Gute Arbeit

Im Rahmen der Banken/Finanz/Wirtschftskrise ist immer wieder auf das schlechte Risikomanagement von Banken geschimpft worden, die angeblich sehr fahrlässig unüberschaubare Risiken eingegangen seien. Das ist wahrscheinlich falsch und der Erfolg gibt den Banken zumindest hierzulande Recht: Nahezu alle wurden gerettet und im Gegensatz zu den USA, wo es bereits 190 Banken in den Abgrund gerissen hat, gab es hierzulande gerade mal fünf Geldhäuser, die in die Insolvenz schlitterten.

Der Rettungsschirm und eine -realistisch gesehen völlig absurde-  Garantie der Kanzlerin für alle Einlagen- haben super funktioniert und ich nehme nicht an, dass die Banker das Vorgehen der Politik überrascht hat. Schließlich saß man schon 2003 zusammen und überlegte, ob man nicht eine Bad Bank einrichten soll, um Kreditmüll, der schon damals einen ordentlichen Umfang hatte, zu entsorgen und die vergangen Jahre gaben nicht wirklich Anlass zur Sorge, die Bereitschaft der Politik zur Sozialisierung von Bankverlusten sei signifikant zurückgegangen.

Dass die Damen und Herren auch weiterhin nicht schlafen und weiter fleißig daran arbeiten, Profite zu erhöhen und Risiken zu minimieren, ließ sich unlängst am Fall Griechenland gut beobachten.

Man stelle sich vor, man sei eine Großbank und umfangreich in einem der zur “Schweinebande” der unsoliden Staaten gehörenden Länder investiert. Ihre Aufgabe ist es, zunächst einmal herauszufinden, wie hoch das Risiko tatsächlich ist und ob es eine realistische Gefahr gibt, das die EU Griechenland pleite gehen lassen und aus der Gemeinschaft raus werfen könnte. Nebenbei wäre es natürlich auch nicht so verkehrt, wenn es gelingen sollte, den Griechen, die turnusmäßig bald wieder Staatsanleihen verkaufen müssen, um ihre Schulden zu refinanzieren, ein paar Prozentpunkte mehr an Zinsen abzuknöpfen.

Bevor sie Kontakt zur befreundeten Ratingagentur aufnehmen, kauft ihre Bank erst einmal einen Haufen “leerer” CDS (Credit Default Swaps, Kreditversicherungen), die derzeit noch billig zu haben sind, weil sich beim AAA-Rating, dass die Griechen bis vor kurzem noch hatten keiner großartig Gedanken über eine Zahlungsunfähigkeit der Helenen machte.

Die Ratingagentur, die zwar nicht zu ihrem Laden gehört, aber immerhin von ihnen mitbezahlt wird, stuft die Griechen auf BBB+ herunter, was soviel bedeutet wie “könnte möglicherweise Pleite machen”.  In der Folge wird überall  groß über einen möglichen Staatsbankrott der Griechen geredet und die Sache kommt ins Rollen. Ihre Bank freut sich schon mal über die erfolgreiche Wette gegen die Griechen und die steigenden Preise für ihre CDS.

Es wird viel diskutiert und verhandelt und es zeichnet sich irgendwann ab, dass die EU es lediglich beim Drohen belässt und die Griechen nicht fallen lassen wird, weil sie befürchtet, dies könnte ein erster Dominostein sein, der anschließend die anderen “Schweine” (Irland, Italien, Portugal, Spanien) mit sich reißt. Die Vorstellung eines Zerfalls der Währung versetzt die Politik in Panik und eine Reihen von aufgeregten Konsultationen findet statt.

Die EU verdonnert schließlich die Griechen zu knallhartem Sparen, um ihre Verschuldung abzubauen. Griechenland verbleibt im Euroraum muss aber nach all den Horrormeldungen und den stark gestiegenen Preisen für CDS deutlich höhere Zinsen zahlen. Die EU-Staaten denken über eine europäische Variante des IWF nach, der von Insolvenz bedrohten Staaten notfalls beispringen soll. Sie nehmen erfreut zur Kenntnis, dass die EU den Staatsfinanziern einen großen Teil des Risikos abnehmen möchte und lehnen sich zurück.

Als die Griechen dann wieder einmal Anleihen versteigern -freilich zu deutlichen höheren Zinsen als zuvor- finden sich “überraschend viele” Käufer und die Presse spricht vom “Griechischen Wunder”. Sie schmunzeln.

Sie sind zufrieden: Die Griechen bringen jetzt einer bessere Rendite als zuvor und das Risiko ist unter Kontrolle, weil sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, das Griechenland vielleicht nicht “to big fail” aber offenbar für zu wichtig gehalten wird um es untergehen zu lassen. Die Kredite sind jetzt nicht nur über CDS, sondern auch politisch abgesichert und einige Leute sagen, es handle sich bei dem Ganzen um nackte Erpressung, aber diese Leute verstehen nichts vom Risikomanagement moderner Großbanken.

Die Politiker, die wieder einmal gemerkt haben, dass sie nichts zu melden haben, kündigen an, in Zukunft eine “härtere Gangart gegenüber den Banken an den Tag legen zu wollen” (Merkel) und geben bekannt, dass sie sich darauf geeinigt haben, “in Zukunft gemeinsam gegen Marktspekulanten” (Sarkozy, Merkel, Papandreou, Schäuble, Koch-Mehrin etc. )vor zu gehen. Daraufhin erzittert die Finanzwelt und bei einigen Beteiligten gerät durch übertriebenes Gelächter Spucke in die Tastatur ihrer Computer, was aber keine Auswirkung auf die Märkte hat, weil dadurch Gott sei Dank nicht unbeabsichtigt Kauforders ausgelöst wurden.

Ach ja, nächste Woche will ihr Boss mit ihnen über Spanien reden.

Es wäre im übrigen völlig unangebracht, das Downrating von Staaten durch private Ratingagenturen mit einer Praxis zu vergleichen, die unter dem Begriff “Schutzgelderpressung” im Strafrecht zu finden ist und die üblicherweise mit der Mafia in Verbindung gebracht wird, weil es sich bei der Mafia ganz klar um organisiertes Verbrechen handelt. Investmentbanking hingegen ist etwas völlig anderes -das hat gar nichts miteinander zu tun.

Rezept

Westerwelle weigert sich offenbar immer noch seine Medikamente zu nehmen und rennt weiter Amok.  Weiß jemand, wo er das Rezept hingelegt hatte?

Wieso eigentlich keine Arbeitslager für Hartzer?  Wann geht eigentl ich endlich der erste Niedriglöhner  los und “befreit” die Allgemeinheit vom ersten Leistungserschleicher?

Ich könnte kotzen.  Gilt Volksverhetzung eigentlich nur für Rechte?

IH-AH

Das Faszinierende an Westerwelle ist ja, dass er so etwas wie Intellektuelles Schamgefühl nicht kennt. Tourneen im Spaßmobil, auf die Schuhsohlen gemalte Wunschwahlergebnisse oder die Inkarnation als Freiheitsstatue Deutschlands, nichts ist so dämlich, dass Guido es nicht volltönend ins nächst beste Mikro plappern würde.

Aktuell sieht er anlässlich des BVG Urteils zum HartzIV-Gesetz die Gefahr spätrömischer Dekadenz aufsteigen und wäre der Mann nicht Vizekanzler könnte man sich ja auf die Feststellung beschränken, dass vorauszusehen war, dass die jahrelange Aufgekratzheit, mit der uns Guido in der Vergangenheit beglückt hat, schließlich kein Gutes Ende nehmen und zwangsläufig dazu führen musste, das er irgendwann komplett den Verstand verliert. Aber leider ist der Typ Außenminister und wir geben richtig viel Geld für den aus und was vielleicht noch schlimmer ist: Er vertritt unser Land im Ausland. Zwar schreiben Merkel und Guttenberg ihm wie kürzlich in London alles auf, damit er nichts falsches macht -aber wie lange geht das gut?

Selbst in der Koalition finden sich erste Anzeichen von Fremdschämen, was bei einer alles andere als hoch liegenden Schamgrenze schon was heißen will.
Angemessen reagierte Heiner Geißler mit einer Replik, die zeigt, dass der einstmals für’s Grobe zuständige Ex-Generalsekretär nicht verlernt hat:

“Die spätrömische Dekadenz bestand darin, dass die Reichen nach ihren Fressgelagen sich in Eselsmilch gebadet haben und der Kaiser Caligula einen Esel zum Konsul ernannt hat. Insofern stimmt Westerwelles Vergleich: Vor 100 Tagen ist ein Esel Bundesaußenminister geworden.“

Ohne Worte

Hohlkörper

Die Selbsternannte Freiheitsstatue von Deutschland hat sich zum BVG – Urteil geäußert und befürchtet und befürchtet spätrömische Dekadenz.

Freiheitsstatuen wie die vor New York  zum  Beispiel, sind bekanntlich innen hohl und man kann im Innenraum Treppen errichten, auf denen Touristen hochlaufen können um dann, oben angekommen,  die Aussicht zu genießen.

Manchmal streicht der Wind über das Bauwerk und es gibt komische Geräusche von sich.

Soldaten an die Front

Vielleicht sollten wir die Einsätze der Bundeswehr doch ausweiten, selbst wenn die heute schon in Gebieten unterwegs sind, die die Wehrmacht nie gesehen hat. Wenn sie nichts zu tun haben kommen die eh nur auf dumme Ideen. Da  unser Sebstverteidigungsminister angeblich auch bei der Truppe gedient hat, versteht man ihn jetzt vielleicht auch besser.

Außerdem entwickelt  sich die Situation in Afghanistan womöglich doch noch zu einem vernünftigen Krieg. Nach dem robusten Zelten am Hindukusch der ersten Jahre, spricht man mittlerweile von einem “bewaffneten Konflikt im Sinne des humanitären Völkerrechts”, nachdem Ende letztem Jahres erstmals kriegsähnliche Zustände beobachtet wurden. Festgestellt wurde dies vom Außenguido, der in der Regierung für die Umsetzung der außenpolikahnlichen Außenpolitik im Sinne der deutschen Verfassung zuständig ist.

Schlechte Gesellschaft

Die amtierende Bundespräsidentin Doris Leuthard rät der Bundesregierung, sich nicht mit Kriminellen einzulassen und die Daten-CD nicht zu kaufen. Wir sollten den Rat nicht einfach übergehen, denn er kommt aus mehr als berufenem Munde.

Seit Jahr und Tag geben sich ,angelockt von der legendären Diskretion Schweizer Bankmitarbeiter, Steuerhinterzieher, Geldwäscher und andere Kriminelle die Klinken der eidgenössischen Bankhäuser in die Hand. Hier warnt also jemand, dessen Land für sich, was den Umgang mit Wirtschaftskriminellen angeht, zu Recht Expertenstatus beanspruchen kann.

Der Spiegelfechter hat mal ein wenig im Nähkästchen der Schweizer Banken gekramt und tatsächlich: Mit Verbrechern kennen sich die Damen und Herren des helvetischen  Bankwesens wirklich gut aus.

Diensteifer

Geht doch!  Immer wieder wird über Politiker geklagt, die nur ab und zu mal im Parlament zu sehen sind und deren Arbeitsleistung insgesamt öffentlich angezweifelt wird.

Ganz anders ist da von Guttenberg. Ein Mann der wirklich seinen Job macht: Verteidigen!  Und zwar nicht unsere Freiheit am Hindukush sondern auch die Konten seiner reichen Freunde in der Schweiz.  Da er jahrelang mit der Verwaltung des eigenen Vermögens beschäftigt war -was ihn seinerzeit neben der fränkischen Herkunft  zum Wirtschaftsminister prädestinierte- kennt er die Sorgen und Nöte der geschundenen Leistungsträger und setzt sich, obwohl genug andere Probleme am Hals, für seine Leute ein. Das ist Einsatz. Gut der Mann.