Schäubles Wunschzettel
Beamte in den Ministerien haben ja bei uns die Aufgabe, Papiere mit hässlichen Details an die Öffentlichkeit zu bringen, die dem zuständigen Minister die Gelegenheit geben, heftig zu dementieren und kund zu tun, hier habe ein Beamter lediglich mal so vor sich hin überlegt und keinesfalls entspräche die Veröffentlichung konkreten Plänen. Beamte halt, die sich profilieren wollen -man kennt das ja. Da kommt vielleicht ein neuer Dienstherr und da kann es nicht schaden, nochmal durch Eifer aufzufallen. Wenn’s wirklich wichtig ist geht man als Minister sowieso heute direkt zur Lobbyistenkanzlei und lässt sich dort beraten, wie jüngst unser Wirtschaftministerheiland Guttenberg.
Ganz nebenbei kann man so natürlich heimlich still und leise mal antesten, wie denn so die Reaktion ist. Fällst sie gut aus kann man Minister ja immer noch aufspringen und dem Beamten auf dabei auf die Schulter klopfen. Aktuell lässt Schäuble gerade wieder einen solchen Testballon steigen -natürlich nur eine harmlose Liste von Dingen die man vielleicht, oder auch nicht , nur dass sie nicht in Vergessenheit geraten usw. erstellt hat.
Wolfgang will das Arbeitsfeldes seiner leicht voyeuristisch veranlagten Mitarbeiter ausweiten und möchte, dass der Verfassungsschutz Computer online durchsuchen können soll und will ihnen auch den Zugriff auf die Vorratsdaten erlauben. Darüber hinaus soll der genetische Fingerabdruck zum Standardverfahren werden und damit die V-Leute nicht als Memmen da stehen, sollen sie “szenetypische” Verbrechen begehen können, ohne dass sie dafür belangt werden. Ich stell mir gerade vor, wie ein als jugendlicher “Gansta” eingeschleuster V-Mann einen Rentner verprügelt und ein paar von der Kanzlerin jüngst noch mal ermutigte zivilcouragierte Passanten helfend eingreifen und wir haben eine schöne Massenschlägerei im Dienste der inneren Sicherheit. Später auf der Polizeiwache bekommen dann die Passanten ein Belobigungsschreiben und die Möglichkeit, einen Antrag zu stellen, die Sicherheitsbehörden möchten doch bitte zu Bruch gegangene Brillen und ähnliche Schäden ersetzen. Zugesagt wurde, hier schnell und unbürokratisch vorzugehen.
Das ist so bescheuert, dass sich das nur Leute ausdenken können, die für die Regierung arbeiten. Und wer glaubt, das die FDP ernsthaft was dagegen hat braucht nur nach Sachsen oder Bayern zu schauen. das vorliegende Papier setzt einen lange Geschichte der rechtsstaatlichen Erosionen fort wie Prantl hier in der SZ auflistet.
Das Innenministerium ist offenbar fest entschlossen, den Rechtsstaat zu Grabe zu tragen und immer mehr Befugnisse in die Grauzone nicht kontrollierter, geheim und ohne jede öffentliche Kontrolle operierender Behörden zu verlagern.
September 29, 2009 | Posted by willi
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