Nur ganz kurz

Nur eine ganz kurze Mitteilung, bevor ich die Tür mit ein paar weiteren Brettern sicher und dann wieder offline gehe, um auch diese offene Flanke möglichst schnell zu schließen:

Jetzt wo die Vorratsdatenspeicherung -wenn auch nur in der alten Form- gekippt ist, kann die Polizei ihre Bürger im Prinzip gar nicht mehr schützen. Die Richter haben Deutschland quasi zum rechtsfreien Raum erklärt und Straftäter können eigentlich nur noch gefasst werden, wenn sie in Gegenwart eines zufällig anwesenden Polizisten Straftaten begehen.

Der Bürger ist damit vogelfrei und die Verbrecher können sich jetzt ungehindert am Telefon oder per Email zum Handtaschenraub, Fahrraddiebstahl oder Schlimmerem  verabreden. Die Behörden können erst dann ermitteln, wenn das Opfer schon geschädigt ist.

So jetzt muss ich aber Internet ausmachen. Is’ sonst zu gefährlich.

“Mother doesn’t go out anymore. Just sits at home an roles her spastic eyes….

Shopping infernale

Neuer Eintrag in die Liste der Dinge, die man mittlerweile auf Flughäfen besser lassen sollte: Einkaufen gehen. Der Großalarm auf dem Münchener Flughafen vom Mittwoch letzter Woche wurde von jemanden ausgelöst, der die Zeit bis zum Abflug mit einem Gang in den Duty-Free-Shop nutzen wollte.

Der Passagier ahnte offenbar nicht einmal, dass er für den ganzen Aufruhr verantwortlich war, sondern ging, wie die mittlerweile ausgewerteten Videobilder zeigen, ganz relaxed nach Wiedereröffnung durch die Sicherheitsschleuse und bestieg seinen Flieger. Zur ultimativen Beruhigung weisen sie Aufsichtskräfte noch darauf hin, dass der Fluggast den Bildern nach ganz harmlos ausgesehen habe. Auch das sprengstoffverdächtige Notebook des Passagiers erwies sich als ungefährlich.

Gepflegtes Parken

Während die Bahn ihre Wagons eher unkontrolliert neben den Schienen abstellt, was dem Material definitiv nicht gut tut, bevorzugen die  Betreiber des Eurostars das Stehenbleiben im Tunnel was auch von den Bergungsmannschaften goutiert wird.

Der Eurostar gehört übrigens mit einer Reisegschwindigkeit von 160 Kmh zu den schnellen Parkern, wird allerdings noch übertroffen von liegengebliebenen ICEs , deren 3er Baureihe mit bis zu 300 Kmh herumstehen kann.

Einsehen beim Ansehen

Die Niederländer testen jetzt die berüchtigten Nacktscanner -zumindest für USA-Flüge. Viel war von Privatsphäre und Menschenwürde die Rede. Nicht erwähnt wurde, welche Auswirkungen seine Anwendung auf das Personal hat und was mit einem Flugsicherheitsmitarbeiter passiert, der sich von früh bis spät davon überzeugen kann die Bevölkerung der Industrielländer im Allgemeinen und die der USA im Besonderen echte Probleme mit dem Körpergewicht haben. Ein beträchtlicher Teil der Fluggäste ist definitiv zu klein für sein Gewicht.

Der Hersteller hatte ein Einsehen und der Mitarbeiter bekommt jetzt eine idealisierte Darstellung.

Damit wäre die Gefahr für den Flugverkehr ja gebannt. Hat noch jemand eine Idee, wie wir unser 34000 Km Bahnstrecke, unsere Pipelines, Strom- und Computernetzwerke vor Terroristen schützen?

Bildungsoffensive

Bildung ist ja immerhin so wichtig, dass wir deswegen Gipfel veranstalten. Da kommt dann die bunte Kanzlerin vorbei lässt schöne Bilder mit Schulkindern machen und erklärt den wartenden Reportern, dass Bildung jetzt Chefsache sei.

Derweil schränken ihre Handlanger in den Gerichten die Nutzungsrechte für Leseplätze von Bibliotheken weiter ein und untersagen  auch das teilweise Ausdrucken  digitalisierter Werke. Schon klar, Bildung ist unser wichtigster Rohstoff und wir können nur bestehen, wenn wir mutig voranschreiten und uns den Herausforderungen der modernen Informationsgesellschaft stellen -Bla Blah.

Wer sich die Fachbücher nicht leisten kann muss dann eben dumm bleiben. Wo kämen wir hin, wenn wir unseren Studenten allen alles Wissen frei zur Verfügung stellten. Wissen muss sich rentieren und  es kann ja auch nicht angehen, dass jeder arme Schlucker an alle Informationen herankommt. Bildung für alle -so weit kommt’s noch!

Diese Land wird an Dummheit und Gier zugrunde gehen. Die Verlage haben die letzten 20 Jahre geschlafen und sehen nun plötzlich, dass sich die Welt verändert hat. Kaum geändert hat sich allerdings ihr Geschäftsmodell. Sie bereiten Informationen auf, verpacken sie in ein Medium und verkaufen sie weiter. Jetzt versuchen sie mit aller Gewalt ihre davon schwimmenden Felle zu retten. Mit abstrusen Rechtsvorschriften versuchen sie Menschen zu kriminalisieren, die nichts andres tun, als die  Möglichkeiten der digitalen Technik zu nutzen.  Aber den Fortschritt mit abstrusen Gesetzen aufzuhalten ist ja nichts wirklich Neues.

Die alten Industrien haben irgendwie nicht mitbekommen, dass es so etwas wie eine Community gibt, die nicht nur kostenlose Betriebssyteme programmiert, sondern auch Informationen frei verfügbar macht. Digitaltechnik, wie sie heute in nahezu allen Wohnzimmern in Form von Computern herumsteht, versetzt Max Mustermann in die Lage, Musik zu machen, alle möglichen Arten von Dokumenten zu erstellen und sie auch zu publizieren. Bis heute kämpft die Lobby von Musik und Verlag mit aller Macht dagegen an, dass die Leute die Dinge tun, die sie tun können und für die sie schließlich auch bezahlt haben. Klar, wir finden wir  das ganz toll, wenn sie Audiosoftware kaufen, aber bitte keine Samples oder Meshups ins Netz stellen -nur für den Privatgebrauch!

Das Problem ist ein Grundsätzliches: Mit ganz großen Augen haben Unternehmen und Politik auf den Technischen Fortschritt gestarrt und gedacht, alles würde so weiterlaufen wie bisher. Die Produktionsmittel haben weiterhin nur die in der Hand, die das nötige Kapital haben und der Rest soll bitteschön wie früher alle Produkte kaufen. Moderne Technik ändern aber etwas ganz wesentliches: Heute kann jeder versierte Laie z. B. genau die Musik selber erstellen, für die man früher ein Tonstudio brauchte. Er kann Dokumente selber erstellen und publizieren und das auf einem Level, der vor gar nicht all zu langer Zeit top ausgerüsteten Verlagen vorbehalten war. Es stellt sich raus, dass technischer Fortschritt nicht nur die Produktivität enorm steigert, sondern auch diverse Geschäftsmodelle, die auf der knappen Verfügbarkeit von Produktionsmitteln basierten einfach überholt.

Knappe Verfügbarkeit sicherte den Preis und das Einkommen des Herstellers. Die Möglichkeit der kostengünstigen bis fast kostenlosen Vervielfältigung durch moderne Digitaltechnik ruiniert sein Geschäftsmodell. Die Erfahrung ist nicht neu und gehört zum Fortschritt -das Aufkommen des Autos hat zahllose Hufschmiede ruiniert. So what.

Abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob denn wirklich alles der kapitalistischen Verwertung überantwortet werden sollte -eine Frage, die von der Mehrheit unserer Politiker mit unwesentlichen Restskrupeln rundheraus bejaht wird- oder ob es nicht schlau sein könnte, Wissen und Bildung davon auszunehmen.

Man stelle sich vor: In Deutschland soll eine Revolution stattfinden, die aber leider nicht zustande kommt, weil der potentielle Revolutionär kurz vor Ausbruch der Unruhen verhaftet wird. Der Grund war, das er in dem via Internet verbreiteten Aufruf  einige Textpassagen eines Philosophen zitiert hatte, auf den ein Verlag noch das Copyright hat. Mit einstweiliger Verfügung wird der Aufruf kassiert und die Sicherheitsbehörden stecken unseren verhinderten Revolutionsführer prophylaktisch in U-Haft, weil sie auf Grund eines unsteten Lebenswandels Fluchtgefahr sehen. So konnte die Welt nicht gerettet werden, weil ein Verlag etwas dagegen hatte. Schade.

Schelmenfutter

Schelme denken gerne etwas Böses und werden leider auch ständig bestätigt. So dachten sie schon damals, als man den Aufbau eines Mautsystems mit der Unterschrift unter Verträge besiegelte, die aus dubiosen Gründen der Geheimhaltung unterlagen, dass hier ganz böse gemauschelt wird und sich das beteiligte Firmenkonsortium  einen saftigen Rentenvertrag auf Kosten des Steuerzahlers an Land zieht. Nun hat Wikileaks angefangen, den Vertrag zu veröffentlichen und nach dem was bei Heise schon zu lesen ist, scheint es als sollten die Schelme wieder Recht behalten und Rot-Grün half den Unternehmen dabei, den Steuerzahler sauber abzuzocken.

Der ein oder andere mag sich noch erinnern, dass der Start ja immer wieder verschoben werden musste weil die Creme de la Creme der deutschen Industrie weder mit dem Budget, noch mit den Terminen zurecht kam. Wahrscheinlich wurde einfach zu viel Sekt getrunken oder man hatte Probleme  mit dem Mitzählen beim Geldregen. Verständlich, wenn man als Softwarehersteller pro Jahr  150 Mio, Miete für die Software bekommt. Da muss der Inder lange für programmieren…

Mosaik

Neue bahnbrechende Erkenntnisse aus der Wissenschaft: womöglich wird das Menschenbild des Homo Oeconomicus nicht ganz der Wirklichkeit gerecht. Ein Professor erregt internationales Aufsehen mit Experimenten, die darauf hindeuten, dass der Mensch nicht nur auf die Maximierung seines Eigennutzes aus ist, sondern, dass auch Dinge wie Gefühle oder Vertrauen eine Rolle spielen könnten.

Es ist doch schön, mit welch einfachen Dingen man Wirtschaftsexperten einen Freude machen kann. OK, was der Professor da zusammen mit anderen Experten herausgefunden haben will hätte man auch von der Marktfrau erfahren können oder vom kleinen Gemüsehändler um die Ecke. Selbst Profifußballer, die beim ihrem  alten Verein bleiben, obwohl sie woanders mehr verdienen könnte,  hätten da hilfreiche Hinweise geben können.

Das holzschnittartige Menschenbild ist ja nur ein Teil der grauenhaften Simplifizierungen, mit denen die derzeit gängige Wirtschaftswissenschaft arbeitet. Und wenn es der gemeinsamen Anstrengungen von Psychologen, Neurowisenschaftlern und Genetikern bedarf, um herauszufinden, dass der Mensch mehr ist als ein rein zweckrationales Wesen, das nur seinen eigenen Vorteil kennt, lässt das tief blicken und wirft die Frage auf, ob Wissenschaft und Fachidiotie noch zu unterscheiden sind. Ein kurzer Blick in die Geschichte der Religionen, der Philosophie oder auch der Kunst hätte  genügt, um die Frage zu beantworten, ob ein derart simples Menschenbild stimmen kann.

Wenn Forschungen wie diese “internationales Aufsehen” erregen, dann lässt sich erahnen, in welch einem grauenhaften Autismus die Einzeldisziplinen gefangen sind.  Mich erinnert das an ein Gleichnis aus dem Religionsunterricht, beim es darum ging, dass einige Blinde, die jeder für sich einen anderen Teil eines Elefanten gerade berühren, zu beschreiben versuchen, wie ein Elefant aussieht.

Man hätte natürlich auch einfach mal hier nach schauen können.

Barrierefreies Google -Cought by Captcha

Damit nicht jedes dämliche Script sich überall anmeldet gib es ja solche  Schutzmaßnahmen wie Captchas. Man erzeugt eine Reihe von Zeichen und verfremdet diese so, dass sie nicht von Scripts oder Robots entziffert werden können. Das klappt gut. Manchmal sogar so gut, dass das menschliche Auge nicht mal erkennt, was da eigentlich steht. Das ist natürlich gemein und weil hier Sehbehinderte besonders benachteiligt werden, nicht mal politisch korrekt. Damit sich niemand diskriminiert fühlen muss, kann auf ein Rollstuhlsymbol geklickt werden -wobei hier noch die Frage ist, ob es nicht Sehschwache diskriminiert, wenn man sie mit Rollstuhlfahrern in einen Topf wirft- aber sei’s drum. Der Klick hilft dem Verzweifelten und Frau oder Herr Google liest vor, was da steht:

barrierefrei

Wenigstens wird es wiederholt;-).

Wer weiß, was im Captcha verborgen ist könnte das als Kommentar hinterlassen -so könnte ich mich dann wenigstens anmelden…