Posts tagged ‘Imperialismus’

Verneigen wir uns vor dem Mut und der Tapferkeit

Was wir in Afghanistan machen und das -wenn man es umgangssprachlich beschreiben wollte, für Krieg gehalten werden könnte- nötigt uns den höchsten Respekt ab und wenn man als Soldat das Glück hat, zum richtigen Zeitpunkt umzukommen und die Bildzeitung meint, es wäre mal ein wenig Heimatfrontpflege nötig, kommt sogar die mächtigste Frau der Welt und bringt ihren schneidigen Kriegsminister mit. So gibt’s denn Orden und jede Menge warme Worte von der Prominenz für die “Gefallenen”.

Die letzten Toten wurden erneut Opfer “eines feigen und hinterhältigen Anschlags” , wie sie von den Terroristen/Aufständischen/Taliban immer wieder verübt werden.

Ganz anders dagegen unser Vorgehen: Da trauen sich mitten in der Nacht -bei völliger Dunkelheit also- ein Trupp amerikanischer Soldaten in ein fremdes Haus und müssen wegen der nächtlichen Stille ständig damit rechnen, gehört zu werden und auf zu fliegen. Trotz dieses enormen Risikos ist es dem Mut und der Tapferkeit der Soldaten sei Dank gelungen, acht Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18 Jahren im Schlaf zu erschießen. Offenbar benutzten sie Schalldämpfer, denn Schüsse wurden nicht gehört.

It was dark when Mohammed Taleb Abdul Ajan woke to the sound of dogs barking. Then he heard boots crunching on gravel and men’s voices outside his bedroom. “Their guns killed without a sound,” he said. By dawn three of Taleb’s sons, two of his brothers, three nephews, a shepherd boy staying with them and a neighbour were dead.

All the victims were aged 12 to 18. Eight of them were enrolled in the local school. Most were shot at close range where they slept but one was dragged from the bed that he shared with his wife and killed with his nephews in a different room, Taleb said.

Wir und unsere Soldaten können stolz sein, an der Seite unserer mutigen amerikanischen Freunde zu kämpfen und weiter frohen Mutes sein, die Köpfe und Herzen der Afghanischen Bevölkerung zu gewinnen. Freilich sollte einer den Eltern der Kinder erklären, wie sich das so verhält mit unserer Freiheit, die am Hindukusch verteidigt werden muss, dem Benzinpreis, der nicht weiter steigen darf, den Gewinnen von systemrelevanten Banken und Rüstungskonzernen. Vielleicht kann der flotte Baron das übernehmen…

Nicht umsonst gestorben

Die Menschen taten sich schon immer schwer mit dem Gedanken, dass sie, wenn sie bei Nacht und klarem Himmel in die Sterne blicken, etwas vor sich haben, dass kalt, sehr viel größer als sie selbst und aller wahrscheinlich dem Menschen gegenüber vollkommen gleichgültig ist. Wie viel angenehmer wird doch der Anblick, wenn man vom Himmelszelt redet und davon ausgeht, es gäbe da einen Gott, der die Pflöcke, die das glitzernde Dach über dem Horizont in Position halten, höchst persönlich eingeschlagen hat.

Für Menschen, denen der Sinn für solche Art existenzieller Poesie fehlt, weil sie einen zu nüchternen Blick auf die Dinge haben, ist das alles Brimborium. Die Mehrheit der Menschen aber mag Brimborium, weil es ihnen hilft, mit der Realität, mit all der Sinnlosigkeit, der Ungerechtigkeit und dem Missbrauch, den man mit ihnen treibt, zurecht zu kommen.

Kürzlich sind drei Soldaten in Afghanistan umgekommen, in einem Krieg, der auf Grund juristischer Spitzfindigkeiten keiner sein darf  und aktuell gerade mal zum umgangssprachlichen Krieg aufgestiegen ist, nachdem es eine Weile so aussah, als würde er es nicht weiter als bis zum kriegsähnlichen Zustand bringen. Doch jetzt haben wir fast so etwas wie Krieg und wir können endlich, wie Springer’s Bildzeitung befiehlt, das große Brimborium abhalten, um das Geschehen und dessen unausweichliche Folgeerscheinungen -das Sterben der Soldaten- angemessen zu würdigen. Ganz viele Kameras waren da und nicht nur der adelige Verteidigungsminister, sondern auch  die Kanzlerin gaben sich die Ehre und verteilten warme Worte, dass es nur so eine Freude war. Brimborium halt.

Kaum zu glauben, dass nun die Würmer die drei Soldaten fressen werden, genau wie die die 36 anderen. die ihnen vorausgegangen sind. Ihr Tod ist beliebig, wie in jedem Krieg, denn die Kriegsmaschinerie, der sie dienten, ist den Menschen gegenüber nicht minder gleichgültig wie das kalte, endlose  Universum. Alles andere ist eine Lüge und die pompösen Trauerfeiern ehren nicht die Toten, sondern feiern den Krieg, dem Götzen, dem man zu allen Zeiten bedenkenlos ungezählte junge Leben zu opfern bereit war.

Man muss gar nicht mal die Frage aufwerfen, ob denn nun der Krieg in Afghanistan gerecht und sinnvoll ist oder nicht. Im Gegenteil, das lenkt nur von der Tatsache ab, was Krieg bedeutet: sinnloses massenhaftes Abschlachten von Menschen, das erst ihr Ende findet, wenn einer Seite  die Waffen oder die Soldaten ausgehen. Das ist im Grunde dermaßen bescheuert, dass es eigentlich nicht so recht einzusehen ist, warum Kriege immer noch eine Option der Politik und nicht längst geächtet ist.

Trauerfeiern wie die der vergangene Woche dienen allein dem Zweck, dass sinnlose Sterben zu beschönigen und den Missbrauch von jungen Menschen zu verschleiern, denen man, wie allen anderen, einzureden versucht, sie kämpften für eine gerechte Sache und nicht etwa für den Profit von Banken und Konzernen. All die zur Schau gestellte Anteilnahme kann das zynische Kalkül der Krieg führenden nicht übertünchen, die längst entschieden hatten, dass das Leben der drei Soldaten weniger Wert ist als ihre Interessen in der Region. Das Leben der Soldaten ist ihnen egal und diese Gleichgültigkeit schafft auch keine noch so salbungsvolle Rede aus der Welt. Auch den Angehörigen wird wahrscheinlich irgendwann aufgehen, dass der Tod nicht dadurch besser wird, dass sich ein paar Reiche und Mächtige von Amts wegen für ihn bedanken.

Vor den Trauerfeiern waren etwa 80% der Bevölkerung gegen den Krieg in Afghanistan. Sollten die Umfragewerte allerdings mittlerweile ein wenig besser sein, wären die drei Soldaten in der Tat nicht umsonst gestorben.

Stimmung bleibt mau

Seit der Konferenz im Januar in London -man erinnert sich, unser Guido für’s Aüßerste wollte erst gar nicht hin- haben wir ja, das erste Mal seit acht Jahren eine Strategie. Seitdem sind unsere Truppen in der Lage, mit noch mehr Nachdruck die Köpfe und Herzen der Afghanen zu gewinnen. Zwar haben wir das in der Vergangenheit auch schon gemacht, aber leider dabei viele Unbeteiligte zu Tode befreit, weil sie just in dem Moment Hochzeitsfeiern abhalten musste, als unsere Bomben runter kamen. Jetzt geben wir vorher Bescheid und uns alle Mühe.

Vor der jüngsten Offensive wurden daher großflächig Flugblätter abgeworfen, auf denen stand, das wir sie ausrotten kommen und jeder, der da nicht mitmachen will, soll doch sein Haus verlassen und solange irgendwo in Ruhe Urlaub machen.

Trotzdem kann es mal vorkommen, dass die Zivilisten schneller sterben als sie Talban werden können, was schon sehr ärgerlich ist, weil die Metamorphose vom toten Afghanen zum eliminierten Talibankämpfer im Großen und Ganzen ganz ordentlich funktioniert. Ein Problem bleiben natürlich Frauen, Kinder und Männer in Polizeiuniformen.

Auch von uns sterben welche, trotzdem will keine rechte Dankbarkeit bei den Afghanen aufkommen. Nicht mal dann, wenn wir uns gezielt dem Einzelnen widmen und viele Jahre darauf verwenden, mit ihm zu reden und von den Vorzügen der Freiheit und der Demokratie zu überzeugen, will keine rechte Freude bei den Befeiten und den noch zu Befreienden aufkommen.

Doch wir können natürlich nicht einfach aus Afghanistan abhauen, denn unsere neue Entwicklungsstrategie sieht vor, das kein Brunnen mehr gebohrt wird bevor nicht die Armee da ist, um ihn zu beschützen. Wer unsere Hilfe will bekommt die Besatzung als Dreingabe und Entwicklungsminister Niebel ersetzt demnach ganz folgerichtig den Führungsstab seines Minbisteriums durch seine alten Kumpel aus der Bundeswehr. Schließlich ist Entwicklungshilfe bei Niebel nur die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.

Undank ist der Welt Lohn sagt man und wir werden wohl damit leben müssen, dass wir aus unerfindlichen Gründen nicht so geliebt werden, wie es uns eigentlich zusteht. Ein kleiner Trost hingegen bleibt uns: Wir sind nicht allein. Die Amerikaner, die sich seit Jahrzehnten weltweit für Freiheit und Menschenrechte einsetzen, kennen das Gefühl.

Nachtrag: Unter weiter von Erfolg zu Erfolg

Ohne Worte

Doppelverdiener

Die Bundesregierung will jetzt 50 Millionen in ein Ausstiegsprogramm für Talibankrieger stecken. Das ist natürlich sehr verlockend für jemanden, dessen Einkommensmöglichkeit in einem von dreißig Jahren Bürgerkrieg ruinierten Land eher begrenzt sind. Natürlich muss er aufpassen, denn Taliban wird man in Afghanistan am zuverlässigsten dadurch, dass man von den Besatzungstruppen ermordet wird. Bekanntermaßen wird ja jeder Getötete spätestens im Augenblick seines Todes erst einmal zum Talibankrieger, jedenfalls solange nicht das Gegenteil bewiesen ist. Dies Verfahren hat sich bewährt und führte zu einem deutlichen Rückgang an zivilen Opfern. Zwar vermag Propaganda vieles, aber bis dato ist es noch nicht gelungen, uns Frauen, Alte und Kinder, wie im Falle des Kundus-Bombardements als Taliban zu verkaufen.

Da wir ja Afghanistan zu Freiheit und Demokratie, wie wir uns das so vorstellen verhelfen wollen und wir wissen, dass die Käuflichkeit von Überzeugungen elementarer Bestandteil der Demokratie sind, ist es natürlich sehr nahe liegend, Afghanen, die sich zwischendurch einige Wochen den Aufständischen, die versuchen die Besatzer los zu werden, anschließen,  dafür zu bezahlen, dass sie dies in Zukunft  nicht mehr tun.

Für die gebeutelten Afghanen, deren Land und Wirtschaft ohnehin völlig hinüber ist tut sich hier eventuell die Möglichkeit auf, ihre Einkommensaussichten dramatisch zu verbessern und sich nicht nur zeitweilig von den Taliban, sondern auch von den Besatzern bezahlen zu lassen. Wer würde es ihnen verdenken.

Öffentliches Urinieren

Eigentlich darf man, wie die Mehrheit der Deutschen,  ja getrost gegen den Krieg in Afghanistan sein, weil es die, die ihn  führen, ohnehin nicht interessiert, was die Bürger von alldem halten und sie stattdessen mit Lügen und Propaganda füttern,  immer neuen Angaben darüber, was wer wann gewusst zu haben glaubt und wer denn wohl wen nicht oder zum falschen Zeitpunkt informiert haben soll.

Die Einzige, die nicht gegen den Krieg sein darf ist die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Hannoveraner Landesbischöfin Margot Käßmann. Offenbar wird die Heimatfront nervös und alle stürzen sich mit Feuereifer auf die Bischöfin, die es gewagt hatte,  die Legitimität des Krieges anzuzweifeln. Continue reading ‘Öffentliches Urinieren’ »

Nächster Akt

Na endlich! Wie neulich schon vorhergesagt haben wir mal wieder einen Al-Khaida Führer umgebracht -diesmal im Jemen.

Offensive gegen Islamisten

Die Regierungstruppen hatten im vergangenen August eine Militäroffensive begonnen, um die Rebellen zu entwaffnen, denen sie Kontakte zum Iran nachsagt. Aufgeschreckt durch internationale Kritik an ihrer wenig erfolgreichen Strategie im Kampf gegen Al- Kaida verstärkt die jemenitische Regierung zudem ihre Razzien gegen militante Islamisten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Saba meldete, die Polizei habe während einer nächtlichen Razzia in der südöstlichen Provinz Schabwa den Kommandeur einer lokalen Zelle des Terrornetzwerks, Abdullah al-Mehdar, getötet. Die Beamten hätten erst das Haus von Al-Mehdar im Majfaah-Bezirk umstellt. Anschließend kam es zu einem Gefecht, bei dem nach jemenitischen Medienberichten vier Menschen verletzt und vier Verdächtige festgenommen wurden.

Sieh einer an -bei den Rebellen handelt es sich um Al-Khaida Terroristen die zu allem Überfluss auch noch Kontakt zum Iran haben sollen. Wusste ich’s doch: Iran gehört zur Achse des Bösen und sie ünterstützen Al-Khaida. Schlimm genug, dass sie schon so gut wie Atombomben haben,  so wie es jetzt aussieht wird dann auch wohl bald auch Al-Khaida über Atombomben verfügen. Oh Gott oh Gott!

Unterdessen wird der Plot um den Doppelagenten, der sich neulich mit einigen CIA in die Luft sprengte noch um einige Facetten reicher . Da es ja nicht sein kann, dass die cleveren Jungs von der CIA auf einen 08/15 Doppelagenten reinfallen wird noch rasch noch seine Legende erweitert und man vermutet mittlerweile,  dass er auch an den Anschlägen von Madrid beteiligt war.

Er war also wahrscheinlich kein normaler Doppelagent, sondern schon eher so einer aus der super-duper-doppelnull-Kategorie. Beeindruckend.

Wenn ich bedenke, was uns dieser ganze Propagandamüll und die Folgen, die er hat, uns materiellund immateriell kostet, weil so viele Leute die ganzen Räuberpistolen ernst nehmen, könnte ich  kotzen.

Schlappe für die Schlapphüte

Der Attentäter von neulich, der wie man jetzt berichtet ein Doppelagent war hat sich dadurch verdient gemacht, dass er wichtige Informationen über Al-Khaida geliefert hat heißt es bei SPON:

Den Berichten zufolge hatte Balawi zuvor mehrfach Hinweise auf Qaida-Mitglieder geliefert und so Drohnen-Angriffe der USA ermöglicht. Auf diese Weise habe er sich Glaubwürdigkeit erarbeitet, heißt es.

Mich würde ja mal interessieren, was die Amis da denn wohl mit ihren Drohnen getroffen haben ? Terroristen wohl eher nicht.

Der Artikel erzählt eine Geschichte, wie man sie sonst nur aus B-Movies kennt:

Arzt wird in Jordanien von Sicherheitsbehörden wegen Terrorverdacht verhaftet. Nach drei Tagen sind er und die  Typen, die ihn eingelocht haben,  so dicke Freunde, dass er sofort seinen Job als Arzt aufgibt um als Spion für den CIA nach Afghanistan zu gehen. Dort macht er Karriere beim CIA und liefert Informationen, die den Amis helfen, mittels Drohnen Ziele anzugreifen. Alle sind glücklich, bis der Spion beschließt, dass er jetzt seiner eigentlichen Bestimmung nachkommen sollte, die darin besteht, sich mit ein paar Ungläubigen in die Luft zu sprengen.

Ganz großes Kino

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