Bomben und Plomben
Bis jetzt war es ja reines Glück, dass wir noch keinem großen Terroranschlag zum Opfer gefallen sind und die Pläne für das große Fanal entweder an beeindruckendem Dilettantismus, wie im Falle der Sauerlandfrisöre, oder daran scheiterten, dass unsere ISAF-Truppen die Terroristen proaktiv in Afghanistan umbrachten, bevor sie in unser Land einfallen konnten. Gut ob jetzt wirklich alle bisher getöteten Kinder später Terroristen werden wollten weiß man nicht, aber wie das so ist bei Sicherheitsfragen: Irrtümer können sehr teuer werden und unnütze Risiken sollte man doch lieber vermeiden.
Außerdem gibt es ja zur Zeit -wenn man dem obersten Sicherheitsexperten des Spiegel Herrn Musharbash glauben schenkt- eine regelrechte Ausreisewelle von jungen Leuten , die in die Terrorcamps fahren, um sich zum Terroristen ausbilden zu lassen. Natürlich könnte man sich jetzt zurück lehnen und auf die von Industrie und Arbeitgeberverband immer wieder beklagte mangelnde Ausbildungsfähigkeit der deutschen Jugend verlassen, die zur Folge haben dürfte, dass sich ein beträchtlicher Teil der Terrorazubis vermutlich längst aus Versehen selbst ins Jenseits befördert hat, noch bevor er sein Diplom, oder wie immer die erfolgreiche Abschlussprüfung bescheinigt wird, in den Händen halten. Doch bei den Massen, die zur Zeit die Camps durchlaufen, wird wohl der ein oder andere respektable Terrorist dabei herauskommen, der dann in unser Land einsickert und zu Schlafen anfängt.
Im Grunde ist das alles ja auch ein gutes Zeichen, schließlich räumt es ein wenig mit dem Klischee auf, die Jugend habe keinen Bock auf Bildung und sei entschieden zu unflexibel, wenn es darum geht, auch Ortswechsel für eine Ausbildung in Kauf zu nehmen. Allerdings sollte man auch nicht die Augen davor verschließen, dass Terrorismus im Grunde Schwarzarbeit ist und -sofern sie hauptberuflich ausgeübt wird- den Sozialkassen natürlich dadurch Einnahmen entgehen. Eventuell könnte man die ausbleibenden Rentenbeiträge verschmerzen, wenn man davon ausgeht, dass ein Terrorist, der was auf sich hält, vorher dem Renteneintrittsalter möglichst spektakulär zu Tode gekommen sein sollte, weil ein Märtyrer wesentlich mehr her macht als als ein Rentner, der womöglich sogar aufstocken muss, weil er nie richtig geklebt hat. (Natürlich bleibt trotzdem jeder Betragszahler, der vor dem Renteneintrittsalter seinen Löffel auf den Dachboden wirft, weiterhin der Idealfall für die Alterskassen)
Ein Problem sind natürlich die Beiträge zum dauerhaft Not leidenden und deshalb laufend reformierten -oder ist es umgekehrt?- Gesundheitssystem. Man stelle sich vor: kurz bevor ein Terrorist beschließt, der Sache mit den Jungfrauen im Paradies auf den Grund zu gehen und sich mit einer ordentlichen Ladung zusammen mit einigen Ahnungslosen in die Luft zu sprengen, lässt er sich noch die Zähne machen, weil er denkt, dass die Jungfrauen im Paradies ihn verschmähen könnten wenn er seine Karies nicht in den Griff bekommt.
Falls der Terrorist nicht noch ein einträgliches Nebengewerbe ausübt, was wegen der ungewissen Perspektiven und den damit verbundenen Motivationsproblemen in der Geschäftsführung eher selten einträglich ist, hat er sich womöglich arbeitslos gemeldet. Dies würde bedeuten, dass letztlich die Arge zum Beispiel die Sanierung seines Gebisses bezahlen würde. Ein ungeheurer Skandal und eine Verschwendung obendrein, weil davon auszugehen ist, dass die Sachen mit den Jungfrauen eh gelogen und Karies im Paradies auch kein Thema sein dürfte, ist doch das Paradies nach landläufiger Vorstellung der Ort, an dem all die menschlichen Plagen ein Ende haben und in dem folglich Zahnärzte nicht gebraucht werden.
Die breite Öffentlichkeit nimmt ja mittlerweile Gott sei Dank wahr, dass die eigentliche Bedrohung unseres Gemeinwesens von den Sozialschmarotzern ausgeht und nicht -wie kurzzeitig vermutet- von der Schweinegrippe oder von Banken, die sich ein wenig mit ihren Papierchen verjongliert hatten und deren Verluste wir jetzt abzahlen. Die Medien haben das Thema bereitwillig aufgegriffen und wenn wenn auch keinen leibhaftigen, sozialschmarotzenden Terroristen, so doch immerhin mit Arno Dübel einen veritablen Volksschädling vor die Kamera bekommen und damit zumindest einen ungefähren Eindruck von der aktuellen Bedrohungslage vermitteln können.
Der Plünderung der Sozialkassen durch politische Schwarzarbeit aber ist nur beizukommen, wenn das Volk möglichst breit überwacht wird. Dies müssen die staatlichen Sicherheitsbehörden in die Hand nehmen, weil bei den Deutschen trotz aller Bemühungen in Form von Dokusoaps zum Thema Missbrauch von Sozialleistungen, der alte Blockwart nicht wiederbelebt werden konnte und damit Fahndungserfolge aufgrund nachbarschaftlicher Denunziation eher die Ausnahme bleiben dürften.
Unglücklicherweise haben die Bundesrichter wenig Verständnis für unseren obersten Kassenwart gezeigt und die Vorratsdatenspeicherung er einmal gekippt. Dies zwingt unsere eifrigen Volkszertreter Voksvertreter dazu, nachzubessern denn die spitzfindigen Bedenken einiger weltfremder Richter ändern nichts an der Realität: Die Terroristen sind unter uns -egal ab als Bomber oder Schmarotzer- und wir dürfen die Kontrolle nicht verlieren.
Du bist Terrorist from alexanderlehmann on Vimeo.
