewiesen ist. Dies Verfahren hat sich bewährt und führte zu einem deutlichen Rückgang an zivilen Opfern. Zwar vermag Propaganda vieles, aber bis dato ist es noch nicht gelungen, uns Frauen, Alte und Kinder, wie im Falle des Kundus-Bombardements als Taliban zu verkaufen.

Da wir ja Afghanistan zu Freiheit und Demokratie, wie wir uns das so vorstellen verhelfen wollen und wir wissen, dass die Käuflichkeit von Überzeugungen elementarer Bestandteil der Demokratie sind, ist es natürlich sehr nahe liegend, Afghanen, die sich zwischendurch einige Wochen den Aufständischen, die versuchen die Besatzer los zu werden, anschließen,  dafür zu bezahlen, dass sie dies in Zukunft  nicht mehr tun.

Für die gebeutelten Afghanen, deren Land und Wirtschaft ohnehin völlig hinüber ist tut sich hier eventuell die Möglichkeit auf, ihre Einkommensaussichten dramatisch zu verbessern und sich nicht nur zeitweilig von den Taliban, sondern auch von den Besatzern bezahlen zu lassen. Wer würde es ihnen verdenken.

Öffentliches Urinieren

Eigentlich darf man, wie die Mehrheit der Deutschen,  ja getrost gegen den Krieg in Afghanistan sein, weil es die, die ihn  führen, ohnehin nicht interessiert, was die Bürger von alldem halten und sie stattdessen mit Lügen und Propaganda füttern,  immer neuen Angaben darüber, was wer wann gewusst zu haben glaubt und wer denn wohl wen nicht oder zum falschen Zeitpunkt informiert haben soll.

Die Einzige, die nicht gegen den Krieg sein darf ist die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Hannoveraner Landesbischöfin Margot Käßmann. Offenbar wird die Heimatfront nervös und alle stürzen sich mit Feuereifer auf die Bischöfin, die es gewagt hatte,  die Legitimität des Krieges anzuzweifeln. (weiterlesen…)

Nächster Akt

Na endlich! Wie neulich schon vorhergesagt haben wir mal wieder einen Al-Khaida Führer umgebracht -diesmal im Jemen.

Offensive gegen Islamisten

Die Regierungstruppen hatten im vergangenen August eine Militäroffensive begonnen, um die Rebellen zu entwaffnen, denen sie Kontakte zum Iran nachsagt. Aufgeschreckt durch internationale Kritik an ihrer wenig erfolgreichen Strategie im Kampf gegen Al- Kaida verstärkt die jemenitische Regierung zudem ihre Razzien gegen militante Islamisten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Saba meldete, die Polizei habe während einer nächtlichen Razzia in der südöstlichen Provinz Schabwa den Kommandeur einer lokalen Zelle des Terrornetzwerks, Abdullah al-Mehdar, getötet. Die Beamten hätten erst das Haus von Al-Mehdar im Majfaah-Bezirk umstellt. Anschließend kam es zu einem Gefecht, bei dem nach jemenitischen Medienberichten vier Menschen verletzt und vier Verdächtige festgenommen wurden.

Sieh einer an -bei den Rebellen handelt es sich um Al-Khaida Terroristen die zu allem Überfluss auch noch Kontakt zum Iran haben sollen. Wusste ich’s doch: Iran gehört zur Achse des Bösen und sie ünterstützen Al-Khaida. Schlimm genug, dass sie schon so gut wie Atombomben haben,  so wie es jetzt aussieht wird dann auch wohl bald auch Al-Khaida über Atombomben verfügen. Oh Gott oh Gott!

Unterdessen wird der Plot um den Doppelagenten, der sich neulich mit einigen CIA in die Luft sprengte noch um einige Facetten reicher . Da es ja nicht sein kann, dass die cleveren Jungs von der CIA auf einen 08/15 Doppelagenten reinfallen wird noch rasch noch seine Legende erweitert und man vermutet mittlerweile,  dass er auch an den Anschlägen von Madrid beteiligt war.

Er war also wahrscheinlich kein normaler Doppelagent, sondern schon eher so einer aus der super-duper-doppelnull-Kategorie. Beeindruckend.

Wenn ich bedenke, was uns dieser ganze Propagandamüll und die Folgen, die er hat, uns materiellund immateriell kostet, weil so viele Leute die ganzen Räuberpistolen ernst nehmen, könnte ich  kotzen.

Schlappe für die Schlapphüte

Der Attentäter von neulich, der wie man jetzt berichtet ein Doppelagent war hat sich dadurch verdient gemacht, dass er wichtige Informationen über Al-Khaida geliefert hat heißt es bei SPON:

Den Berichten zufolge hatte Balawi zuvor mehrfach Hinweise auf Qaida-Mitglieder geliefert und so Drohnen-Angriffe der USA ermöglicht. Auf diese Weise habe er sich Glaubwürdigkeit erarbeitet, heißt es.

Mich würde ja mal interessieren, was die Amis da denn wohl mit ihren Drohnen getroffen haben ? Terroristen wohl eher nicht.

Der Artikel erzählt eine Geschichte, wie man sie sonst nur aus B-Movies kennt:

Arzt wird in Jordanien von Sicherheitsbehörden wegen Terrorverdacht verhaftet. Nach drei Tagen sind er und die  Typen, die ihn eingelocht haben,  so dicke Freunde, dass er sofort seinen Job als Arzt aufgibt um als Spion für den CIA nach Afghanistan zu gehen. Dort macht er Karriere beim CIA und liefert Informationen, die den Amis helfen, mittels Drohnen Ziele anzugreifen. Alle sind glücklich, bis der Spion beschließt, dass er jetzt seiner eigentlichen Bestimmung nachkommen sollte, die darin besteht, sich mit ein paar Ungläubigen in die Luft zu sprengen.

Ganz großes Kino

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Déjà-vu

Robert Fisk hat in seinem Leben als Berichterstatter viel gesehen und das was sich derzeit in Afghanistan abspielt kommt ihm seltsam bekannt vor.

Vor dreissig Jahren marschierte die Sowjetarmee in Afghanistan ein. Die Besetzung dauerte zehn Jahre – der Versuch, eine säkulare Regierung zu etablieren, scheiterte. Nun wiederholt sich die Geschichte.

Glück gehabt

Erst jetzt, wo wir wissen, das der Typ, der da neulich seine Unterhose im Flugzeug abfackelte im Jemen war, das jetzt deswegen bombardiert werden muss, wird uns bewust, was für ein Glück wir seinerzeit hatten, dass die Amerikaner grad keine Kriegsschiffe vor Helgoland geparkt hatten. Schließlich hatten sich Atta und ein paar seiner Kumpels in Hamburg aufgehalten. Da kann man sich schon schnell mal ein paar Maschflugkörper einfangen.

Jedenfalls sind zur Zeit reichlich viele Irre unterwegs, die alle möglichen  Leute -vom Karrikaturisten bis zur Außenministerin-  umbringen wollen. Ich geb’ einen Typ ab und wir töten in den nächsten Tagen wieder eine rechte oder linke Hand von Osama bin Laden oder einen anderen “führenden Kopf” von Al Khaida.