Wenn die Bezahlung “im Regelfall deutlich unter 3 Euro liegt” so die Bundesanstalt für Arbeit, solle zumindest eine harte Prüfung veranlasst werden um zu klären, ob es sich womöglich um sittenwidrige Entlohnung handele. Damit weicht die BA von dem bisherigen Verständnis des Bundesarbeitsgerichts ab, wonach Löhne dann als sittenwidrig anzusehen sind, wenn sie mehr als 30% unter dem Tarif- oder ortsüblichen Lohn liegen. So macht die BA ihrem Ruf, die Wirtschaft mit billigen Lohnsklaven zu versorgen wieder einmal alle Ehre.
Die HartzIV-Gesetzgebung dient ja unter anderem dem Zweck, aus verhältnismäßig teuren Facharbeitern billige Lohnsklaven zu machen. Wer länger als ein Jahr arbeitslos ist verliert nicht nur sein Vermögen -übrig bleibt lediglich das sogenanntes “Schonvermögen”- sondern auch die Anerkennung jedweder Ausbildung. Die Zumutbarkeitsregelungen verlangen, dass der Arbeitslose jeden ihm angebotenen Job annehmen muss, will er nicht riskieren, dass die Arge seine Leistungen kürzt, was in der Regel existenzbedrohend ist, weil HartzIVer eben nicht in Saus und Braus leben, sondern irgendwie versuchen, mit den maximal 359 € zu überleben.
Wer sich z.B. für seine akademische Ausbildung hoch verschuldet hat, weil der goldene Löffel im Mund bei der Geburt nicht mitgeliefert wurde und nicht riskieren wollte, die Regelstudienzeit wegen zu vieler Nebenjobs zu überschreiten, kann Pech haben und darf versuchen, seine Schulden als Billiglöhner abzuarbeiten. Da die Absolventen in der Regel keinen Anspruch auf ALG1 haben, wandern sie direkt ins HartzIV-Paradies und unterliegen den Zumutbarkeitsregelungen sofort. Wer nicht ganz schnell den Einstieg in einen angemessenen Job findet biegt in den Mc-Job ab, der für viele auch schnell zur Einbahnstraße wird, weil spätestens nach einem Jahr die frischen Absolventen auf den Markt stürmen, die nicht den Makel haben, seit einem Jahr nicht mehr “im Thema” zu sein.
Hochqualifizierte Jobs bringen es in der Regel mit sich, dass der Arbeitnehmer sich ständig weiter bildet, um nicht irgendwann auf lauter überholten Fertigkeiten zu sitzen, die niemand mehr braucht, weil die Entwicklung sie obsolet gemacht hat. In einer solchen Situation reicht ein Jahr im Callcenter oder als Taxifahrer unter Umständen schon aus, um aus einem kostspielig ausgebildeten Akademiker einen dauerhaften Billiglöhner zu machen, der erkennen muss, das seine Ausbildung sich für ihn zur Fehlinvestition entwickelt. Warum sollte ein Unternehmen auch jemanden einstellen, der das letzte Jahr mit dem Braten von Burgern verbracht hat, wenn er auch Leute haben kann, die frisch von der Uni oder aus dem Job bei der alten Firma kommen und “auf dem Laufenden” sind?
Experten wie der unsinnige Professor Sinn und andere Marktradikalinskis sehen natürlich, dass die Arbeitslosigkeit hoch ist und wissen natürlich auch, dass dies nur daran liegt, das Arbeit in Deutschland zu teuer ist. Nicht etwa das Fehlen von mindestens 5 Millionen Jobs ist das Problem, sondern das Heer von unwilligen Arbeitslosen, die einfach ihre Vorstellung von einer Arbeit, die sie auch ernährt, partout nicht aufgeben wollen. Allen Ernstes gehen die Marktreligiösen davon aus, man müsse nur weit genug runter mit den Löhnen und schon stellt sich automatisch Vollbeschäftigung ein. Folgerichtig preisen sie denn auch die Explosion des Billigjobsektors und sprechen von der “Jobmaschine” Agenda 2010. Heute arbeiten 17,5% der Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Das gleichzeitig Millionen von Vollzeitarbeitsplätzen verschwunden sind ist ihnen freilich bis heute nicht aufgefallen und man fragt sich, auf welchem Stern die Herren Professoren wohl unterwegs sein könnten. Doch während man früher noch alle möglichen Irren einfach weg sperrte, bieten heute die Medien die Gelegenheit, besonders unterhaltsame Wahnsinnige in Talkshows zu präsentieren, wo sie ihre wirren Theorien unter’s Volk bringen dürfen. Einzig die Regierungen scheinen noch nicht ganz mitbekommen zu haben, womit sie es zu tun haben und geben weiterhin Millionen von Steuergeldern für “Gutachten” aus, die diese Wirrköpfe aus ihrem Kaffeesatz zusammen rühren.
Dank der tätigen Mithilfe Deutschlands “klügsten Professors” und seiner neoliberalen Talkshowkomplizen kann Deutschland stolz darauf sein, dass sehr viele gut ausgebildete Leute mies bezahlt werden. Leitung soll sich lohnen.

Quelle: http://www.jjahnke.net
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