Lasset die Kinder zu mir kommen
Bei kaum einem Gebiet findet sich mehr Bigotterie und Scheinheiligkeit als beim öffentlichen Umgang der katholischen Kirche mit der Sexualität. Noch heute malträtiert die Kirche ihre Schäfchen mit ihren kruden Vorstellungen darüber, wie denn mit der Reproduktion von Schäfchen und den dabei auftretenden Nebeneffekten zu verfahren sei.
Kinder entstehen sehr zum Leidwesen der frömmelden Prediger zumeist lustvoll und das hat die Natur durchaus intelligent eingerichtet, sonst würde sich der Mensch womöglich den Aufwand irgendwann nicht mehr antun und wäre längst ausgestorben. Schlimmer noch, die Natur hat es so eingerichtet, das der Spaß an dem Ganzen auch ohne die feste Absicht der Vermehrung funktioniert und jeder Katholik muss aufgrund der sehr merkwürdigen Einstellungen seiner Kirche zu lustvollem Sex, mit sich ausmachen, wie viel Spaß sein Gewissen verträgt.
Anspruch und Wirklichkeit liegen hier in kongnitive Dissonanzen fördernder Entfernung auseinander. Auch der Zölibat, den die katholische Kirche ihren Priestern auferlegt, macht die Sache nicht besser und trägt nicht unbedingt dazu bei, ein klareres Verhältnis zur Sexualität zu gewinnen. Im Gegenteil fördert die glatte Leugnung der Sexualität inklusive der dazugehörigen Bedürfnisse den verlogenen Umgang der Kirche mit dem Thema, weil sie einen nicht unwesentlichen Teil der menschlichen Realität zu leugnen oder zu verdammen versucht.
Demnach durfte man aktuell von der katholischen Kirche auch keine andere Reaktion erwarten als die, nach Möglichkeit alle ruchbar gewordenen Fälle von sexuellen Übergriffen ihres Personals zu vertuschen. In der Vergangenheit ist ihr dies immer wieder gelungen und so kam es nie zu breiten Diskussion z.B. über das Thema Missbrauch an Kindern, mit der Folge, dass die Kirche von Amts wegen dafür sorgte, das ihren pädophilen Priestern der Nachschub an Opfern nie ausging. Sie hat so tausendfach Mithilfe zum Missbrauch geleistet und dies auch sehr genau gewusst.
Jetzt bekundet man den festen Willen, für Aufklärung sorgen zu wollen, nachdem alle Versuche der Verharmlosung und des Relativierens diesmal nicht geholfen haben. Wenngleich natürlich der Hinweis auf die von den 68ern untergrabenen Moralvorstellungen in diesem Zusammenhang nicht fehlen durfte. Im Grunde hat die Kirche ja auch kaum was zu befürchten: Während beim theatralischen Umgang mit Kindesmissbrauch sonst auch schon mal Türen eingetreten und Existenzen auf vagen Verdacht hin ruiniert werden, weil die Ermittlungsbehörden “Erfolge” vorweisen wollen, müssen die Täter im Ornat solche Hässlichkeiten wohl nicht befürchten. Die Kirche wird ermitteln und man wird sehen, wie viele Opfer und Zeugen sich finden werden, die den Mut haben Job und Ruf zu riskieren und auszusagen. Ich prophezeihe der Affaire einen leisen Tod: Ein paar Baueropfer, der eine oder andere Täter, der “nicht mehr zu halten ist” und das war’s.
Helfen würde schon mal, wenn klar würde worum es eigentlich geht, um den Eindruck zu vermeiden, es ginge etwa nur um Ohrfeigen, die der Bruder des Papstes seinen Chorknaben verpasst hat.
Karl Weiss schreibt da schon viel genauer, worum es eigentlich geht.